Freier Eintritt in Weseler Werft

hr-Sinfoniker eröffnen Saison: Konzert bei uns im Livestream

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Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada und seine hr-Sinfoniker geben in der nächsten Saison Konzerte rund um den Globus.

Frankfurt - Mit einem Open-Air-Konzert bei freiem Eintritt startet das hr-Sinfonieorchester heute in seine neue Konzertsaison - wir zeigen das Konzert im Livestream (siehe unten). Von Detlef Kinsler 

Ein Schwerpunkt ist eine Reihe mit Werken von Ludwig van Beethoven. Hemdsärmelig und in Turnschuhen bringt Andrés Orozco-Estrada, seit der Saison 2014/15 Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters, seinen Musikern in konzentrierter wie gelöster Atmosphäre finnisches Jägerlatein näher. „Orion“ heißt die Komposition von Kaija Saariaho aus dem Jahr 2002, und Orozco-Estrada lässt sich einzelne Passagen des dritten Satzes mal von den Streichern, mal von den Holzbläsern, den Pauken oder allein von Piano vorspielen, korrigiert hier und da, wünscht sich mal mehr Stakkato oder Geigen, die einfach im Nichts verschwinden. Und weiter geht die wilde Jagd durch die mystische Natur. Ein wahrer Rausch der Sinne. Und ein Beispiel dafür, dass sich das hr-Orchester unter Orozco-Estrada zeitgenössischen Kompositionen widmet.

Das wird auch in der Saison 2015/16 mit ihren 108 Konzerten (davon 93 in Hessen, aber auch wieder welche in Spanien, Japan und Korea) so sein. Ein Schwerpunkt ist tatsächlich der zuletzt vernachlässigte Ludwig van Beethoven. Alle Sinfonien, zwei pro Abend, dazwischen Klavierstücke von Stockhausen und Ligeti als Quasi-Neutralisatoren mit Topsolisten wie Pierre-Laurent Aimard. Zum Abschluss gibt es die „Missa solemnis“ beim Rheingau Musik Festival, „unserem zweiten Wohnzimmer“ (Orozco-Estrada), in Kloster Eberbach. „Nach der 9. Sinfonie fehlte einfach ein Stück Vokalmusik“, erklärt der Dirigent seine Wahl.

Gemeinsame Sprache finden

Die Repertoire-Politik des selbstbewussten Südamerikaners hat auch einen ganz pragmatischen Hintergrund hat. „Ich muss mit meinem Orchester eine gemeinsame Sprache finden“, so Orozco-Estrada, „und das geht mit Stücken aus der (Wiener) Klassik und der Frühromantik leichter, weil sie allen vertraut sind.“ Aber das hr-Sinfonieorchester wird immer eine Mischung aus klassischen und modernen Werken spielen, verspricht er. „Wir müssen nicht zwanghaft modern sein. Wir müssen gut sein!“

Und wie gerufen wird Top-Percussionist Martin Grubinger via Skype per Bild und Ton in den Sendesaal gebeamt. Er ist der „Artist in Residence“ der Saison und allein seine Aufführung des „Konzertes für Schlagzeug und Orchester“ von Friedrich Cerha unterstreicht die Lust auf Avantgarde im Haus. Wie die beiden Musiker sich gegenseitig in aller Öffentlichkeit loben und lieb haben, steht für den neuen Ton rund ums Orchester.

Orozco-Estradas Vorgänger Paavo Järvi, heutiger Conductor Laureate, wird mit den hr-Sinfonikern ein Messiaen-Nielsen-Bruckner-Programm realisieren und dabei die gemeinsame Bruckner-Gesamtaufnahme mit der „Nullten“ Sinfonie vollenden. Außerdem stehen so renommierte Gastdirigenten wie Sir Andrew Davis, Christoph Eschenbach, Reinhard Goebel, Marek Janowski, Andrea Marcon, Marc Minkowski und Vasily Petrenko am Pult.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Sein Einstand im vergangenen Sommer vor 5000 begeisterten Besuchern im Metzlerpark war für Orozco-Estrada eine neue Erfahrung. „Das Format ist für ein Orchester schwierig, ohne die Akustik schöner Orte wie dem Sendesaal oder der Alten Oper“, weiß Orozco-Estrada. Trotzdem habe es natürlich einen besonderen Reiz, nicht nur weil man so richtig viele Menschen auf einen Streich erreichen könne. „Wann erlebt man in einem Saal schon mal, dass mitten im Konzert ein Landsmann die kolumbianische Fahne schwenkt?“ Außerdem könne man auf Zwischenrufe oder Moderationen reagieren. „Und auch mal frech sein“, lacht der Charmebolzen.

Das hr-Sinfonieorchester wird heute zur Saisoneröffnung wieder unter freiem Himmel zu erleben sein. Im Schatten der EZB direkt am Fluss gibt es diesmal Platz für bis zu 12.000 Besucher. Tschaikowskys „Romeo und Julia“ und Strawinskys „Feuervogel“ sind die prominenten Zugpferde. Und vorab gibt es als Bonus noch die hr-Bigband mit Sängerin China Moses.

Quelle: op-online.de

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