Höhenrausch über Frankfurt

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Volontärin Angelika Pöppel lässt sich vom Dach des Holiday Inn in Frankfurt nach vorne fallen. Nach ein paar Schritten an der Fassade kann sie auch wieder lachen.

Frankfurt - Mit einem gewagten Schritt hat die Offenbach-Post die House-Running-Saison von Jochen Schweizer in Frankfurt eröffnet. Noch bis Ende Oktober können Mutige an der Fassade des Holiday Inn in Sachsenhausen runter spazieren. Von Angelika Pöppel

Volontärin Angelika Pöppel hat sich getraut und berichtet über den Blick in die Tiefe. Mit dem Aufzug geht es in den 26. Stock des Holiday Inn in Frankfurt. Die Aufzugstür öffnet sich und ich sehe durch ein Fenster zum ersten Mal den wahnsinnigen Ausblick. Ich fühle mich gut.

Hoch über den Dächern Frankfurts: Angelika Pöppel.

Die Schweizer-Mitarbeiterin schiebt mich weiter durch einen Flur. Auf einem Zettel an der Wand steht: „Jetzt kannst du noch umdrehen.“ Aber ich gehe weiter. Ein paar Treppen führen auf das Dach des Hotels. Ich fühle mich immer noch gut. Ich schaue über Frankfurt, sehe in der Ferne die Skyline. Die Schweizer-Crew empfängt mich freundlich. Doch ich bin viel zu aufgeregt, um mich auf Smalltalk einzulassen. Ich versuche, so nah wie möglich an den Rand zu kommen, um einen Blick zu erhaschen. Vielleicht gewöhne ich mich so schon mal an den Blick in die Tiefe, denke ich. Doch die Absperrungen machen es mir schwer. Dann ist es soweit. Ich steige auf die Vorrichtung - jetzt sehe ich, was mir bevor steht. Und so stehe ich mit meinen Füßen direkt am Rand des Abgrunds. Vor mir geht es 100 Meter nach unten, ich sehe die winzigen Autos auf der Straße und kleine bunte Punkte – Passanten, die zu mir hoch schauen. Den Ausblick über Frankfurt kann ich nicht genießen. Krampfhaft halte ich mich an der Eisenstange hinter mir fest. Ich fühle mich gar nicht gut.

Das Seil an meinem Rücken spüre ich nicht, als der Mitarbeiter mir zuruft: „So, jetzt die Hände loslassen.“ Mein erster Gedanke: Auf keinen Fall. Mir geht es überhaupt nicht gut. Ich habe Angst, richtige Angst. „Ich kann das nicht“, denke ich und spreche es auch schon im nächsten Moment aus. „Hände loslassen“, wiederholt der Mitarbeiter mit der bestimmenden Stimme. Ich schaue in die Ferne, über die Dächer Frankfurts, lasse die Stange los und verschränke meine Arme vor mir. Ich spüre, wie das Blut durch meinen Körper rauscht. Doch das war noch nicht das Schlimmste. Jetzt geht es erst richtig los. Und es gibt kein Zurück mehr.

Ich schiebe meine Füße zur Hälfte über den Rand hinaus. Ich soll mich mit dem ganzen Körper nach vorne beugen. Doch mein Körper sträubt sich. Genau jetzt bereue ich, dass ich mich freiwillig für die Aktion gemeldet habe. Mit den Worten: „Warum habe ich nur so eine große Klappe?“, lasse ich mich nach vorne fallen. Dann spüre ich das Seil. Es hält mich zurück. Und schon stehe ich senkrecht an der Fassade, den Blick in die Tiefe gerichtet. Mein ganzer Körper ist angespannt. Mein Kopf ist leer. Langsam schaue ich mich um und lasse die Aussicht auf mich wirken.

Die Schweizer-Mitarbeiter lassen mich Stück für Stück runter. Mit einem Schritt nach dem Anderen komme ich dem Boden näher. Die kleinen Punkte werden größer. Bevor ich meine Füße auf den sicheren Boden stellen kann, fängt mich die Mitarbeiterin auf. Unten angekommen bin ich völlig aufgewühlt, aber vor allem eines: Stolz. Und ich fühle mich sehr gut. Fazit: Ein Erlebnis das ich nicht so schnell vergessen werde.

Quelle: op-online.de

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