Internationale Botschaft

+
Die angeblich kleinste Krippe der Welt besteht aus einem halben Kirschkern. Erkennbar ist sie nur mit Hilfe einer Lupe.

Frankfurt ‐ Maria und Josef stehen vor der Krippe, in der ihr neugeborener Sohn liegt. Die Heiligen Drei Könige betrachten ehrfürchtig den Heiland. Einige Hirten versammeln sich um den Stall und verfolgen das wundersame Ereignis. Ihre Tiere sind auch dabei. Die Figuren der „Zeller Krippe“ aus Südtirol, die eher wirkt wie ein Bauernhof aus dem alpenländischen Raum, sind geradezu filigran geschnitzt. Von Sonja Thelen

Das Arrangement stammt aus der Werkstatt eines Südtiroler Bauern, liebevoll gefertigt mit so feinen Details wie einem mit Rebholz gebundenen Zaun, einem Weinstock an der Mauer oder zum Trocknen aufgehängten Maiskolben. Seine Kinder, die nach Usingen gezogen waren, überließen dieses Unikat Erica Kernstock für ihr Weihnachtskrippen-Museum in Nidda-Ulfa im Wetterau-Kreis. Seit fünf Jahren öffnet die 61-Jährige während der Adventszeit die Pforten dieses außergewöhnlichen Museums für ein paar Wochen.

Diese geschnitzte Krippe wird an eine Wand gehängt und präsentiert die Stallszene vertikal.

Das wertvolle, handgeschnitzte Exemplar ist nur eines der Exponate in der Advents- und Weihnachtsausstellung „Faszination Krippen“, die jetzt im Palmengarten zu sehen ist. Zirka 20 ihrer gut 100 Weihnachtskrippen aus ihrem Museum hat Erica Kernstock dem Palmengarten für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Zu sehen ist ein beeindruckender Querschnitt von Weihnachtskrippen aus der ganzen Welt und aus verschiedenen Epochen. Ein Teil stammt aus dem Erzgebirge, Südtirol oder Böhmen (Tschechien) wie die Grulich-Wandkrippe von 1900 – eine Laubsägearbeit. Ausgestellt ist ebenso die „Kleinste Krippe der Welt“, deren Details sich dem Besucher erst beim Blick durch eine Lupe erschließen. Sie besteht aus einem halben Kirschkern und stammt aus dem Erzgebirge. Ein Club, der alles in Miniaturformat herstellt, hat sie geschnitzt, erzählt Kernstock. Fröhlich bunt zeigt sich eine Tonkrippe aus Peru, während eine andere Krippe, ebenfalls aus dem südamerikanischen Land, aus einem Kürbis geschnitzt und dann aufwendig bemalt wurde.

Dieses Arrangement hat ein südamerikanischer Kunsthandwerker in einen Kürbis hineingebaut.

Viele kommen aber auch aus afrikanischen Ländern. Wie etwa eine Krippe aus Ruanda, die aus Bananenblättern gefertigt wurde, oder eine aus Burkina Faso, die aus Altmetall- und Messingteilen besteht. „Die hat mir ein Pastor gegeben, der sie wiederum aus einem islamischen Männerkloster hatte“, erzählt Erica Kernstock. Ihre Favoriten sind derzeit aber modern gestaltete Krippen mit stilisierten Formen wie ein Exemplar von 1995 aus Südtirol, das mit einem Designpreis ausgezeichnet worden ist, oder auch eines aus Weimar im Bauhaus-Stil bestehend aus heimischen Hölzern, die die Figuren nur stilisiert darstellen.

Besuchen Sie auch:

www.palmengarten-frankfurt.de

www.weihnachtskrippen-museum.de

Ihre Leidenschaft für Weihnachtskrippen begann bereits als Teenager. „Wir waren damals bei einer befreundeten Familie in Hamburg zu Besuch. Die hatte eine wunderschöne, handgemachte Krippe. Mich beeindruckte, wie zärtlich Maria ihre Hand nach dem Kind ausstreckte. Ich habe mir damals vorgenommen, mir selbst eine schöne Krippe zu kaufen, sobald ich dafür genügend Geld haben sollte“, erzählt Erica Kernstock. Zehn Jahre später war es so weit: Eine Krippe aus Südtirol bildete den Grundstock ihrer Sammlung.

Das Weihnachtskrippen-Museum in Nidda-Ulfa öffnet erst in der Adventszeit 2010 wieder seine Pforten. Aber eine Auswahl der Kunstwerke ist im Rahmen der Weihnachts-Ausstellung im Palmengarten (Siesmayerstraße 61) noch bis Mittwoch, 6. Januar, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind täglich von 9 bis 16 Uhr.

Aber auch mit dem theologisch-religiösen Hintergrund befasst sich Erica Kernstock. „Das Thema fasziniert mich. Immerhin steht es für den Beginn unserer christlichen Kultur.“ Und es gefällt ihr, wie die Geschichte in den verschiedensten Ländern künstlerisch interpretiert wird. Die Idee, die Sammlung öffentlich zu machen, hatte schließlich ihr Mann Friedhelm Kernstock. Er schlug vor, ein Museum in dem Elternhaus seiner Frau einzurichten. Zugleich löste er damit ein Versprechen ein: Der frühere Daimler-Manager hatte seiner Frau zugesagt, sobald er im Ruhestand sei, würden sie gemeinsam ein Projekt realisieren, das ihr am Herzen liegt.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare