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Vom Dom aus lässt sich das Areal der neuen Altstadt am besten inspizieren. Das Archivbild vom März 2011 zeigt noch die Überreste des mittlerweile abgerissenen Technischen Rathauses.

Frankfurt - Es kann nur aufwärts gehen. Schließlich ist das Technische Rathaus in der Frankfurter Innenstadt nun soweit abgerissen, dass eines der am leidenschaftlichsten diskutierten Projekte der Frankfurter Nachkrieggeschichte tatsächlich in Angriff genommen wird. Von Christian Riethmüller

Gestern ist der Grundstein für die neue Frankfurter Altstadt gelegt worden. Auf dem Areal zwischen Dom und Römer soll teilweise wiedererrichtet werden, was während des Zweiten Weltkriegs im März 1944 bei Luftangriffen der Alliierten in Schutt und Asche versank. Mindestens 15 Gebäude der einst weithin berühmten, von Fachwerkbauten bestimmten Altstadt sollen rekonstruiert und außerdem der als „Krönungsweg“ bekannte Straßenzug „Markt“ auf sein historisches Niveau abgesenkt werden. Außerdem entstehen auf dem etwa 7000 Quadratmeter großen Planungsgebiet noch sogenannte schöpferische Nachbauten der alten Häuserzeilen.

„Die Stadt erhält ihr Herz zurück“

„Die Stadt erhält ihr Herz zurück“, sagte Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), die allerdings zu bedenken gab, dass dieses „Herz“ nach seiner vermutlichen Fertigstellung im Jahr 2016 nicht aussehen werde, wie am Vorabend der Bombenangriffe von 1944. „Das würde allen heutigen Bauvorschriften widersprechen“, sagte Roth. Die Oberbürgermeisterin wies auch darauf hin, dass die Grundsteinlegung nur eine symbolische Geste sein könne, schließlich baue man die neue Altstadt auf einer Bodenplatte, unter der sich Teile der Tiefgarage „Römer“ und die U-Bahn befinden. Doch „die neuen Alstadthäuser entstehen auf solidem Fundament“, versicherte Roth.

 

Wie Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der für das Projekt zuständigen DomRömer GmbH, sagte, kann wohl im Spätsommer dieses Jahres mit den Hochbauarbeiten begonnen werden. Erstes Bauprojekt ist der „Hof zum Rebstock“, den die Stadt rekonstruieren lässt. Welche konkrete Gestalt die Altstadt sonst erhalten wird, hängt von den Entscheidungen der städtischen Gremien ab, die noch in diesem Frühjahr über die Vergabeempfehlungen der DomRömer GmbH abstimmen soll. Die Gesellschaft hatte Ende 2010 einen Architektenwettbewerb für die Neubebauung des Areals veranstaltet und bis Dezember vergangenen Jahres außerdem Verkaufsgespräche mit Investoren über die für optionale Rekonstruktionen vorgesehenen Flächen geführt.

130 Millionen Euro sind für das Projekt Altstadt veranschlagt

Kosten von 130 Millionen Euro sind für das Projekt Altstadt veranschlagt, die teils mit den Grundstücksverkäufen an Investoren, teils mit der Kostenersparnis für eine andernfalls notwendig gewordene Sanierung des Technischen Rathauses gegengerechnet werden. Obwohl die Rekonstruktion der Altstadt beschlossen ist und damit die Amtszeit des scheidenden Frankfurter Planungsdezernenten Edwin Schwarz (CDU) ihre „Krönung“ erfuhr wie er in einer etwas selbstgefälligen Ansprache sagte, dürften die Diskussionen darüber nicht aufhören. So ist das über dem Archäologischen Garten zu errichtende Stadthaus noch immer ein Zankapfel, nicht nur der Kosten wegen. Einige Demonstranten von der Initiative „SOS Dompanorama“ skandierten gestern während des Festakts „Altstadt ok, Stadthaus nee“. Sie fürchten, dass der Blick auf den Dom durch das Stadthaus verbaut wird.

Anderen Kritikern wie dem Frankfurt stammenden Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt geht schon die Rückbesinnung auf die Altstadt zu weit „Schon die bisherige Zeile am Römerberg ist ein Abziehbild: Die Häuser dort sehen für mich aus wie vom Weihnachtsmarkt nicht abgeholt“, sagte er in einem dpa-Interview. Jürgen Aha, Initiator des AltstadtForums und damit einer der entschiedensten Befürworter des Wiederaufbaus, gehen die Pläne hingegen noch nicht weit genug. „Einige Neubauten sehen aus wie eine Hundehütte oder die Sparkasse von Dreieichhain“, lästert er über Entwürfe aus dem Architektenwettbewerb. Bis das neue Herz Frankfurts wieder schlägt, wird es noch manchen Herzschmerz bereiten.

Quelle: op-online.de

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