7. Auflage im Palmengarten

Apfelweinmesse: Vielfalt und Facettenreichtum

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Im erlauchten Kreise: Andreas Schneider (l.) und Michael Stöckl, die Organisatoren der Internationalen Apfelweinmesse, umringt von mehreren Apfel(wein)-Königinnen.

Frankfurt - Einen Ansturm wie noch nie erlebte die Internationale Apfelweinmesse bei ihrer siebten Auflage. Von Christian Riethmüller

Im Gesellschaftshaus des Palmengartens drängten sich gestern Besuchermassen, die an zahlreichen Ständen die Vielfalt der internationalen Apfelweinwelt kennenlernen wollten. „Das Beste, was ein Apfel werden kann“, verheißt die Werbung einer großen Kelterei. Doch was ist dieses Beste? Apfelwein, Viez, Cidre, Cider, Sidra? Oder doch Saft? Oder gar Schnaps? Vermutlich all dies, denkt man - zumindest wenn man an den vielen Probierständen im Gesellschaftshaus des Palmengartens vorbeischlendern kann, wo all diese Spezialitäten in teils bestechender Qualität offeriert werden.

86 Aussteller - Kelterer und Brenner, aber auch Metzger, Käser, Verlage oder Accessoires-Anbieter - haben sich an der 7. Internationalen Apfelweinmesse beteiligt und dabei auch für manchen Erkenntnisgewinn gesorgt. Wer bisher etwa dachte, dass in Südtirol, der diesjährigen Gastregion der Messe, wegen des regen Apfelanbaus selbstverständlich auch eine Apfelweinkultur bestehen müsse, durfte sich eines Besseren belehrt sehen. Da den Südtirolern zu Zeiten des Mussolini-Faschismus die Herstellung von Obstweinen verboten worden war, ging diese Tradition verloren. Erst seit etwa fünf Jahren versuchen sich Kelterer mit Produkten wie „S’Pom“, „Iduna-Cider“ oder „Hoila! Cider“ wieder am Apfelwein, den sie - die Namen verraten es - am englischen Cider ausrichten, also mit natürlicher Kohlensäure und einer gewissen Süße im Geschmack.

Ein irreführender Name

Cider zum Vorbild hat auch der niederländische Produzent Beer Cider, dessen auf den ersten Blick irreführender Name aber nichts mit einer abenteuerlichen Kombination von Bier und Apfelwein zu tun hat, sondern auf das Landgut Beerze verweist, wo Leonard Koningswijk nach eigenen Angaben jährlich etwa 40.000 Flaschen Cider produziert - in einem Land, wo Wein aus Äpfeln nahezu unbekannt ist.

Koningswijk ist einer jener Enthusiasten, wie sie auf der Apfelweinmesse zuhauf zu treffen sind, ganz gleich, ob sie aus Lettland, Norwegen, Dänemark, Spanien, Irland, aus Österreich, der Schweiz oder aus Frankreich kommen, um gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen die Vielfalt und den Facettenreichtum des Apfelweins und seiner regionalen Spielarten vorzuführen.

Der größte Bembel der Welt

Der größte Bembel der Welt

Wer etwa einen ApfelweinChampagner von der Kronberger Kelterei Georg Herberth, einen sortenreinen Wein aus Goldparmäne vom Apfelweinkontor in Sachsenhausen oder den nachgerade sensationellen Wein aus Rotem Trierer Weinapfel vom Obsthof Schneider gekostet hat, wird dem profanen Schoppen aus dem Supermarktregal nichts mehr abgewinnen können.

Im Blickfeld der Messe steht daher neben dem genussbewussten Endverbraucher auch die ambitionierte Gastronomie, die feine Apfelweine und -säfte als Alternative zum Traubenwein durchaus einsetzt. Auf diesem Niveau bieten sich aber auch die vorzüglichen Birnenschaumweine an, die bereits seit einigen Jahren zu den Höhepunkten einer jeden Internationalen Apfelweinmesse gehören. Die württembergische Manufaktur Jörg Geiger hat sich hier schon einen sehr guten Namen in Deutschland gemacht, wie ihn auch eine kleine Manufaktur aus der Bretagne verdiente. Diese Manufaktur mit dem Namen Kystin beliefert zwar schon Sterne-Restaurants in Frankreich und Spanien, ist aber hier bislang nur in einem Fachgeschäft in München erhältlich. Der unter dem Namen „Kalysie“ im Gesellschaftshaus präsentierte Poire, der mit einer Spur Ingwer verfeinert ist, hätte mit seiner ungemeinen Frische und bei einem Alkoholgehalt von gerade einmal zwei Prozent das Zeug zum Sommergetränk des Jahres.

Quelle: op-online.de

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