„Informationslage chaotisch“

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Die Verkürzung des Wehrdienstes hat auch Konsequenzen für zukünftige Zivildienstleistende.

Frankfurt ‐ Wegen des Gezerres um Wehrpflicht und Zivildienst hängen die hessischen Sozialverbände weiter in einer Warteschleife.

„Die Informationslage ist chaotisch. Wir wissen nicht, wie es auf lange Sicht weitergeht“, sagt Klaus Golisch, vomDeutschen Roten Kreuz (DRK) Hessen in Wiesbaden. „Wir stochern im Nebel.“

 Wie geht es weiter? Die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag hatte am Donnerstagabend im Eilverfahren eine Verkürzung der Wehrdienstzeit zum 1. Juli von neun auf sechs Monate beschlossen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) stellt die Wehrpflicht aber weiterhin ganz infrage. Die Folgen für den Zivildienst will Familienministerin Kristina Schröder (CDU) prüfen lassen. Im September sollen Entscheidungen fallen. Viele Stellen in Hessen sind betroffen. Nach Angaben des Landessozialministeriums hatten Ende vergangenen Jahres mehr als 6000 junge Männer Zivildienst geleistet.

Für Susanne Magnus von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Hessen-Süd in Frankfurt steht fest: „Der Zivildienst ist auf dem sterbenden Ast.“ Ihrer Meinung nach will ihn die Regierung auslaufen lassen. „Was die Alternative sein soll, weiß ich nicht.“ Auch der Zivildienstreferent der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) in Kassel, Klaus Tschenscher, sagt: „Wenn man den Zivildienst streicht, sollte man gute Konzepte haben, was danach kommt. Die sehe ich noch nicht.“

Zivis sollen nach dem Beschluss vom Donnerstag ihren Dienst erstmals freiwillig verlängern können - auf ein Jahr. Zudem rechnen die Verbände mit einer steigenden Nachfrage beim Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ). Bis jetzt sei aber keine zusätzliche Förderung geplant, erklärt EKKW-Referent Tschenscher. Daher könnten keine neuen FSJ-Stellen geschaffen werden. „Wir werden auch nicht alle wegfallenden Stellen mit Freiwilligen besetzen können“, sagt Golisch.

Neben der Kostenfrage ist es ein Zeitproblem: Die Einarbeitung verkürze die nun sechs Monate Ersatzdienst weiter, erklärt Magnus. „Man macht die Arbeit ja nicht nebenher nach dem Motto “Geh' mal, schieb' mal die Oma über'n Flur“.“ Deshalb werde das Interesse der Einsatzstellen für Zivildienstleistende mit Betreuungsaufgaben abnehmen. So sagt auch Tschenscher: „Da werden Beziehungen aufgebaut. Das braucht schon mehr Zeit.“

Eingesetzt werden könnten die Zivis noch bei zuarbeitenden Tätigkeiten. „Wer einen Führerschein hat, kann Essen auf Rädern machen. Die Route hat man in einer Woche gelernt“, sagt Magnus. Tschenscher bringt es auf die Formel: „Alles, was nicht Dienst am Menschen ist.“ Dabei sei dieser mit einem Perspektivwechsel verbunden und wichtig für viele junge Menschen.

dpa

Quelle: op-online.de

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