Hoffnung für Mainfischer

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Klaus Jung, der Vorsitzende der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft 945 e.V. steht mit einem Käscher und seinem Vereinswimpel an Bord eines Schiffes auf dem Main.

Frankfurt ‐ Fisch stand jahrhundertelang auf dem Speisezettel der Frankfurter: Schließlich gehörte der Main zu den fischreichsten Gewässern Deutschlands. Die industrielle Verschmutzung des Flusses brachte jedoch die Berufsfischer nach dem Zweiten Weltkrieg um ihre Existenz. Jetzt gibt es wieder Hoffnung für die über 1000 Jahre alte Fischerzunft.

Gestern hat die Stadt einen neuen Pachtvertrag mit einer der ältesten Zünfte Deutschlands für weitere 18 Jahre besiegelt. Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) kündigte zugleich an, dass der Main in Frankfurt entlang seiner 42 Kilometer wieder naturnaher werden soll.

Die Wasserqualität des Mains hat sich bereits in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Galt der Fluss in den 1970er Jahren als biologisch tot, werden inzwischen wieder rund 25 Fischarten gezählt. Darunter sind etwa das Rotauge, der Wels, der Zander oder auch der Aal. Deren Verzehr gilt als unbedenklich. „Wir werden alles tun, um unsere Tradition fortzuführen“, beschwor der Vorsitzende der Fischer- und Schifferzunft 945 e.V., Klaus Jung, das Erbe seiner Zunft.

Deren Geschichte geht bis ins Jahr 945 zurück. Damals schlossen sich die Berufsfischer zu einer Bruderschaft zusammen. Heute zählt die Zunft noch 40 Mitglieder. Es sind alles Freizeit-Fischer.

Fischerprivileg seit 1483

Es war Kaiser Friedrich III., der anno 1483 der Stadt Frankfurt das Fischerprivileg erteilte. In der Jahrhunderten danach stritten sich Stadt und Fischer über die Auslegung der Rechte. Als dann 1951 ein Pachtvertrag zustande kam, bangten die Fischer bereits um ihr Geschäft, da sich der Fluss in wenigen Jahren in einen Abwasser- und Schifffahrts-Kanal verwandelte.

So wurde ein Paragraf des damaligen Vertrags von der traurigen Wirklichkeit schnell ad absurdum geführt: Die Frankfurter Fischer sollten jährlich 1000 Kilogramm Fisch zu „marktüblichen Preisen“ an städtische Krankenhäuser und soziale Einrichtungen abgeben. Im neuen Vertrag, der gestern passenderweise auf einem Mainschiff geschlossen wurde, ist die Stadt vorsichtiger geworden. Die Fischer sollen nur noch - wenn möglich - auch was von ihren Fängen an die Stadt abgeben.

Bis 2015 den ökologischen Zustand der Gewässer verbessern

Immerhin bietet im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, wo einst die meisten Fischer wohnten, seit kurzem eine traditionsreiche Gaststätte wieder Fisch aus dem Main an. Und die Fischerzunft hofft, dass andere Wirte diesem Beispiel folgen. Vorsitzender Klaus Jung träumt sogar davon, dass auch wieder der Lachs in den Main zurückfindet. Dazu müsste allerdings an Fischtreppen und den Staustufen im Main einiges verändert werden.

Ein von der Stadt Frankfurt in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass auf etwa 20 Kilometer Uferlänge der Main in Frankfurt wieder naturgerechter gestalten werden könnte. Es geht dabei zum Beispiel um Abgrabungen oder Aufschüttungen im Uferbereich. Das will die Stadt nun prinzipiell umsetzen. Ganz freiwillig tut die Stadt dies nicht: Innerhalb der Europäischen Union suchen alle Kommunen derzeit nach Möglichkeiten, bis 2015 den ökologischen Zustand ihrer Gewässer zu verbessern. Damit müssen sie einer EU-Richtlinie nachkommen.

dpa

Quelle: op-online.de

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