Igel-Insel rettet jährlich 1000 Tiere

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Mit seinen gerade mal 80 Gramm muss dieses Igelbaby in der Igel-Insel aufgepäppelt werden. Übrigens sind die jungen Tiere ungefährlich: Die Stacheln können dem Menschen noch nichts antun.

Mühlheim - Sie sind stachelig, artgeschützt und gehören zu den ältesten, noch lebenden Säugetieren: Igel kreuzen mit ihrem Nachwuchs noch bis Mitte September Straßen und Gärten. Nicht alle kommen ohne die Hilfe des Menschen zurecht. Von Patrick Kalbhenn

Für kranke Babys und verletzte Tiere gibt es die Mühlheimer Igel-Insel. Ulrike Pachzelt und Michael Schuhmann rackern Tag und Nacht für die scheuen Zeitgenossen.

Momentan ist Hochsaison bei uns“, erzählt Michael Schuhmann. „Täglich werden acht bis zehn neue Igel zu uns gebracht.“ Der 50-Jährige unterstützt Ulrike Pachzelt, die sich bereits seit 20 Jahren um das Wohl der Igel kümmert. Bis aus Kaiserslautern, Fulda oder Ludwigshafen werden gefundene Igel nach Mühlheim gebracht. „Oftmals auch mitten in der Nacht. Die Tiere sind artgeschützt, verletzte Igel müssen von Polizei und Feuerwehr aufgesammelt werden.“ Und da es in Hessen nur zwei offizielle Auffangstationen für die stacheligen Vierbeiner gibt, ist Ulrike Pachzelt sehr gefragt.

Gerade betritt ein etwa 55-jähriger Mann das Grundstück. Er trägt einen braunen Karton, darin ein kleiner Igel. „Der wird höchstens vier Wochen alt sein, rund 80 Gramm schwer“, schätzt Schuhmann. Ulrike Pachzelt kümmert sich sofort um den Neuankömmling, bereitet Futter vor. Sie erkennt sogleich, dass der Igel krank ist: Fliegen haben sich auf ihm eingenistet, Flöhe sind im Fell. Zunächst muss das Tier gesäubert werden. Derweil kümmert sich der Tierpfleger-Azubi um einen Platz in den Boxen.

Nach zwei Wochen, wenn der Kleine wieder auf den Beinen ist, darf ihm die erforderliche Wurmkur verabreicht werden. Sonst verkraftet der Körper die Medikamente nicht. Hilfe erhält das Tierheim von Leuten, die Sozialstunden ableisten: „Nur leider merkt man denen häufig an, dass sie hier arbeiten müssen“, meint Schuhmann.

Tierpaten unterstützen Igel-Insel

Unterstützt werden kann der gemeinnützige Verein über das Spendenkonto bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt (Konto: 8121618, BLZ: 50652124).

Aktuell sind 55 Igel am Mühlheimer Müllerweg untergebracht. Und die kosten: Rund 60.000 Euro bringt der Trägerverein jährlich für die Unterhaltung auf, Ulrike Pachzelt ist dessen Vorsitzende. Die 53-jährige Igelmutter wurde anfangs von einem weiteren Tierschutzverein unterstützt, mittlerweile finanziert sie Futter, Tierarztkosten und Medikamente aus privaten Spenden und Geschenken. Von den 36 Igelfächern sind zehn mit einer Patenschaft ausgestattet. „Die Tierfreunde unterstützen uns mit 30 Euro pro Monat“, erzählt Pachzelt. Nicht die Kosten allein sind der Grund dafür, dass nur kranke Igel und Neugeborene einen Platz bekommen. Viel wichtiger für die Tierschützer ist folgende Überlegung: Gesunde Tiere gehören in die Natur. Igelbabys müssen nur dann dringend zur Station gebracht werden, falls Augen und Ohren noch geschlossen sind. „Ab einem Gewicht von 200 Gramm oder einem Alter von drei Monaten können die Tiere alleine überleben“, erläutert Schuhmann.

Eine Million Igel werden jedes Jahr überfahren

2008 haben 1.000 Igel die Auffangstation passiert. „Ein kleiner Beitrag zur Arterhaltung. Eine Million Igel werden jedes Jahr überfahren“, so Schuhmann. Die Auflagen für die Station sind wegen der Artgefährdung strenger als für ein normales Tierheim. So dürfen seit kurzem keine Schulklassen mehr zu Besuch kommen. Um dennoch über Igel zu informieren, sind zwei Biologen für die Igel-Insel in Schulen unterwegs.

Ulrike Pachzelt ist für ihr Engagement bereits mit dem hessischen Umweltpreis, dem angesehenen Bruno H. Schubert-Preis und dem Landesehrenbrief ausgezeichnet worden. „Leider werden die Tiere dadurch nicht gesund“, verdeutlicht Schuhmann. „Wir brauchen dringend Spenden.“

Ein Igel im Garten - was tun?

Nistet sich eine Igelfamilie im Holzstapel, im Kompost oder im Laub ein, so lässt man die Tiere am besten in ihrem Versteck. Will man keine Igel beherbergen, sollte man Laubhaufen vermeiden. Ab einem Gewicht von ca. 200 Gramm werden die „Teenager“ von ihrer Mutter allein gelassen. Bis zum Beginn des Winterschlafs steigern sie ihr Gewicht auf über 600 Gramm. Deshalb ist nicht jeder kleine Igel gleich hilfsbedürftig. Wird ein Baby gefunden, so ist die sechs- bis zehnköpfige Familie meist nicht weit entfernt.

Neugeborene sollten nicht mit bloßen Händen angefasst werden - sonst könnten sie von ihrer Mutter verlassen werden. Findet man einen untergewichtigen Igel, so sollte man diesen zunächst zu Kräften kommen lassen und nicht gleich zum Tierarzt rennen. Etwas Katzenfutter oder Rührei, dazu Wasser reichen. Gemütlich finden Igel einen großen Pappkarton im Keller, mit einem kleinen Versteck aus Pappe zum Schlafen. Lichtschächte sind Igelfallen. Sie sollten abgedeckt werden. pk

Quelle: op-online.de

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