Zu wenig Migranten werden Erzieher

Hürden beim Quereinstieg absenken

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Es gibt zu wenig Fachkräfte für eine Anstellung in den Kindertagesstätten. Neben sogenannten Quereinsteigern aus anderen Berufen kommen auch Migranten in Frage. Hier allerdings sind die häufig unterschiedlichen Ausbildungsabschlüsse ein Problem.

Frankfurt - Der Mangel an pädagogischen Fachkräften in Kindertagesstätten ist bundesweit spürbar. Im Ballungsraum Frankfurt ist er bereits dramatisch, meinen Experten. Sie sind überzeugt: Quereinsteiger könnten Abhilfe schaffen. Von Dirk Baas 

Doch für Frauen und Männer mit Migrationshintergrund, die bereits eine Fachausbildung hinter sich haben, ist der Weg steinig. „Wir müssen den Zugang zur Erzieherinnenausbildung erleichtern“, fordert deshalb Frankfurts Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne): „An der Qualität der Ausbildung darf aber nicht gespart werden.“ Das aber gleicht der Quadratur des Kreises. Einigkeit herrscht unter Fachleuten, dass Quereinsteiger schneller Zugang zum Erzieherberuf bekommen sollten. Die Ressourcen zugewanderter pädagogischer Fachkräfte seien eine große Chance, um den Betreuungsbedarf besser abdecken zu können, war jüngst auf einem Fachtag in der Bankenstadt zu hören - eine Win-win-Situation, von der sowohl die Personalsuchenden der Kitas als auch mittelbar die Gesellschaft profitieren würden.

„Ein beträchtlicher Anteil der Menschen, die zu uns in die Beratung kommen, bringt fachliches Potenzial für die Ausbildung oder Berufstätigkeit in der Erziehung mit“, sagt Rosina Walter, Geschäftsführerin und Vorstand des 1990 gegründeten Vereins „beramí - berufliche Integration e.V.“ Etwa ein Fünftel der Beratenen hätten einen pädagogisch-didaktischen Berufsabschluss vorzuweisen und schon Berufserfahrungen im Herkunftsland gesammelt. „Uns geht es darum, diese Ressourcen nutzbar zu machen“, sagt die Chefin von 28 Frauen aus zehn Nationen, die Migranten Brücken in den Arbeitsmarkt bauen. Doch das sei nicht so einfach, berichtet die Expertin im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es gebe hohe Hürden zu überwinden, „eine vollständige Anerkennung der Berufsausbildung aus dem Ausland ist sehr selten“.

Walter beklagt vor allem das Fehlen modularer Kursangebote seitens der Fachschulen, etwa für Frauen, die sich nur noch Kenntnisse im deutschen Familienrecht aneignen wollen. Und sie fordert mehr Flexibilität bei den Schulen, Interessenten aufzunehmen, die bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben, „auch wenn vielleicht noch Papiere fehlen“. Die Geschäftsführerin weiß wovon sie spricht: „beramí“ bietet seit drei Jahren Vorbereitungskurse auf die Erzieherausbildung an und sorgt dafür, dass Teilnehmer zunächst die C1-Sprachprüfung bestehen. Darauf folgt dann die sogenannte Feststellungsprüfung der Erzieherfachschulen und die noch drei Jahre dauernde Ausbildung. Von bisher insgesamt 58 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Kurse sind den Angaben nach 28 in Ausbildung, 21 folgen voraussichtlich im Laufe dieses Jahres.

Von kürzerer Ausbildung oder niedrigeren Zugangsvoraussetzungen für den Erzieherberuf will die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nichts wissen: „Die Qualität der Ausbildung lässt sich nur halten, wenn Kita-Quereinsteiger 2400 fachtheoretische Unterrichtsstunden erhalten, wie in der Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz festgeschrieben“, sagt Norbert Hocke, für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortliches Vorstandsmitglied der GEW. Er beklagt jedoch, dass diese Zahl „jedoch immer häufiger unterlaufen wird“. Dadurch verlagere sich die Ausbildung vermehrt in die Kitas. „Deshalb müssen hier zusätzliche Kapazitäten für die Anleitung der Quereinsteiger geschaffen werden, sonst sinkt die Qualität der Ausbildung.“ Die GEW lehne es ab, die Ausbildung zu verkürzen: Bei dem Landarztmangel kommt auch niemand auf die Idee, Sanitäter auszubilden.

Die GEW-Vorsitzende Marlies Tepe sprach sich indes dafür aus, auch Asylbewerber und fachfremde Personen in Kindertagesstätten einzusetzen. Anders sei die Betreuung der wachsenden Zahl von Flüchtlingskindern nicht zu gewährleisten. „Man kann Nicht-Erzieher einstellen“, erläuterte Tepe. Sie bräuchten dann jedoch eine berufsbegleitende Ausbildung. Wichtig sei es vor allem, vorhandene Vorkenntnisse bei den Flüchtlingen zu identifizieren.

epd

Quelle: op-online.de

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