Hoffnung auf DNA-Technik

20 Jahre nach dem Herrhausen-Attentat gibt es immer noch keine Spur von den Tätern.Von Anne-Katrin Einfeldt

Frankfurt/Bad Homburg ‐ Es war ein kühler Novembertag im beschaulichen Bad Homburg, als am frühen Morgen des 30. November 1989 eine Bombe am Seedammweg explodierte und den Bankier Alfred Herrhausen in den Tod riss. Der 59 Jahre alte Chef der Deutschen Bank war sofort tot, sein Fahrer überlebte schwer verletzt. 20 Jahre danach haben die Ermittler immer noch keinen Täter. Aber die Akte ist bei der Bundesanwaltschaft noch nicht geschlossen. Ein Bekennerschreiben eines Kommandos der terroristischen Roten Armee Fraktion (RAF) „Wolfgang Beer“ wird zwei Tage nach dem Attentat in der Nähe des Tatorts gefunden.

Heute gilt für die Bundesanwaltschaft die Losung: „Allen Hinweisen nachgehen“. Es gebe keine Ermittlungen gegen konkrete Tatverdächtige, sagt ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Ihre Hoffnung setzen die Ermittler auf die in den letzten 20 Jahren mit Riesenschritten weiterentwickelte Kriminaltechnik. Die am Tatort gesicherten Spuren können mittlerweile DNA-technisch untersucht werden, was damals noch nicht möglich war. Diese Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

Lange hatten die Bundesanwälte in Karlsruhe versucht, Andrea Klump eine Beteiligung am Herrhausen-Attentat nachzuweisen, doch 2004 wurden die Ermittlungen aus Mangel an Beweisen eingestellt. Jahrelang verdächtigten die Ermittler auch den Arztsohn Christoph Seidler, Kopf des Herrhausen-Mordes zu sein - bis er sich 1996 stellte und wieder freigelassen werden musste: Er hatte ein Alibi, weil er sich zu der fraglichen Zeit in einem Palästinenser-Lager im Libanon aufgehalten hatte. Der Verdacht gegen ihn basierte auf Aussagen des ehemaligen V-Mannes Siegfried Nonne, der dem hessischen Verfassungsschutz Infos aus der Frankfurter RAF-Szene zugetragen hatte.

Vor zwei Jahren kam auf, dass die Stasi bei dem präzise geplanten Anschlag die Finger mit im Spiel gehabt haben könnte. Dabei sollte es sich um eine Spezialeinheit handeln mit dem Auftrag, Terror-Anschläge im Westen zu organisieren, um das System zu destabilisieren. Auch diese Spur verlief im Sande.

Die Ermittler sahen in der ausgeklügelten Vorbereitung direkt nach dem Anschlag Parallelen zu dem tödlichen Anschlag auf den Siemens-Manager Kurt Beckurts im Juni 1986. In beiden Fällen hatten die Täter eine sogenannte Sprengstofffalle eingesetzt. Im Fall Herrhausen war der kleine blaue Kasten an einem Fahrrad befestigt. Aus einer Entfernung von etwa 150 Metern lösten die Terroristen mit Hilfe eines Kabels und einer Lichtschranke die Zündung aus. Als Bauarbeiter getarnt hatten sie sich wochenlang mit den Vorbereitungen für den feigen Anschlag auf dem Seedammweg beschäftigt.

Heute steht am Tatort eine Gedenkstätte. „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, ein Zitat von Ingeborg Bachmann, steht dort. Auch Straßen und Schulen quer durch die Bundesrepublik erinnern an den erfolgreichen und beliebten Bankier.

Quelle: op-online.de

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