Warum der Muezzin ruft

Islamunterricht soll an Schulen erweitert werden

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Lehrerin Funda Tekercibasi-Röbel erklärt in der Frankfurter Karmeliterschule Schülern der 1. Klasse die Gebetswaschung im bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht. Die hessische Landesregierung war mit der Einführung des Angebots deutschlandweit Vorreiter.

Offenbach - Das erste Halbjahr ist vorbei, seit das Land den im Vorlauf lange umstrittenen Islamunterricht an ausgewählten Grundschulen eingeführt hat. 17 Lehrer unterrichten derzeit 440 Kinder in Hessen. Von Fabian El Cheikh

Zeit für eine Halbzeitbilanz, und die fällt beim Staatlichen Schulamt für die Stadt und den Kreis Offenbach positiv aus. „Wir sind zuversichtlich, dass sich das Angebot verstetigt“, sagt Schulamtsleiter Dr. Peter Bieniußa auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Nachfrage ist nach wie vor groß.“

Zu den 27 ausgewählten Grundschulen, die als Modelleinrichtungen islamischen Bekenntnisunterricht für Erstklässler in Hessen anbieten, gehören gleich mehrere Schulen in der Region: in Dietzenbach die Aue- und die Sternthalerschule, in Neu-Isenburg die Wilhelm-Hauff-Schule sowie in Offenbach Humboldt- und Mathildenschule. Probleme wurden dort bislang keine vermeldet, allein an der Sternthalerschule musste der Islam-Lehrer zum Halbjahreswechsel ausgetauscht werden: „Das lag aber an Schwierigkeiten in der Didaktik“, sagt Bieniußa, „da es sich nicht um einen Grundschullehrer handelte. Das wussten wir vorher, aber wollten es erstmal mit ihm ausprobieren.“

Auswahl an geeigneten Lehrkräften

Allzu viel Auswahl an geeigneten Lehrkräften haben die hessischen Schulämter bislang nämlich nicht. Allein die Universität Gießen bietet eine einjährige Fortbildung für Lehrkräfte an. Ein erster Kurs an der Hochschule war vor gut einem Jahr angeboten worden. Nun beginnt die Weiterbildung für 17 weitere Lehrer, berichtete gestern eine Sprecherin des Kultusministeriums. Mit der steigenden Zahl an fachkundigen Lehrkräften will das Land das Angebot sukzessive erweitern. In den kommenden Schuljahren soll der Unterricht auf die Klassen 2, 3 und 4 sowie später auf weiterführende Schulen ausgeweitet werden. „Es war von Anfang geplant, dass wir das Fach Stück für Stück aufbauen“, sagt Nurgül Altunta¸s vom Referat Schulfachliche Religionsangelegenheiten des Kultusministeriums. „Qualität geht uns vor Quantität.“

Ähnlich wie das Offenbacher Schulamt zeigt sich das Kultusministerium nach den Erfahrungen der ersten Monate zufrieden und berichtet von durchweg positiven Rückmeldungen aus den Schulgemeinden. Auch der Landesausländerbeirat lobt die Einführung des islamischen Religionsunterrichts ausdrücklich. Bedauerlich findet Geschäftsführerin Ulrike Foraci nur, „dass zunächst nur eine relativ kleine Gruppe von Kindern in den Genuss kommt.“ Das aber solle sich ja künftig ändern.

Und wie sehen die beteiligten Lehrer das neue Angebot? Funda Tekercibasi-Röbel sitzt im Kreis mit ihren elf Schülern an der Frankfurter Karmeliterschule zusammen: „Woran denkt ihr, wenn ihr das hört?“, fragt sie die Kinder. Ein Muezzin ruft durchs Klassenzimmer. Sein Gebetsruf kommt aus dem Smartphone der Lehrerin. Ein Mädchen antwortet vorsichtig: „Koran?“ Ein Junge weiß es etwas besser: „Das ist, wenn man anfängt zu beten.“ Genau, ums Gebet geht es in dieser Islamstunde an der Grundschule.

Das Wissen der Kinder über den Islam sei sehr unterschiedlich, sagt die Pädagogin. Umso nötiger sei das neue staatliche Angebot. Eigentlich hatte sie mit Schwierigkeiten gerechnet. „Etwa, das ich als ,moderne Lehrerin’ nicht den Vorstellungen der Eltern entspreche“, erzählt die 31-Jährige. „Aber die Eltern sind alle zufrieden, freuen sich sogar, dass so eine moderne Lehrerin ihre Kinder unterrichtet.“

Quelle: op-online.de

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