Jagdzeit mit Frettchen Hanni

Frankfurt - Zack, das Kaninchen sitzt fest. Die Flucht aus dem Bau führte direkt in eine schmale Drahtröhre - Entkommen unmöglich. Axel Seidemann öffnet den Deckel, packt das Kaninchen und steckt es erstmal in einen Sack. Dort verhält sich das Tier völlig ruhig.

Kaum ein Passant nimmt an diesem regnerischen und stürmischen Februartag Notiz von dem Geschehen in den Grünanlagen vor der Europäischen Zentralbank mitten in Frankfurt. Regelmäßig beauftragt die Stadt Jäger damit, die Zahl der Kaninchen in Parks und Grünanlagen zu reduzieren. Schüsse fallen dabei nicht.

Die possierlichen Kaninchen sind nicht so harmlos, wie sie aussehen. Sie fressen alles, was grün ist - Rasen ebenso wie frische Triebe von Rosen, Stauden und Sträuchern. Auch Rinde knabbern sie gern, das kann auch stattliche Bäume umbringen. Schlimmer noch sind die weitläufigen Bausysteme im Untergrund, die sogar die Standfestigkeit von Parkbäumen in Gefahr bringen. Eine Linde in den Anlagen zwischen den Bankentürmen sei bereits so wacklig, dass sie möglicherweise gefällt werden müsse, sagt Bernd Roser vom Frankfurter Grünflächenamt. Ihre sprichwörtliche Vermehrungsfreude lässt die Zahl der Kaninchen stetig steigen - Hunderte, wenn nicht Tausende tummeln sich in den Parks oder auf Friedhöfen. Selbst kleine Flächen haben sie mit Beschlag belegt.

Jäger schicken Frettchen in die Kaninchenbaue

Geschossen wird bei der Kaninchenjagd mitten in der Innenstadt zwischen den Hochhäusern nicht. Die Jäger schicken Frettchen in die Kaninchenbaue. Die schlanken, wieselähnlichen Raubtiere, haben einen natürlichen Jagdtrieb. Ihre Aufgabe ist es, die Kaninchen aufzuschrecken und zur Flucht aus dem Bau zu treiben. Frettchen stammen vom Iltis ab und werden traditionell auf der Jagd eingesetzt. Sie sind zahm und lassen sich leicht wieder mit der Hand einfangen, wenn der Bau leer ist und sie wieder herauskommen.

Schmusetiere seien seine beiden Frettchen aber nicht, sagt Jäger Seidemann. Sie seien auch nicht zur Jagd abgerichtet, sondern folgten ihrem natürlichen Jagdtrieb. Gewöhnlich tun sie den flinken Kaninchen nichts, denn sie sind wohlgenährt und werden nicht hungrig in die Röhren geschickt. „Meine haben noch nie ein Kaninchen getötet“, sagt Seidemann.

Im vergangenen Jahr, als die Stadt die Jagd auf die Tiere eröffnete, wurden 430 Kaninchen in den Frankfurter Grünanlagen gefangen. In ganz Hessen erlegten die Jäger nach Angaben des Jagdverbandes in der vergangenen Saison 15 200. „Uns stören ein paar Kaninchen nicht“, betont Roser. Wenn ihre Zahl allerdings überhand nehme und die Schäden ein erträgliches Maß überstiegen, müsse die Stadt eingreifen, schon wegen der Sicherheit auf Wegen und Rasenflächen. Die erbeuteten Kaninchen werden später geschlachtet und wandern in den Kochtopf.

Quelle: op-online.de

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