Offenbach und Hanau sparen nicht

Bald keine Hundekot-Tüten mehr in Frankfurt?

+
Mit der Aufschrift an einem Hundeklo wird in Egelsbach erklärt, wie mit den Tüten (die allerdings fehlen) für den Hundekot umgegangen werden sollte.

Frankfurt - Sind die Tüten-Spender für Hundehaufen in Grünanlagen bloß Luxus? Oder die Rettung vor Berliner Verhältnissen? An dieser Frage scheiden sich die Geister der Hundebesitzer und Kommunalpolitiker.

Das reiche Frankfurt will die dunklen Tüten für Hundekot aus Spargründen streichen. Das hoch verschuldete Offenbach, das wie Frankfurt 20.000 Euro dafür im Jahr ausgibt, hält dagegen an den Spendern mit den Beuteln zum Einsammeln von Hundehaufen fest. Auch Kassel, Hanau und andere Städte sparen nicht an den Tüten, wie eine dpa-Umfrage ergab. Darmstadt ist noch unentschieden: In der südhessischen Großstadt werden die Beutel seit rund einem Jahr erprobt. In Wiesbaden, das sich die Beutel mehr als doppelt so viel (50.000 Euro) wie Frankfurt und Offenbach kosten lässt, sollen einzelne Standorte überprüft werden, weil die gefüllten Beutel immer öfter im Feld oder im Wald landen. Ähnlichen Ärger gibt es in Gießen, das ein Zehntel (5000 Euro) von Wiesbaden für die Tüten ausgibt, und über eine Freilaufwiese für Hunde als Alternative nachdenkt. Dies würde zugleich Vögel schützen, die in der Nähe der Beutel-Stationen brüten.

Was sagen die Hundebesitzer? „Dann muss ich jetzt halt Mülltüten kaufen. Das ist doch auch irgendwie kacke“, meint eine Frankfurter Jagdhund-Besitzerin, die „immer eine Tüte dabei hat, in jeder Tasche und Handtasche“. Das Frauchen eines 15 Jahre alten großen Mischlings hält die Frankfurter Sparpläne auch nicht für eine gute Idee. „Das wird dazu führen, dass wieder mehr Hundekot liegen bleibt.“ Sie habe zwar solche Tüten auch zu Hause, „aber ich vergesse sie auch mal oder mein Hund produziert mehr als gedacht“. Sie ist überzeugt: „Das wird vermutlich nicht nur mir so gehen.“ Ein IT-Spezialist aus dem Kreis Offenbach hingegen hält die Beutel-Stationen für hilfreich, aber nicht für notwendig. „Wir haben immer solche Tüten dabei, da meist kein Spender vorhanden ist, wenn der Hund sein Geschäft macht. Allerdings wohnen wir nicht in einer Großstadt, wo es eigentlich die Pflicht sein soll, jeden Haufen zu entfernen, den der Hund hinterlässt.“ Im Hainburger Rathaus könne jeder Hundebesitzer die Tüten bei Bedarf aber kostenlos bekommen und zum Gassi gehen einzeln mitnehmen. In Offenbach liegen die Tüten auch im Bürgerbüro und anderen Ausgabestellen zum Abholen bereit. Es gibt aber auch noch etwa 60 Spender-Stationen, „dort wo Probleme mit den Häufchen vermehrt auftraten“, wie Stadtsprecher Fabian El-Cheikh sagt. Über eine Abschaffung der Tüten sei trotz der Finanzmisere der Kommune noch nicht diskutiert worden, weil die Erfahrungen sehr gut seien.

Welthundetag: Bilder unserer Leser

Das Frankfurter Grünflächenamt wolle lieber an den Hundetüten als an der Instandhaltung von Spielgeräten oder den Wasserspielen im Sommer sparen, sagt Heldmann. „Wir bekommen 32 Fußballfelder zusätzlich an Grünflächen, haben aber 400.000 Euro weniger Budget.“ Die Kosten für die Tüten sollen die 13 betroffenen Ortsbeiräte aus ihren Budgets übernehmen, die konnten sich allerdings noch nicht zu dem notwendigen gemeinsamen Ja durchringen. So mancher Spender stehe bereits leer oder die Tüten würden zweckentfremdet, sagt Heldmann. „Es ist doch zumutbar, dass der Halter die Hinterlassenschaft seines Hundes wegmacht.“ Dies könne nicht nur dann gelten, wenn ihm Tüten dafür angeboten würden. Kontrollieren und ahnden lasse sich dies aber praktisch nicht. „Es gibt keine echte Kontrolle“, sagt Heldmann mit Blick auf das dafür notwendige Personal. „Der Hund muss dem städtischen Beamten schon direkt auf den Schuh kacken“, sagt der Sprecher des Ordnungsamtes, Ralph Rohr. Andernfalls sei es schwer, ihm nachzuweisen, dass der Haufen von seinem Vierbeiner stamme. In Hanau hilft soziale Kontrolle offenbar: Viele Hundebesitzer fühlten sich dabei beobachtet, ob sie stets die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner entsorgten, wie Stadtsprecherin Ute Wolf sagt. Rund 100 Spender-Stationen mit Beuteln helfen dabei.

Welthundetag: Bilder unserer Leser (Teil 2)

Hundebesitzer zahlen fast 21 Millionen Euro Steuer

Die Hundebesitzer in Hessen haben im vergangenen Jahr rund 20,8 Millionen Euro Steuern für ihre Vierbeiner an die Kommunen bezahlt. Das geht aus einer Erhebung des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden hervor. Die Einnahmen steigen mindestens seit 2007 stetig. Damals waren es knapp 14,7 Millionen Euro. 2010 belief sich die Hundesteuer insgesamt auf 16,1 Millionen Euro. Fast alle der 426 Städte und Gemeinden erheben die Abgabe. Es gebe nur wenige Ausnahmen, so etwa in Eschborn, heißt es beim Hessischen Städtetag. Für die kommunale Aufwandsteuer gibt es keine bestimmte Leistung.

dpa

Quelle: op-online.de

Kommentare