Imame lernen für Integration

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Jamila Tabqi (rechts), Seelsorgerin der Taqwa-Moschee, und Mansour Hassini, Imam der Omar-Moschee, berichten von der „Imam-Schulung“. Die Stadt Frankfurt hat erstmals geistliche Oberhäupter und muslimische Seelsorger geschult, um sie mit den Strukturen und Regeln in Deutschland vertrauter zu machen.

Frankfurt ‐ „Wir sind Muslime und wir haben einen Beitrag dafür zu leisten, dass Frankfurt eine weltoffene Stadt bleibt.“ Ein starkes Statement aus dem Munde von Khaled ElSayed markierte gestern eine Bilanzpressekonferenz der besonderen Art. Von Michael Eschenauer

Der Mann ist Sprecher des Projektteams „Imamfortbildung“ - jenes Gremiums, das seit Januar in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Amt für Multikulturelle Angelegenheiten und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung für Imame und muslimische Seelsorgerinnen und Seelsorger einen Crashkurs in Sachen Deutschland veranstaltet hat. 20 Männer und sechs Frauen aus 20 Frankfurter Moscheegemeinden informierten sich an elf Veranstaltungstagen über Geschichte, Gesellschaft und Politik Deutschlands. Der Kurs in Werte-, Staatsbürger- und Ämterkunde kostete 49.000 Euro, 33.000 Euro davon übernahm die Bundesregierung. Ähnliche Angebote existieren in München und Berlin. Die Imame zeigten sich gestern vor der Presse hochzufrieden. Man habe viel Interessantes erfahren und viel gelernt. Am Nachmittag erhielten die „Schüler“ feierlich ihre Teilnahmezeugnisse überreicht.

Das Fazit von Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) fiel nicht nur positiv aus. Zwar sei man auf hohes Interesse bei den Muslimen gestoßen, es sei aber auch klargeworden, dass es „nicht selbstverständlich ist, dass sich Imame und andere Verantwortliche von Moscheegemeinden in Deutschland auskennen.“ Die Repräsentanten des Islamischen Glaubens „bewegen sich“, so die Integrationsdezernentin, „noch nicht wie selbstverständlich in unserer Gesellschaft.“ Aber auch die nicht-muslimische Bevölkerung sei oft noch unsicher im Umgang mit Muslimen und wisse nur wenig über den Islam. „Es gibt weniger Kontakte, als es geben könnte und müsste. Doch eins entspringt dem anderen: Kontakte befördern das Wissen, Wissen befördert den Dialog“, mahnt die Dezernentin.

Ein Teilnehmer musste die Veranstaltung verlassen

Angebote wie die Schulung ermöglichten es ihr auch, unmissverständlich klarzustellen, dass „es mit mir keine Diskussion über die deutsche Rechtsordnung, über die Gleichbehandlung von Mann und Frau und über Antisemitismus gibt“, so Grünberg. Einer der Teilnehmer, Imam Sabahattin Türkyilmaz, musste wegen seiner anti-israelischen Haltung die Fortbildung verlassen.

Ob die „Imamschulung“ fortgesetzt wird, ist noch unklar. Sicher ist laut Eskandari-Grünberg, dass die Idee bei der Debatte über das FrankfurterIntegrationskonzept berücksichtigen werde. Das hohe Interesse in den Gemeinden sei ein Signal, das man nicht ignorieren dürfe. Für ElSayid sind die Imame und Seelsorger wichtige Multiplikatoren und Verantwortungsträger in den islamischen Gemeinden. Er bezeichnete das Projekt als Erfolg. Es sei dankbar und begeistert angenommen worden. Insgesamt existieren in Frankfurt 40 Moscheegemeinden. Hier leben nach Schätzungen 80.000 Muslime. Rund 20 Prozent besuchen regelmäßig die Moscheen. Nicht alle Gemeinden reagierten auf das Schulungsangebot der Stadt. Es gibt allerdings schon wieder eine Warteliste.

„Die Gemeinden sind nicht nur sakrale Einrichtungen, sondern auch wichtige weltliche Anlaufstellen für die Gemeindemitglieder. Deshalb können sie eine wichtige Brückenfunktion in die deutsche Gesellschaft ausüben“, so Vera Klinger vom Multikultur-Amt. Ein zentrales Thema sei die Jugendarbeit gewesen.

Imame besuchten Westend-Synagoge

Die Vertreter der Gemeinden unterstrichen, dass der Kontakt zu jungen Leuten funktioniere, diese Klientel durch die geistlichen Oberhäupter erreichbar sei. Als zu vereinfachend sehen die Imame die jüngst bekannt gewordene Studie, wonach stark religiöse muslimische Jugendliche eine erhöhte Neigung zu Gewalt hätten. ElSayed: „Wir sollten die Studie nicht ignorieren. Aber es gibt keine einzige Religion auf der Welt, die Gewalt predigt.“ Man müsse Gründe für das festgestellte Phänomen suchen und gegensteuern. Genau dies ermögliche das Schulungsprojekt.

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Kommentar: Durch die Hintertür

Die Exkursionen führten die Imame nicht nur in die Paulskirche, in ein Gericht, oder in die Stadtverordnetenversammlung, sondern auch in die Westend-Synagoge. Der junge türkische Imam Kadir Sanli berichtete, der Besuch bei den Juden sei schon lange sein Wunsch gewesen. Das Innere der Synagoge sei sehr schön, auffällig sei die Ähnlichkeit mit einer Moschee. Bei der Frage eines Journalisten, wie sich die Gemeindevertreter zum Existenzrecht Israels positionierten, herrschte zunächst Schweigen.

Quelle: op-online.de

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