HP Velotechnik ist Marktführer für Liegeräder

Viel Fahrspaß auf drei Reifen

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Paul Hollants (rechts) und Daniel Pulvermüller begeistern sich seit ihren Jugendjahren für Fahrräder. Mit ihrer Firma HP Velotechnik verkaufen sie 1700 Stück im Jahr.

Kriftel - Liegeräder flitzen im Sommer über Straßen und an Flüssen entlang. Zahlreiche der sogenannten Trikes werden im Taunus produziert. Von Marc Kuhn 

Sie sind aerodynamisch, schnell und liegen gut in der Kurve - Trikes. Wie der Name sagt, sind es Dreiräder. Spätestens wenn es Frühling wird, werden die Liegeräder für zahlreiche Fahrrad-Enthusiasten zum Sport-, Spaß- oder auch Reisefahrzeug. Viele Flitzer kommen aus Kriftel. Aus einer Idee von zwei Jugendlichen ist im Laufe der Jahre der Marktführer in Europa geworden. HP Velotechnik hat 2013 den Umsatz auf 4,3 Millionen Euro gesteigert, wie Geschäftsführer Paul Hollants sagt. Etwa 1 700 Trikes werden im Jahr verkauft. Die Fahrradschmiede beschäftigt 30 Angestellte. Auch im Winter ist für sie Season. Schließlich werden die Liegeräder auch in den USA, Australien und Fernost verkauft, wo die Sonne scheint, wenn es in Europa kalt wird. Bei den Dreirädern gebe es kräftige Zuwächse, erklärt HP-Sprecher Alexander Kraft. Sie kosten zwischen 2700 und 7000 Euro.

Zeitungen wollten Hollants und sein Freund Daniel Pulvermüller austragen, um Geld zu verdienen. Da sie Schutz vor Regen suchten, bauten sie sich ein verkleidetes Kabinendreirad in der Garage der Eltern. Damit wurden die Jugendlichen 1992 Bundessieger beim Wettbewerb Jutec des Vereins Deutscher Ingenieure. Begründung: Sie hätten „konstruktive Überlegungen zum Individual-Nahverkehrsfahrzeug der Zukunft“ angestellt. Zu den ersten Kunden zählte ein Lehrer der beiden Schüler. Bei der Firmengründung 1993 bereitete sich Hollants gerade auf das Abitur vor. Er studierte schließlich Wirtschaftsingenieurwesen, Pulvermüller Maschinenbau.

Keine Produkte von der Stange

Zunächst fertigte und verkaufte HP Velotechnik klassische einspurige Liegeräder - also solche mit zwei Reifen. HP steht für Hollants und Pulvermüller. Noch heute hat ihre Firma die einspurigen Gefährte im Programm. Der Grasshopper ist ein Trekkingrad. Die Speedmachine gilt als sportliches Tourenrad, die Variante mit Taschen lädt zum Reisen ein. Auf dem Streamer kann sich der Fahrer mit einer Scheibe vor Wind und Wetter schützen.

2006 brachte HP Velotechnik schließlich mit dem Scorpion das erste Liegedreirad auf den Markt. Vorne gibt es zwei Räder zum Lenken, hinten eines zum Beschleunigen. Die Krifteler haben in Deutschland nur einen Konkurrenten. Er ordne die Räder umgekehrt an, erklärte Kraft. Heute gibt es verschiedene Varianten vom Scorpion - für Trekking, Reisen oder den schnellen Fahrer. Mit oder ohne Gepäckträger und Schutzblechen. Auch die Sitze sind speziell auf die Bedürfnisse des Nutzers ausgerichtet. Die Liegeräder sind zusammenklappbar und deshalb einfach zu transportieren.

Generell sind die Liegeräder keine Produkte von der Stange, wie Kraft betont. Jedes wird nach den Wünschen der Kunden zusammengestellt. Rahmen, Sitze, Regenschutz, Schaltung, Bremsen, Reifen, Gepäckträger, Lichtanlagen und Spiegel - der Radfan kann aus einer breiten Angebotspalette auswählen.

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Bei den meisten Teilen handele es sich um ganz normale Komponenten, die in der ganzen Fahrrad-Industrie verbaut werden, berichtet Kraft. Die Rahmen seien allerdings eigene Entwicklungen. Sie können teils in der Länge variiert werden, so dass Fahrer mit einer Körpergröße zwischen 1,60 und zwei Metern sie nutzen können. Die Liegeräder müssen bei Händlern bestellt werden. Meist werden sie innerhalb von zwei Wochen ausgeliefert. Die Rahmen werden in Taiwan hergestellt - „die Weltschweißerei für Fahrradbau“, erläutert Kraft. Bei einem Pulverbeschichter in Usingen im Taunus bekommen sie ihre Farbe. Der Kunde kann zwischen Standardfarben wählen, aber auch ausgefallene Wünsche in Pink oder Knallgrün werden erfüllt. Meist werden für den vorderen Ausleger und den Hinterbau andere Farben gewählt als für den mittleren Teil.

Unter der Decke in der großen Fertigungshalle in Kriftel hängen viele Rahmen, so werden sie vor Kratzern geschützt. „Die Himmel hängt voller Räder“, schwärmt Hollants. Seine Mitarbeiter holen einen nach dem anderen runter und schrauben die bestellten Komponenten an. HP Velotechnik greift auch Trends auf. So wurde die Scorpion-Familie 2012 um die Elektrovariante S-Pedelec erweitert. Technik aus dem Automobilbau wurde übernommen. Mit der Tretunterstützung wird das Liegerad bis zu 45 Stundenkilometer schnell. Es ist in allen Teilen TÜV-geprüft und benötigt ein Kennzeichen. Der Fahrer braucht einen Führerschein und einen Helm. Die aerodynamischen Vorteile eines Liegerads sorgen für mehr Reichweite. Mit der Tretunterstützung versprechen die Krifteler bis zu 130 Kilometer Reichweite. Im vergangenen Jahr stellten sie das Scorpion Enduro vor - die Geländevariante und Alternative zum Mountainbike. Seit November steht das Enduro zum Verkauf. Gelände-Cross auf drei Rädern sei ein Volltreffer, erklärt Kraft.

Quelle: op-online.de

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