Hochkonjunktur für Schuldnerberatung

Frankfurt/Rhein-Main - Kreis Offenbach Aufgehäufte Schuldenberge, Gewalt in der Familie und Suchprobleme - der Bedarf der Menschen nach Unterstützung und Beratung steigt stetig, auch in der Region. Diesem Wandel in der Gesellschaft will sich der Kreis Offenbach stellen und betreibt dazu mittlerweile drei Beratungszentren in Dietzenbach, Dreieich und Rodgau.

Ob Erziehungsfragen, Familien-, Schuldner- und Suchtberatung - wer Hilfe sucht, bekommt sie dort. Und die Arbeit für die Berater wird immer mehr, wie den nun vorgelegten Jahresberichten der Zentren zu entnehmen ist. Demnach hatten im vergangenen Jahr rund 2 600 Menschen erstmalig eine der drei Beratungsstellen des Kreises aufgesucht, wie Kreisbeigeordneter Carsten Müller gestern mitteilte. „Besonders alarmierend in diesem Bereich ist, dass die Zahl der Fälle in der Schuldnerberatung angestiegen ist“, sagte Müller. Diese sei im Vergleich zu 2007 um 157 Fälle, auf 1 433 gestiegen. Dabei handele es sich überwiegend um Ratsuchende, die nicht auf Hartz IV-Leistungen angewiesen seien. „Das Schuldenproblem ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen“, bestätigt auch Martin Glaub, Leiter des Diakonischen Werkes Offenbach-Dreieich-Rodgau, das Träger des Beratungszentrums West in Dreieich ist. Allein im März habe man über 200 Neuanmeldungen gehabt. Im Jahr 2008 betrug die Steigerung bei den Neuanmeldungen satte 63 Prozent, so Glaub. Darauf habe der Kreis reagiert und zu Beginn des Jahres eine weitere Stelle in der Beratung geschaffen. Eine Entlastung, die laut Martin Glaub bereits Wirkung zeige. So müsse derzeit niemand bei einem Beratungsbedarf länger als drei Wochen auf einen Gesprächstermin warten - eine gute Zahl vergleichen mit dem Bundesdurchschnitt.

Neuen Herausforderungen müssen sich die Berater des Kreises Offenbach auch beim Thema Suchthilfe stellen. Hauptproblem sei gerade bei Jugendlichen eine Zunahme im Bereich der Onlinesucht, weiß Mechthild Rau vom Suchthilfe-Zentrum Wildhof. Mit ihrem Beratungsangebot ist die Suchthilfe in allen Beratungszentren des Kreises vertreten. Ebenso sei eine Zunahme bei der Abhängigkeit nach Cannabis zu beobachten. Erfreulich ist für Mechthild Rau jedoch, dass zunehmend junge Menschen das Angebot der Suchthilfe annehmen. „Das ist durchaus etwas Besonderes, denn Jugendliche nehmen in der Regel nicht gerne Hilfe an“, erläutert sie.

Dieser Erkenntnis trägt auch ein neues Projekt der Suchthilfe Rechnung, das den übermäßigen Alkoholgenuss von Jugendlichen, gerade bei Festen zum Ziel hat. So sollen künftig sogenannte „Clean-Scouts“ auf Festen unterwegs sein. Diese eigens geschulten Jugendlichen sollen ihre Altersgenossen ansprechen und davon überzeugen, von übermäßigem Alkoholkonsum abzusehen. Die Idee stammt ursprünglich von der Jugendhilfe Rödermark und wurde jetzt vom Kreis aufgegriffen, der das Projekt in allen seinen Kommunen unterstützen will.

Gut bewährt habe sich im vergangenen Jahr auch das integrierte Beratungssystem des Dreieicher Beratungszentrums, wie Marek Körner, Geschäftsführer der Paritätische Projekte gGmbh, die Träger des Zentrums ist, sagt. „Hilfe aus einer Hand ist unser Schlagwort“, sagt er. Gemeint sei damit die Beratung aus einer Hand, auch wenn es dabei um verschiedene Probleme, wie beispielsweise Sucht und Verschuldung gehe. So würden die Hilfesuchenden mit mehreren Anliegen oft „von Pontius zu Pilatus“ geschickt. Die Kombination vereinfache die Beratung für die Menschen und habe im vergangenen Jahr für einen deutlichen Zuspruch gesorgt, so Körner.

Quelle: op-online.de

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