Keine Topstars beim Ironman-Jubiläum

Frankfurt - Die olympische Sportart Triathlon hat auf der Langdistanz mit dem Ironman Frankfurt sein Aushängeschild als Meeting der absoluten Weltklasse verloren. Die Kommerzialisierung schreitet fort. Die Topstars waren am Sonntag beim 10. Jubiläumsrennen nicht am Start.

Frankfurt ist stolz auf seinen Ironman. Als wichtigster Triathlon-Wettbewerb nach der Weltmeisterschaft auf Hawaii hat sich die Konkurrenz über die Langdistanz der Eisenmänner und -Frauen am Main etabliert. Doch nach dem 10. Jubiläum zeichnet sich eine schwierige Zukunft für den Traditionswettkampf rund um die Mainmetropole ab. Selbstverständlich war es bisher für die Elite der Ausdauersportler rund um den Globus, in Frankfurt zu starten.

Diesmal fehlten die großen Namen. „Es kann nicht sein, dass Andreas Raelert, Sebastian Kienle oder Timo Bracht nicht in Frankfurt zu sehen sind und ein Challenge-Rennen vorziehen. Das wäre ja so als wenn Kickers Offenbach an Eintracht Frankfurt vorbeizieht“, sagte Ironman-Gründer Kurt Denk in der Frankfurter Rundschau (Montag).

Frankfurter Titelverteidiger punktete in Roth

Die Kritik zielt auf das Konkurrenzrennen im fränkischen Roth. Der finanzstarke Denk hatte 2001 die Ironman-Lizenz den Bayern abgenommen, die inzwischen ihre Challenge-Serie auf dem schnellen Kurs vor den Toren Nürnbergs auf dem Wettkampfkalender fest positioniert haben. Dort stellte der Frankfurter Titelverteidiger Andreas Raelert vor 14 Tagen in 7:41:33 Stunden eine Weltbestleistung auf, die auch der Engländerin Chrissie Wellington (8:33:56) gelang.

Dass der am Sonntag Zweitplatzierte Jan Raphael (Hannover) anmerkte, nicht überall würden die Strecken im Gegensatz zu Frankfurt genau vermessen, freute die Veranstalter um Renndirektor Kai Walter, der als Nachfolger des inzwischen zurückgetretenen Denk das Zepter am Main übernommen hat. Das war nur einen Marginalie. Mehr nicht.

Doch zumindest in diesem Jahr hat Roth der Hessenmetropole die klar 1a-Stellung abgelaufen. Auch wenn in Faris Al-Sultan (München), der Hawaii-Sieger von 2005, das Rennen an einem verregneten und viel zu kalten Sonntag gewann und die Frauen-Siegerin Carolina Steffen (Schweiz) zu den Besten ihres Fachs gehört, fehlte es der Europameisterschaft an Hochkarätern.

Neben den deutschen Stars wie Timo Bracht war auch der auf die olympische Kurzstrecke gewechselte Chris McCormack (Australien) nicht mehr am Start. Andreas' Bruder Michael Raelert (Rostock) sollte das Zugpferd sein, doch er musste wegen einer Hüftverletzung passen.

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Al-Sultan siegt im vierten Anlauf

Das Fernbleiben vieler Asse wird als stiller Protest gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Ironman-Sports gewertet. Seit der US-Investor Providence die World Triathlon Corporation (WTC) vor drei Jahren übernahm, steht die Gewinnoptimierung im Vordergrund. „Klar geht es ums Geld verdienen“, sagte Walter, der nach Denk die veranstaltende Xdreams Sports&Events GmbH in Hanau-Steinheim führt und sich diesem Zwang stellen muss.

Die Stadt Frankfurt hält dem Ironman die Treue, der Vertrag wurde bis 2016 verlängert. Auch der Titelsponsor Frankfurter Sparkasse hat für 2012 und 2013 zugesagt. Der Zwei-Millionen-Euro-Etat ist jedoch damit nicht gedeckt. Walter ist gefordert, zur 11. Ironman-EM wieder ein erstklassiges Feld zusammenzustellen. Die ersten Kontakte will der in der Kritik stehende Renndirektor im Oktober bei der WM auf Hawaii knüpfen. Die Zukunft aber bestimmt die WTC und damit das Geld.

dpa

Quelle: op-online.de

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