IAA in Frankfurt

Autobauer in den Startlöchern

+

Frankfurt - Geht es nach der Bundesregierung, dann sollen 2020 etwa eine Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Auf der IAA werden neue Modelle vorgestellt. Das Geschäft läuft aber zäh an.

Die automobile Zukunft wird auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt erfahrbar: Mehrere Hersteller zeigen ihre Elektroautos - BMW, VW, Renault, Nissan und Tesla. Besucher können sich auf einer achtförmigen Bahn im neuen BMW i3 (Foto) durch die Halle 11 kutschieren lassen. Alternativ werden sie auch mit dem E-Flitzer nahezu lautlos über das Messegelände gefahren, den gleichen Service bietet auch VW im e-Up an. Die Euphorie ist beim Thema Elektromobilität an den Messeständen groß. Bei vielen Verantwortlichen handelt es sich indes wohl eher um Zweckoptimismus. Die Zahlen sprechen schließlich bisher eine andere Sprache. Seit Januar wurden in Deutschland 2 904 elektrisch betriebene Autos zugelassen. Sie kommen damit gerademal auf einen Anteil von 0,165 Prozent. Fehlende Ladestationen, die recht geringe Reichweite der Fahrzeuge und der wegen teuren Batterien hohe Preis schrecken potenzielle Käufer häufig ab.

Dennoch: Ab November fährt BMW mit seinem i3 vor, das erste für die reine elektrische Mobilität konzipierte Auto. Auf der Hanauer Landstraße ist der gut 400 Quadratmeter große Ausstellungsraum bereits eingerichtet. In Frankfurt ist einer der ersten i3-Stützpunkte entstanden - knapp 50 sollen es in ganz Deutschland werden. „Wir sind exklusiv mit diesem Thema unterwegs“, heißt es bei der BMW-Niederlassung. Von einem großen Interesse der Kunden berichtet Manuel Sattig vom Projektmanagement des i3. Weltweit gebe es etwa 100.000 Anfragen für Probefahrten. Zudem berichtet Sattig von „zigtausend Vorbestellungen“. Der untere Teil des BMW i3 besteht aus Aluminium, der obere aus Carbon. Kunststoffteile sind außen angebracht.

Bilder zum Thema Auto und Verkehr

Das Ziel der Konstruktion: Das Auto im futuristischen Design soll leicht sein, um das Gewicht der Batterie zu verkraften. Der knapp 1 200 Kilogramm schwere Kompaktwagen der Golfklasse schafft eine Reichweite von bis zu 160 Kilometern. Dabei wird er von einem 170-PS-starken Elektromotor angetrieben. Der i3 kostet mindestens 35 000 Euro. Sein Verbrauch liegt bei 12,9 Kilowattstunden (kWh) auf 100 Kilometern. Auf Wunsch des Kunden wird ein Zweizylinder-Verbrennungsmotor eingebaut, der Strom für den Akku erzeugt und so die Reichweite auf 300 Kilometer verlängert, wie BMW berichtet. Der i3 kostet in dieser Version ab 39 450 Euro. Volkswagen hat zwei Serienmodelle zu Elektoautos umgebaut und stellt sie auf der IAA vor: den e-Golf und den e-Up. Der Golf komme im nächsten Jahr, der Up im Oktober zu den Händlern, sagt VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann. „Wir sind sehr gespannt wie sich der Markt entwickelt.“

VW setze auf umweltbewusste Kunde und solche, die Elektrofahrzeuge als Zweitauto kaufen. Die beiden Wagen sind viertürig und gut ausgestattet: die Klimaautomatik hat eine Standheizung, ein Navigationsgerät ist eingebaut ebenso eine Frontscheibenheizung. Der e-Up kostet 26 900 Euro, der Preis des e-Golf steht noch nicht fest. Er wird von einem 115-PS-starken Aggregat angetrieben. Der e-Up erreicht mit 82 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometers. Der e-Golf ist 140 km/h schnell. Mit ihm können maximal 190 Kilometer gefahren werden, mit dem e-Up 160 Kilometer. Er verbraucht 11,7 kWh Strom auf 100 Kilometer - damit sei er „Effizienz-Weltmeister“, behauptet VW. Der e-Golf benötigt für die Strecke 12,7 kWh. Eine Fahrt von 100 Kilometern kostet mit dem e-Up rund drei Euro, mit dem e-Golf 3,30 Euro, rechnet Volkswagen vor.

IAA in Frankfurt: Die besten Bilder

IAA in Frankfurt: Die besten Bilder

Den Zoe - das bereits vierte Elektroauto des Unternehmens - hat Renault im Juni auf den Markt gebracht. Seit 2011 verkaufen die Franzosen den Kagoo mit einer Reichweite von bis 170 Kilometern. Der Wagen mit Ladefläche werde oft von Unternehmen eingesetzt, erklärt Clarice di Bernardi von Renault . Etwa 10 000 Exemplare sind verkauft worden. Im Februar des vergangenen Jahres brachten die Franzosen die elektrifizierte Limousine Fluence ZE auf den Markt. Seit dem Frühjahr 2012 können Renault-Kunden in den Twizy steigen, ein Spaßauto mit 45 oder 80 PS. Der Preis liegt bei 6 990 Euro plus einer Miete von 50 Euro im Monat für die Batterie. Das Mietkonzept hat nach Ansicht von Renault Vorteile für die Kunden. Hat die Batterie eine Kapazität von 75 Prozent erreicht, wird sie ausgetauscht. Die Speichereinheit für den Zoe kostet 79 Euro im Monat, das Auto 21 700 Euro. Es hat eine Reichweit von 210 Kilometern.

Das Mietkonzept bietet auch der Renault-Konzernpartner Nissan an. Das Elektroauto Leaf kann für insgesamt 24 000 Euro geleast werden, die Batterie kostet 79 Euro im Monat. Der Leaf verbraucht 17,4 kWh auf 100 Kilometer, das kostet etwa vier Euro, wie Nissan erklärt. Seine Reichweite liege bei rund 200 Kilometern. Eine Entfernung von etwa 500 Kilometern können Kunden mit dem neuen Model S des kalifornischen Autobauers Tesla zurücklegen, wenn der 85 kWh-Motor eingebaut ist. Mit 60 kWh kommen sie 370 Kilometer weit. Seit Juni des vergangenen Jahres hat die Firma des ehemaligen Paypal-Mitgründers Elon Musk in den USA rund 13 000 Model S verkauft und den Luxus-Viertürer jetzt nach Europa geholt. Der Einstiegspreis liegt bei 71 400 Euro. Das scheint die Kunden nicht abzuschrecken. Das Interesse sei groß, heißt am Stand von Tesla.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare