Patienten beklagen Probleme bei Krebs-Screenings

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Untersuchung mit einem Vergrößerungsglas: Für das Hautkrebs-Screening braucht der Arzt nur seine Augen; er schaut sich Arme, Beine, Bauch und Rücken an, die gesamte Haut.

Offenbach ‐ Ein Frankfurter Hautarzt macht auf der Homepage seiner Praxis gleich deutlich, was er von der Krebsvorsorge als Kassenleistung hält. Von Peter Schulte-Holtey

Bis auf weiteres werde er die Leistung nur als Selbstzahlerleistung - Kosten ab 55 Euro - anbieten: Praxisgebühr oder ein Überweisungsschein würden dafür nicht benötigt. „Gegebenenfalls sind einzelne Kassen zu Erstattungen bereit, dafür kann jedoch keine Gewähr übernommen werden“, berichtet er noch. Kein Einzelfall: Viele Patienten im Rhein-Main-Gebiet stoßen inzwischen bei ihren Hautärzten auf ähnliche Reaktionen. Die Mediziner haben es abgelehnt, an einer eintägigen Fortbildung zur Krebserkennung teilzunehmen. Die Folge: Sie dürfen nicht das Hautkrebs-Screening, das von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre übernommen wird, durchführen.

Patienten zeigen wenig Verständnis für dieses Verhalten. Sie fordern auch von ihrem Hautarzt ein kostenfreies Krebs-Screening (Vorsorgeuntersuchung). Und manche fragen bereits - sehr verärgert: Geht es wieder nur um Geld, denn für die Kassen-Untersuchung bekommt der Arzt offenbar nur ein Honorar von 27 Euro?

Gegenrede kommt vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Pressesprecher Ralf Blumenthal lässt durchblicken, dass bei den Fachärzten auch grundsätzliche Zweifel an der von den Krankenkassen geforderten Schulung bestehen: „Es sollte doch jedem klar sein, dass man die Erkennung von Hautkrebs nicht an einem Tag erlernen kann; daher nimmt die Untersuchung auf Hautkrebs für Hautärztinnen und Hautärzte auch breiten Raum in ihrer fünfjährigen Facharztausbildung ein“, erläutert Blumenthal. Mehr als 80 Prozent der Hautärzte würden bei der GKV-Vorsorgeuntersuchung mitmachen. „In Südhessen ist jedoch eine Reihe von Dermatologen nicht bereit, das Hautkrebs-Screening als Kassenleistung anzubieten und hat daher erst gar nicht an der verpflichtenden Einführungsveranstaltung teilgenommen.“ Dafür gibt es nach Angaben des Verbandssprechers einerseits fachliche Gründe: „Anders als viele Krankenkassen erachten sie - allein schon aus haftungsrechtlichen Gründen - die reine Blickdiagnostik ohne Auflichtmikroskop als nicht ausreichend. Darüber hinaus widerspricht die neue Regelung, das Screening nur alle zwei Jahre anzubieten, ihrer medizinischen Erfahrung, aus der heraus sie seit vielen Jahren ihre Patienten dazu angehalten haben, jährlich zur Hautkrebsvorsorge zu kommen.“

Blumenthal wirbt dann noch vehement für die Extra-Leistungen der Hautärzte, wenn er den verunsicherten Patienten den Tipp gibt: „Letztendlich wird jeder für sich selbst abwägen müssen, ob der in Südhessen gebotene Mehrwert bei ,seinem’ Hautarzt bzw. ,seiner’ Hautärztin das Geld wert ist.“

Cornelia Kur von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die für die Honorarverteilung zuständig ist, will sich aus dem Streit der Mediziner heraushalten: „Wir kennen die Diskussion, besonders innerhalb der Fachgruppe der Dermatologen, wonach zu einer qualifizierteren Diagnosestellung zum Beispiel auch die Verwendung eines Auflichtmikroskops erforderlich sei. Kritisiert wird, dass das Hautkrebs-Screening der GKV lediglich das bloße Anschauen ohne Hilfsmittel vorsieht.“ Die Festlegung, welche Leistungen in welcher Form in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden, liege aber nicht in der Hand der KV. Zudem gebe es ja viele Möglichkeiten für Patienten „auszuweichen“. Laut KV haben hessenweit insgesamt 2970 Ärzte (Haus- und Hautärzte) die Fortbildung zum Hautkrebs-Screening absolviert. Dies entspreche einer Quote von 75 Prozent. Kur: „Es sollte also jedem Patienten möglich sein, einen Mediziner zu finden, der seine Haut entsprechend untersucht - wenn nicht der Hautarzt dann der Hausarzt.“

Quelle: op-online.de

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