„Theo“ lässt sich nicht wiederholen

Vicky Leandros zwischen Schlager, Chanson und Folklore

+
Es würde peinlich, wenn man auf zu jung macht, weiß die mittlerweile 63-Jährige.

Offenbach - Es ist das Grenzgebiet zwischen Schlager, Chanson und Folklore, in dem sich Vicky Leandros seit den sechziger und siebziger Jahren bewegt. Von Stefan Michalzik 

Die Grandprix-Siegerin von 1972 (für Luxemburg, mit dem Song „Après toi“) hat internationale Erfolge feiern können, ihr treuestes Publikum ist aber das deutsche. Im vergangenen Jahr beging sie ihr fünfzigstes Bühnenjubiläum, sie hat das Bundesverdienstkreuz für ihr soziales Engagement bekommen und sie hat ihr neues Album mit dem auf Sokrates zurückgehenden Titel „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ herausgebracht. Nun geht die 63-Jährige auf Tournee, am 10. Mai tritt sie in der Frankfurter Alten Oper auf.

Eine solche dauerhafte Karriere wie die Ihre, das heißt natürlich auch weitermachen und weitermachen. Können Sie immer noch mit Überzeugung sagen: Das letzte Album ist immer das beste?

Das sage ich gar nicht. Es ist das persönlichste.

Gibt es das noch: einen Aufbruch zu neuen künstlerischen Horizonten?

Tatsächlich mache ich das jetzt schon sehr lange, aber ich hatte ja zwischendrin eine zehnjährige Babypause. Dann hat es ein Album gegeben, das Xavier Naidoo mit mir produziert hat. Er hat wunderbare Musik und großartige Texte für mich geschrieben. Für das neue Album habe ich viele Texte und Melodien selbst geschrieben, deshalb ist es so persönlich geworden.

Wenn Sie mit der Arbeit an einem neuen Album beginnen, wie läuft der Prozess an? Was sind die Überlegungen?

Diesmal hat es sehr lange gedauert. Was möchte ich dem Publikum nach so vielen Jahren noch mitteilen: Das ist es, worum es geht. Die Themen müssen irgendwie kommen. Das braucht Zeit, das muss erst einmal reifen. Zwei Jahre lang habe ich mit meinem Team daran gearbeitet.

Zeitweilig sind Sie ja auch als Politikerin aktiv gewesen, daher die Frage: Wie schätzen Sie die Lage, die Aussichten Griechenlands heute ein?

Die Lage ist weiterhin ernst und schwierig. Es müssen weiter Reformen durchgezogen werden. Das ist ein Prozess, der lange braucht. Es ist ein menschliches Drama. Die Mittelschicht ist zusammengebrochen; Es gibt viele Familien, die hungern. Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Jahren bessert. Die Wirtschaft muss wieder in Gang kommen. Dafür braucht es spezielle Pläne, die zwischen der EU und Griechenland ausgehandelt werden müssen. Was über Jahrzehnte falsch gemacht worden ist, gleich von welcher Partei, das kann man nicht in zwei bis drei Jahren wieder gut machen.

Sie wirken immer diszipliniert. Muss man in Ihrem Beruf immer kontrolliert sein?

Nein, das muss man nicht. Das ist ja ein sehr leidenschaftlicher Beruf. Da können die Gefühle mit einem durchgehen. Bei fast jedem Konzert ist das so.

Gibt es etwas, was Sie musikalisch gern gemacht hätten?

Ich mache ja seit jeher nicht nur Schlager, sonst gäbe es mich gar nicht mehr. Früh schon habe ich Folklore gesungen und Songs von Bob Dylan und Elton John. Auf jeder meiner deutschsprachigen Langspielplatten hat es drei, vier „andere“ Titel gegeben. In meinen Konzertprogrammen finden sich Balladen und Chansons von Jacques Brel und Michel Legrand, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Mein Publikum erwartet das. Ich glaube, es gibt fast gar nichts mehr, was ich nicht gemacht habe.

Ihre heutigen Songs sind überwiegend von eher zurückhaltender, leiser Natur.

Nicht unbedingt. „Das Leben und ich“ von meinem neuen Album finde ich nicht leise. Aber klar, so etwas wie „Theo...“, das kann man nicht wiederholen. Die Zeit verändert sich und man selber auch.

Sehen Sie für eine Frau im Showgeschäft einen Zwang, für immer jung zu sein?

Nein. Das ist eine sehr jugendorientierte Branche, aber das Alter ist ja nun einmal nicht wegzufegen, dessen bin ich mir bewusst. Es freut mich natürlich, wenn die Leute sagen, dass ich so jung aussehe. Aber es würde peinlich werden, wenn man auf zu jung macht.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare