Aus der Idee wird die Tat

+
„An den Bohrhammer, fertig, los!“ Oberbürgermeisterin Petra Roth reißt, assistiert von dem Offenbacher Bauarbeiter Alexander Knaus, den ersten Zierbalkon ein.

Frankfurt ‐ „Dieses Herz unserer Stadt, das hat der älteren Generation gefehlt. Das junge Frankfurt gibt ihr nun das alte Herz mit frischem Blut zurück.“ Gestern, exakt um 9.35 Uhr, hat sich die Mainmetropole Frankfurt auf den Weg in ihre architektonische Vergangenheit gemacht. Von Michael Eschenauer

Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) setzte mit einem Felshammer an zum symbolischen „Ersten Baggerbiss“ am Technischen Rathaus. Bis November soll das im Jahre 1972 errichtete Betongebäude dem Erdboden gleichgemacht werden. 100 Millionen Euro wird der Wiederaufbau der im Jahre 1944 zerstörten Frankfurter Altstadt zwischen Kaiserdom und Römer kosten. Das Viertel des „neuen, alten Frankfurts“, zu dem auch eine Anzahl moderner Gebäude gehören wird, soll in fünf bis zehn Jahren stehen. Vorgesehen ist ein Nutzungsmix von Wohnen, Gastronomie und Handel. Durch das Absenken des Straßenzugs, der sich zwischen den Häusern am Archäologischen Garten und dem Grundstück des Technischen Rathauses befindet, kann der ehemalige Krönungsweg zwischen Dom und Römer künftig wieder ohne Höhenunterschied zurückgelegt werden. Dafür muss die Tiefgarage ihr oberstes Stockwerk hergeben.

Das Technische Rathaus, so wie es schon heute nicht mehr aussieht. Hier wird die Frankfurter Altstadt auf 7000 Quadratmetern - original und weniger original - wieder aufgebaut.

Kritik, das Projekt sei zu teuer angesichts der Geldnot der Kommunen, wies die Oberbürgermeisterin zurück. „Ja, wir können uns das leisten, denn wir haben tatsächlich Geld“, sagte Roth, die als Präsidentin des Deutschen Städtetages erst kürzlich auf die Finanznot der Kommunen hingewiesen hatte. Frankfurts Lage sei eben viel besser als die vieler anderer Städte. Allein der Abriss des eigentlich voll funktionsfähigen Technischen Rathauses, das seit Januar entkernt wurde und jetzt mit Kleinbaggern Stück für Stück abgetragen wird, kostet 21 Millionen Euro. Zwischen Dom und Römer sollen sechs Fachwerkhäuser originalgetreu wiedererrichtet werden. Insgesamt entsteht ein Ensemble aus 30 Häusern. Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) sprach von einer „lohnenden Investition“, auch wenn es Risiken bei der Vermarktung gebe. Für Abbruch, Wiederaufbau, Entwicklung und Vermarktung ist die „DomRömer GmbH“, eine hundertprozentige Stadttochter, zuständig.

Sechs Jahre habe es gedauert, bis „aus der Idee die Tat wurde“, sagte Roth. „In der Gründungszelle Frankfurts schaffen wir eine neue Heimat“, sagte sie. Roth verwahrte sich gegen Kritik an der derzeitigen Architektur der Altstadt. Diese eher einfache Bauweise sei der Nachkriegsnot geschuldet, als viele Millionen obdachlose Menschen hätten untergebracht werden müssen.

Quelle: op-online.de

Kommentare