Ingwertee gegen die Bankenmacht

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Nichts für Schönwetter-Protestler: Wintercampen gegen Finanz-Zocker vor der EZB in Frankfurt.

Frankfurt - In einem kleinen Einmannzelt auf einer dünnen Isomatte hat Erik Buhn bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Nacht verbracht. Von Stephanie Kirchner (dpa)

Seit fast vier Wochen schläft der 27-jährige Student die meiste Zeit im Protest-Camp vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, um gegen die Macht der Banken zu protestieren. Hier will er auch den Winter über bleiben: „Solange wie möglich, bis sich etwas geändert hat. “.

Andere Mitglieder der sogenannten Occupy-Bewegung, die seit dem 15. Oktober ihre Zelte in der Innenstadt der Main-Metropole aufgeschlagen hat, sehen das offenbar genauso. Noch etwa 30 bis 40 Menschen übernachten nach Angaben eines Sprechers im Camp. Die Vorbereitungen für den Winter sind im vollen Gange. Einige Zelte stehen bereits auf mit Dämm-Material verkleideten Holz-Paletten. In einem blau-weißen Großraum-Zelt lagert Nachschub. Gerade seien auch Stromleitungen im Camp verlegt worden, so dass man eventuell Heizstrahler aufstellen könne, berichtet Banken-Gegner Buhn.

Zwei Decken und eine Wollmütze

Auch er hat bereits aufgerüstet: zwei Decken und eine Wollmütze sorgen zusätzlich zum Schlafsack für ein wenig Extrawärme: „Nur für die Nase muss ich mir noch was einfallen lassen“, sagt Buhn. Er klingt leicht erkältet. Kein Grund aufzugeben, findet er.

Auch der Frührentner Thomas, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, will durchhalten. „Ich habe mich auf einen langen Winter eingestellt.“ Thomas sitzt fast jeden Tag am Camp-eigenen Infostand. Sein Rezept gegen die Kälte: Ingwertee und lange Unterhosen.

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Am Dienstag löste die Polizei Occupy-Lager in Zürich und New York auf. Das Frankfurter Ordnungsamt sieht derweil keinen Grund einzuschreiten. Sprecher Ralph Rohr zeigt sich jedoch überrascht von der Hartnäckigkeit der Banken-Kritiker. Dass Protestler so lange in der Innenstadt ausharrten, sei seines Wissens nach ein „Novum“. Auch Occupy-Anhänger Buhn ist gespannt „ob wir im Camp bleiben, oder ob uns die Kälte vertreibt“. An Motivation und Geld mangele es dank Unterstützung aus der Bevölkerung derzeit nicht. Kalt wird es laut Ansgar Engel vom Deutschen Wetterdienst jedoch bleiben. Mit Temperaturen zwischen 0 und 2 Grad sei das Wetter „zum Campen suboptimal“.

Quelle: op-online.de

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