Hunderte hessische Ärzte im Visier der Staatsanwälte

Offenbach ‐ Nach Einschätzung von Experten und Ermittlern werden im Gesundheitswesen jedes Jahr Milliarden Euro zu Unrecht abgerechnet. Praxen, Apotheken und Kliniken sind in Betrugsfälle verwickelt. Allein in Hessen wurden in diesem Jahr hunderte neue Ermittlungsverfahren eröffnet. Von Peter Schulte-Holtey

Auch steigender Ermittlungsdruck lässt die Zahl der Verdachtsfälle inzwischen steigen. Die auf Betrug und Korruption im Gesundheitswesen spezialisierte Ermittlungsgruppe der Frankfurter Staatsanwaltschaft bearbeitet inzwischen jedes Jahr hessenweit mehrere hundert Fälle. Staatsanwalt Alexander Badle geht davon aus, dass allein 2010 mindestens 400 neue Ermittlungsverfahren eröffnet werden. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) habe in diesem Jahr bereits etwa 250 Verdachtsfälle gegen hessische Ärzte an die Staatsanwaltschaft abgegeben, Ermittlungen seien eingeleitet worden. Badle zu unserer Zeitung: „Hinzu kommen Strafanzeigen gesetzlicher und privater Krankenkassen, die regelmäßig - anzahlmäßig stetig steigend - gegen Ärzte, Apotheker und sonstige medizinische Leistungserbringer erstattet werden.“

Krankenkassen und KV sind energisch bemüht, schwarze Schafe u.a. bei den Ärzten zu enttarnen. Das Problem für Prüfer und Ermittler bei der Staatsanwaltschaft: Immer wieder geht es um Fälle in der Grauzone zwischen legal und illegal.

Für Aufsehen sorgt jetzt der Fall eines Arztes in Neu-Isenburg, der mit einer Honorarrückforderung der KV in Rekordhöhe, 111.375 Euro, konfrontiert wird. Der Hauptvorwurf: Der Arzt habe Patienten ohne Rücksicht auf Zeit-Vorgaben behandelt. Vielleicht droht ihm sogar ein Betrugsverfahren. Er will sich mit allen rechtlichen Mitteln wehren, kritisiert ein „krankes Abrechnungssystem“.

Quelle: op-online.de

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