Vollbesetzte Jahrhunderthalle in Frankfurt

Jackson Browne: Bravouröser Westcoast-Sound

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Der US-amerikanische Rockmusiker Jackson Browne in der Jahrhunderthalle Frankfurt.

Frankfurt - „And it’s good to see your smiling face tonight“, singt Jackson Browne in seinem Über-Lied „Fountain Of Sorrow“. Von Christian Riethmüller 

Wenn die amerikanische Songwriter-Legende am Sonntagabend beim Blick von der Bühne der vollbesetzten Jahrhunderthalle herab ins Publikum etwas erkennen konnte, müsste sie innerlich jubiliert haben. Strahlte doch eine vieltausendköpfige Herde von Honigkuchenpferden Browne an, verzaubert im bravourösen Westcoast-Sound schwelgend, den der 66-jährige Sänger und seine sechsköpfige Band um die Saiten-Asse Shane Fontayne und Greg Leisz fast drei Stunden lang in Vollendung boten.

Dabei musste Browne noch gar nicht einmal die „Greatest Hits“-Klaviatur spielen. Mit „Standing In The Breach“ hat er ja erst kürzlich ein neues Album vorgelegt, dass mit süffigen Melodien wie zu seinen glorreichen Tagen in den siebziger Jahren glänzt und den meisterlichen Texteschmied engagiert wie eh und je zeigt. „The Long Way Around“ etwa, als drittes Lied im Konzert gespielt, ist gewiss einer der eindringlichsten Songs gegen die allgemeine Apathie, der in letzter Zeit zu hören war.

Er fügte sich so stimmig ins Programm wie auch die übrigen fünf neuen Stücke, die im Fall von „Yeah Yeah“ sogar ausdrücklich von den Zuhörern gewünscht wurden. Trotzdem war das Entzücken im Publikum immer dann am größten, wenn der alterslos wirkende und noch immer betörend singende Browne Klassiker anstimmte wie das einst für Nico geschriebene „These Days“, „Doctor My Eyes“ oder die Hymne für alle Reisen auf den Straßen dieser Welt, „Running On Empty“.

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Die vorzügliche Band mit Cracks wie Bassist Bob Glaub, Schlagzeuger Mauricio Lewak und Organist Jeff Young wob Browne dazu ein luftig-leichte Folkrock-Gewand, das Gitarrist Shane Fontayne und vor allem der superbe Steeler Greg Leisz mit ihren Soli immer wieder zum Flattern brachten.

Das letzte Drittel des Konzerts, das der einst in Heidelberg zur Welt gekommene Jackson Browne seinem in Frankfurt geborenen Bruder Severin widmete, geriet dann nachgerade zur „Wünsch Dir was“-Runde, selbst wenn der Sänger und seine Band wohl nur ihre Setlist variierten. Aber „Boulevard“, „Somebody’s Baby“ und „The Pretender“ hintereinander bekommt man sonst nur auf seiner eigenen Playlist geboten, ganz zu schweigen von den begeistert gefeierten Zugaben „Take It easy“ und „Our Lady Of The Well“ , bevor es Zeit für den „Load-Out“ und den leider nie erfüllten Wunsch „Stay“ war. Doch was blieb, waren die glücklich lächelnden Gesichter vieler Menschen.

Quelle: op-online.de

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