Internationalität als Erfolgsfaktor

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Frankfurts Lebensbaum grünt - aber für die Herausforderungen der Zukunft benötigt es  die Ressourcen der Region.

Frankfurt ‐  Frankfurt hat bei der Bewertung seiner Zukunftschancen im Vergleich mit den 30 größten deutschen Städten den ersten Platz erobert. Von Michael Eschenauer

Hohes Bildungsniveau, eine zukunftsfeste Job-Mischung, weit entwickelte Internationalität, beispielhafte Integration, Wachstum bei Bevölkerung und Arbeitnehmerzahl, hervorragende Infrastruktur, Attraktivität bei Investoren.

Dies ist das zweite Mal nach 2008, dass man oben auf dem Siegertreppchen des HWWI/Berenberg-Städte-Rankings Platz nimmt. Die Frankfurter Berenberg Bank hatte die Analyse beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut in Auftrag gegeben. „Frankfurt ist für die Zukunft sehr gut gerüstet und übernimmt eine Internationalisierungsfunktion für Deutschland“, sagte gestern der Direktor des HWWI, Professor Dr. Thomas Straubhaar, bei der Vorstellung der Studie.

Die Kriterien, die die Stadt an die Spitze katapultierten, bieten wertvolle kommunalpolitische Handlungshinweise und Ratschläge für die Entwicklung der Region. „Es kommt darauf an, die Region institutionell zu festigen - mit verbindlichen, festen Strukturen, jenseits bloßer Absichtserklärungen“, forderte Straubhaar. „Der nächste Schritt muss die Metropolen-Bildung sein. Dies ist im internationalen Wettbewerb wichtig.“

OB Roth setzt auf kooperativen Föderalismus

„Wir haben weltweit einen Trend zur Verstädterung“, sagte Straubhaar. Der Strom in die Städte nutze aber auch der Regionen. Der Wirtschaftsforscher plädierte für den Ausbau des Frankfurter Flughafens und der Verbesserung des Straßennetzes. Schon jetzt sei die extrem schnelle Erreichbarkeit der Stadt unerreicht in Deutschland. Die Reisezeit zu 41 anderen europäischen Zentren mit Auto und oder Flugzeug sei weiter gesunken und liege derzeit im Schnitt bei 188 Minuten. Aber auch die Pendler müssten zum Arbeitsplatz kommen

Die Kooperation mit dem Umland bildet für Straubhaar und auch für die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) nichts Geringeres als eine Grundvoraussetzung für die weitere Entwicklung der Bankenstadt. „Ich setze auf kooperativen Föderalismus“, sagte Petra Roth (CDU), die die Studie erfreut zur Kenntnis nahm. Da an Eingemeindungen nicht zu denken sei, müsse man kooperieren, insbesondere im Wohnungsbau, denn in Frankfurt seien die Ressourcen begrenzt.

Wohnungsfrage ein ernstes Problem in Frankfurt

Gerade angesichts der steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften, müsse die Wohnungsfrage gelöst werden. Der Bedarf an Single- und Zwei-Personen-Haushalten wird in den kommenden 20 Jahren um 15 Prozent bzw. um sieben Prozent zunehmen, mit entsprechenden Auswirkungen auf das Mietniveau, das bereits deutlich über dem anderer Großstädte liege. Gleichzeitig wird der Anteil der Drei- und Mehr-Personen-Haushalte um bis zu 23 Prozent zurückgehen. Die Wohnungsfrage sei ein ernstes Problem für Frankfurt, so Wirtschaftsfachmann Straubhaar.

Auf Platz zwei hinter Frankfurt folgen München und Düsseldorf. Ostdeutschland hat aufgeholt. Verlierer sind Stuttgart, Mannheim und Bochum. Die 30 Städte produzieren zusammen ein Drittel aller Dienstleistungen und Güter in Deutschland. „Ihre Entwicklung ist“, so Lars Andersen, Leiter der Frankfurt-Niederlassung der Berenberg Bank, „der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.“

Beispielhafte Integrationspolitik

Das größte Pfund mit dem Frankfurt wuchert und mit dem auch andere Städte wuchern könnten, ist Internationalität. Der Bankenmetropole, wo 40 Prozent einen Migrationshintergrund haben, bescheinigte Straubhaar eine „beispielhafte“ Integrationspolitik. Qualitativ hohe Schulabschlüsse, wenige Abbrecher seien das Indiz hierfür.

In der Mainmetropole stieg - und dies verbessert die Entwicklungsprognose weiter - die Bevölkerungszahl zwischen 2003 und 2009 um 4,4 Prozent oder 19 000 Menschen. Die Hälfte davon sind Ausländer. Bis 2020 wird mit einem weiteren Zuwachs von 0,9 Prozent gerechnet. Frankfurt zähle hier zur Spitzengruppe. Auch das Umland kann mit Bevölkerungszuwachs rechnen. Die Zahl der Erwerbstätigen in Frankfurt stieg vom 2003 bis 2008 um 4,3 Prozent, bis 2020 wird mit weiteren 2,9 Prozent gerechnet. Die Produktivität nahm von 2003 bis 2008 um 8,7 Prozent zu.

Quelle: op-online.de

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