EZB im Ostend: Immer grüner, immer schicker

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Die Europäische Zentralbank - hier spiegelt sich der Neubau im Fenster eines schicken Restaurants - wird die Entwicklung des einstigen Malocherviertels Ostend dominieren.

Frankfurt - Das Direktorium der Europäischen Zentralbank hält im neuen Hochhaus am Main schon seine Ratssitzungen. Rund um den spektakulären Neubau im Frankfurter Ostend wird es immer grüner und schicker. Die Mieten steigen. Ein Luxusquartier ist es aber noch nicht. Von Ira Schaible 

Die Farbspuren an der Fassade der jüngsten kapitalismuskritischen Blockupy-Demo sind längst abgewaschen. Die 2600 Beschäftigten der Europäischen Zentralbank (EZB) sind in das neue Hochhaus im Frankfurter Osten umgezogen. Bis zur offiziellen Eröffnung (18. März) des spektakulären Doppelturms mit sanierter Großmarkthalle am neu gestalteten Mainufer sind es noch gut zwei Monate. Und die Umgebung? Das Industrie- und Arbeiterviertel Ostend wandelt sich immer mehr zu einem attraktiven Wohnviertel mit Gastronomie und Hotels. Dabei bleiben Alteingesessene auf der Strecke. „Ein Westend wird das Ostend aber nicht werden“, sagt der stellvertretende Ortsbeirats-Vorsteher Volker Wolf (SPD).

Zum Ostend gehören auch der Hafen, die neue Auto-Brücke über den Main sowie die viel befahrene hippe Hanauer Landstraße mit ihren Geschäften, Autohäusern und Kreativzentren. Der Binnenhafen soll nach einem Beschluss der Stadt als gewerbliche Fläche weiterentwickelt werden. Zum Industrielärm kommt der Verkehr, auch an der zweiten Main-Brücke im Quartier, der historischen Flößerbrücke. Für eine reine Wohnungsbebauung sei es dort zu laut, sagt Wolf.

Trotzdem wird es überall grüner und schöner. Der Hafenpark mit Sportfeldern und Skateranlage wird längst voll genutzt und soll über einen Grünzug mit dem Ostpark verbunden werden. Das Mainufer ist attraktiv umgestaltet worden, und direkt vor der neuen EZB wird es grün. An der Grünanlage wird noch kräftig gearbeitet, auch eine Reihe von Baucontainern stehen noch vorm Eingang des neuen Markenzeichens im Osten, das von jeder Seite anders aussieht.

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EZB-Neubau nähert sich dem Ende

Das weit über Frankfurt hinaus bekannte ehemalige Bordell „Sudfass“ an der Flößerbrücke ist abgerissen. Auf dem Grundstück soll ein Appartementhaus mit zehn Stockwerken entstehen. Neben einigen Wohnungen, Geschäften und einem Café soll daraus auch ein Boarding-Haus werden. Ohne Segregation gelingt der Wandel nicht: „Viele spekulieren noch auf den letzten Euro Miete, den sie erhöhen können“, sagt Ortsvorsteher Bodo Pfaff-Greiffenhagen (CDU). „Die Strukturen verschieben sich sehr deutlich im Stadtteil“, ergänzt sein Vertreter Wolf (SPD). Als Beispiel nennt er einige Fälle, in denen Hausbesitzer eine Wohnung so runterwohnen ließen, bis die alten Mieter auszogen. Die Gastronomie sei in Teilen etwas hochpreisiger geworden, weil sie auf die EZB-Beschäftigten spekuliere. „Das wird aber noch Jahre dauern, bis sich das eingependelt hat.“ Manche Lokale hätten zu früh auf höhere Preise gesetzt und schon aufgeben müssen.

„Durch die EZB ist Frankfurt als Standort sehr attraktiv“, sagt Wolf. Die EZB, die neue europäische Bankenaufsicht und die Konzentration einiger Banken auf die Finanzmetropole am Main hätten große Auswirkungen auf die ganze Stadt, längst nicht nur auf das Ostend. „Es ziehen verstärkt Leute in die Stadt, die mehr Geld haben, sich eine große Wohnung zu leisten.“ Allein in und um das Ostend sollen in den nächsten Jahren rund 2000 neue Wohnungen entstehen. „Das ist ein Mini-Stadtteil, der dazukommt.“ Das Augenmerk der Investoren richte sich auf hochpreisigere Wohnungen. Stadt und Land müssten mit ihren Wohnungsbaugesellschaften stärker aktiv werden, um die bunten Strukturen des Stadtteils zu erhalten und eine Ghettoisierung zu verhindern. 

dpa

Quelle: op-online.de

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