Individuell, technisch und hochwertig

Offenbach - Von wegen Drahtesel. Das Fahrrad wird immer mehr zu einem Prestigeobjekt. Vorbei sind die Zeiten, als diejenigen mit dem Velo fuhren, die sich kein Auto leisten konnten. Von Veronika Szeherova

„Der Durchschnittspreis im Premiumhandel beträgt 1089 Euro“, sagt Uwe Wöll vom unabhängigen Fahrradbranchenverband VSF (Verbund Service und Fahrrad). Und nennt damit einen „Megatrend“ der Radbranche: Fahrräder werden immer wertiger.

Dazu trägt auch das individuellere Angebot bei. „Es gibt die verschiedensten Fahrradtypen – und innerhalb dieser noch viele Variationen“,erläutert Wöll. „Die Rahmenhöhen, die Sitzposition, die Ergonomie – all das kann bei modernen Fahrrädern individuell angepasst werden.“ Das Design rücke immer mehr in den Vordergrund, wie auch die technische Ausstattung: „Die technischen Standards sind gravierend höher als noch vor 20 Jahren.“

Fahrradtechnik sei mittlerweile ein Innovationsgeber. Als Beispiele nennt Wöll die LED-Beleuchtung und die Fahrradbereifung: „Da sind strenge Kriterien gefragt, denn ein Fahrradreifen muss viel aushalten. Die Erkenntnisse daraus sind von Nutzen auch für andere Bereiche.“

Das Velo wird immer mehr zum Wirtschaftsfaktor. 278.000 Menschen haben Vollzeit-Arbeitsplätze in der Branche, der Umsatz liegt bei 16 Milliarden Euro pro Jahr. „Wir schätzen das Wachstumspotential bis 2015 auf 3,05 Prozent jährlich“, so der VSF-Profi. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 4,05 Millionen Fahrräder verkauft, aber nur 3,17 Millionen Autos neu zugelassen.

Besonders in den Städten gewinnt die umweltfreundliche Verkehrsalternative immer mehr an Bedeutung. In Berlin, Hamburg und München gibt es Radwegekonzepte mit Stadtratsbeschluss und dem entsprechenden Budget. „In London und Paris ist man noch weiter gegangen“, berichtet Wöll. „Dort wurden sogenannte Staugebühren eingeführt.“ Es kostet Geld, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren. Die „Congestion Charge“ in London beträgt zwölf Euro am Tag. So steigen die Menschen eher aufs Fahrrad um. „Urbane Mobilität“ ist Wachstumstreiber der Fahrradbranche.

Das Elektro-Bike aber ist laut Wöll kein Megatrend: „Verkauft wurden im vorigen Jahr 310.000 Pedelecs. Das ist zwar eine Rekordzahl, aber immer noch ein geringer Anteil am Gesamtverkauf.“ Bei einer Sache hat er aber keinen Zweifel. Wöll: „Fahrradfahren ist voll im Trend.“

Quelle: op-online.de

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