„Hinsehen und klug handeln“

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Gestern fand die erste hessische Integrationskonferenz statt. Im Mittelpunkt stand die Förderung junger Menschen mit ausländischen Wurzeln. Im Bild: die Konferenzteilnehmer Virginia Wangare-Greiner und Athenagros Ziliaskopoulos.

Wiesbaden - Zum Auftakt der ersten hessischen Integrationskonferenz gab es ein swingendes „Oh when the Saints go marchin' in“ und einen mitwippenden Minister Jörg-Uwe Hahn (FDP). Von Michael Biermann (dpa)

Anschließend folgten im Plenarsaal des Landtags stundenlang trockene Worte vieler Experten. Der prominente Raum, die Gästeliste mit vielen ausländisch klingenden Namen und etliche Minister zeigten, dass die Landesregierung dem Thema eine neue Bedeutung beimisst.

Trotz Bemühungen um eine bessere Integration etwa mit Sprachförderung vor der Einschulung haben Menschen mit ausländischen Wurzeln immer noch schlechtere Chancen als Einheimische. Sie sind häufiger arbeitslos und brauchen eher Sozialleistungen, die Schulabschlüsse sind dramatisch schlechter, nannte Hahn die größten Probleme. Viele Eltern könnten ihre Kinder kaum unterstützen. Armut und geringe Bildung der Eltern erklärten aber nicht alles. Kinder von armen und wenig gebildeten Vietnamesen hätten bessere Bildungserfolge als Kinder aus türkischen Familien.

Was lehrt und das? Genau hinsehen, differenzieren und klug handeln“, meinte Hahn. Der Minister erhofft sich von der Konferenz Anregungen. „Ich sag' jetzt nichts und höre zu“, lehnte er eine Bitte um eine frühe Wertung ab. Innenminister Volker Bouffier (CDU) hielt es ähnlich: „Ich bin heute in erster Linie hier, um zuzuhören“, sagte er.

Ganztagsschulen für Migrantenkinder

Zu dem Treffen waren 120 Vertreter aus Migranten-Organisationen, Wirtschaft, Politik, Gewerkschaften, Sport, Bildung, Wissenschaft und Wohlfahrtsverbänden gekommen. KultusministerinDorothea Henzler (FDP) versprach, die Vorlaufkurse zur frühen Sprachförderung im Schuljahr 2010/2011 von neun auf zwölf Monate auszuweiten. Sie stimmte der Einschätzung aus dem Plenum zu, für jugendliche Migrantenkinder seien Ganztagsschulen besonders wichtig. Sie sollten am Nachmittag gemeinsam Sport treiben oder musizieren können.

Der Bildungswille ist nach Ansicht von Experten da. „Ich kenne keine Eltern, die kein Interesse an der Bildung ihrer Kinder haben“, sagte Franco Mariancola vom CGIL-Bildungswerk. 24 Prozent der Hessen haben ausländische Wurzeln, in Frankfurt sind es 42, berichtete Hahn. Integration sei kein Randthema. Die nächste Konferenz soll es im Frühjahr geben.

Quelle: op-online.de

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