Größter Internetknoten der Welt

Datenflut landet in Frankfurt

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Über die Rechner der Firma DE-CIX Management GmbH werden enorme Datenmengen bewegt.

Frankfurt - Grüne Lämpchen blinken überall. Laut rauschen die Belüfter. Hunderte gelbe Kabel stecken in den Rechnern von der Größe eines Kühlschranks. 14 von ihnen betreibt die DE-CIX Management GmbH an fünf Standorten in Frankfurt - im Ostend und im Gallus. Von Marc Kuhn

Unscheinbar sehen sie aus. Kaum vorstellbar, dass die Rechner den größten Knoten für den Internet-Verkehr auf der Welt bilden. „Ein bisschen Platz haben wir noch, aber nicht mehr viel“, sagt Arnold Nipper - gemeint ist die Kapazität der Rechner.

Mittlerweile hat der Internet-Verkehr an dem weltgrößten Drehkreuz mit 2,2 Terabit pro Sekunde einen neuen Spitzenwert erreicht. „Die technische Infrastruktur des DE-DIX ist eine äußerst leistungsfähige und ausfallsichere Plattform und auf den maximalen Datendurchsatz von bis zu 40 Terabit pro Sekunde ausgelegt“, erklärt Nipper, technischer Leiter des Betreibers. Deshalb sieht sich das Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet. Schließlich ist kein Ende beim Wachstum des Datenverkehrs absehbar, wie Harald Summa, Geschäftsführer der DE-CIX Management GmbH, berichtet. Der sogenannte Traffic werde um etwa 80 Prozent im Jahr zunehmen.

Viele Wachstumstreiber

Treiber des Wachstums sind das HD-Fernsehen, Videos, Online-Spiele und die Cloud-Dienste. Im nächsten Jahr wird der Internet-Verkehr nach Einschätzung der beiden Manager drei Terabit pro Sekunde erreichen. Bereits jetzt werden über den Internetknoten in Frankfurt Daten mit einem Volumen von mehr als 12 Petabyte am Tag ausgetauscht. Mit dieser Menge ließen sich 2,7 Millionen DVD füllen.

Harald Summa

Nipper betont die Ausfallsicherheit der Rechner. Könne ein Versorger vorrübergehend keinen Strom liefern, stünden bei den Betreibern der Zentren, in denen DE-CIX seine Geräte untergebracht hat, Batterien und Dieselaggregate bereit. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gerät ausfällt, ist sehr, sehr gering“, sagt der Technikchef. Ohne DE-CIX läuft im Internet nicht nur in Deutschland so gut wie nichts. Es ist nach eigenen Angaben der wichtigste Knoten für den Internetverkehr in Zentral- und Osteuropa und stemmt laut Betreiberin den weltweit größten Datendurchsatz. Über den Knoten wickeln mehr als 480 Internet-Serviceprovider aus über 50 Ländern einen Großteil ihres Netzverkehrs ab. Zu ihnen würden Google, SAP, der Deutsche Wetterdienst in Offenbach und Vodafone gehören, erläutert Nipper. „Den deutschen Markt haben wir gut erschlossen“, fügt er hinzu. Wachstum gebe es im Ausland. DE-CIX hat 25 Mitarbeiter in Frankfurt und fünf in Köln. Dort sitzt auch der Verband der deutschen Internetwirtschaft Eco, dem die DE-CIX GmbH gehört.

Investitionen in Zukunft

Mit großen Investitionen will sie sich für die Zukunft aufstellen. Bisher seien die Kunden mit Zehn-Gigabit-Steckern an die Switches genannten Rechner des DE-CIX angeschlossen, sagt Technikchef Nipper. Künftig müsse aber eine Kapazität von rund 100 Gigabit erreicht werden. Für rund 20 Millionen Euro müssten in den nächsten vier Jahren neue Geräte angeschafft werden, erklärt Summa. „Wir brauchen Hardware, die sonst niemand braucht“, sagt Nipper über die Kapazität der Rechner. Deshalb würden sie in kleiner Stückzahl hergestellt und seien entsprechend teuer. Die Investition will das Unternehmen aus Eigenmittel bewerkstelligen. Ohnehin ist es nicht auf Banken angewiesen.

Arnold Nipper

Im vergangenen Jahr sei ein Umsatz in Höhe von 14 Millionen Euro erwirtschaftet worden, berichtet Summa. Der Überschuss habe 2,3 Millionen Euro betragen. Mittlerweile haben die Frankfurter auch Internet-Knoten in Hamburg, Düsseldorf und München aufgebaut. Über sie würden die Dienste von jeweils 30 bis 40 Kunden laufen, sagt Nipper. Im Oktober sei ein solcher Austauschpunkt für Daten in Dubai eröffnet worden. DE-CIX geht nach den Worten des Managers davon aus, dass sich der Mittlere Osten zu einer Datendrehscheibe entwickeln könnte. Schließlich würden dort rund 300 Millionen Menschen leben.

Quelle: op-online.de

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