„Geste zur Integration“ sorgt für Diskussion

Frankfurt - Die Frankfurter Gemüter sind erhitzt, wenn es um die geplante Sondervorstellung in türkischer Sprache an der Oper geht. Die NDP bezeichnet die Aktion sogar als „unerträglich“. Leistet Opernintendant Bernd Loebe damit wirklich einen Beitrag zur Integrationspolitik?

„Die verzweifelten Türken verstehen nicht den mindesten Spaß“, sie seien „Blasebalggesichter“ und „Vielfraße“ - so heißt es in Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“. Dass die Oper Frankfurt ausgerechnet diesen deutschen Bühnen-Klassiker Ende April  teilweise in türkischer Sprache aufführen will, sorgt bereits im Vorfeld der Sondervorstellung für Gesprächsstoff.

Opernintendant Bernd Loebe will mit der Aktion nach Angaben des Hauses einen Beitrag „zur gerade geführten Integrationsdebatte“ und zur „unsäglichen Diskussion um Sarrazin und sein Buch“ leisten. Es gehöre zum Selbstverständnis der Oper Frankfurt, sich als zentrales Kulturinstitut der Stadt mit den aktuellen Themen der Gegenwart auseinanderzusetzen.

„Oper ist Vorbild für andere Häuser“

Die Oper will in der Sondervorstellung das Mozart-Werk in einer um rund eine Stunde gekürzten Version zeigen, bei der einzelne Stücke in türkischer Sprache gesungen werden. Die Passagen in deutscher Originalsprache werden ins Türkische übersetzt und über der Bühne eingeblendet. Eine der Hauptrollen übernimmt die türkische Sängerin Cigdem Soyarslan.

Die Frankfurter Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) begrüßt die Aktion. „Wir können nicht von Integrationspolitik sprechen, wenn wir nicht alle Kulturbereiche öffnen“, sagte sie in Frankfurt. Die Oper Frankfurt sei Vorbild für andere Häuser.

NPD empfindet Idee als „unerträglich“

Die NPD im Stadtparlament empfindet die Idee dagegen als „unerträglich“ - vor allem „wenn dies auf einer deutschen Bühne beziehungsweise in einem deutschen Opernhaus geschehen soll“, teilte Stadtverordneter Jörg Krebs für die Fraktion auf Anfrage mit. Verschiedene Diskussionsforen im Internet argumentieren ähnlich.

„Die Türkei und Frankfurt werden nur getrennt durch eine Straße, die zum Main führt. Diese Grenze wollen wir niederreißen.“

Opernintendant Bernd Loebe über das Frankfurter Bahnhofsviertel

Der Plan, Mozarts Singspiel aus dem Jahr 1782 - das das Aufeinandertreffen von westlicher und orientalischer Kultur zum Thema hat - interkulturell zu präsentieren, einmalig in der deutschen Theaterlandschaft. Lediglich die Komische Oper in Berlin hat vor wenigen Wochen angekündigt, ab der kommenden Spielzeit sämtliche Opern wahlweise auch mit türkischen Untertiteln zu versehen. Die Reaktionen waren auch dort geteilt, wie eine Sprecherin des Hauses bestätigte.

Türkischsprachige Medien feiern nach Aussage des Kultur-Managers Baki Kiper unterdessen Loebe und seine Idee. „Denn etwas Vergleichbares wäre sonst nirgends in der Welt so möglich - nicht einmal in der Türkei“, sagt Kiper, der selbst in Istanbul geboren wurde.

dpa

Quelle: op-online.de

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