Jakob von Metzler wäre heute 21 Jahre

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Friedrich und Sylvia von Metzler folgen am 11. Oktober 2002 auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt dem Sarg ihres Sohnes zur Grabstätte.

Frankfurt - Der Entführer und Mörder des kleinen Jakob von Metzler verlangte in seinem Schlusswort vor dem Frankfurter Landgericht eine Strafe mit Perspektive, „die mich hart anfasst, aber nicht vernichtet“. Von Ira Schaible

Wenige Tage später wurde Magnus Gäfgen zur Höchststrafe verurteilt: lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld. Das war im Jahre 2003. Der 28-Jährige habe den Tod des Elfjährigen gewollt, urteilte der Vorsitzende Richter über das kaltblütige Verbrechen an dem Bankierssohn, das jetzt zehn Jahre zurück liegt. Gäfgen beschäftigt seitdem die Gerichte. Internationale Resonanz fand der Fall, weil die Polizei dem Mörder im Verhör Folter androhte, um das Leben des Kindes zu retten.

Vize-Polizeipräsident Wolfgang Daschner hatte selbst in einem Aktenvermerk auf diese „schwerste Entscheidung im Leben“ aufmerksam gemacht und sich darauf berufen, der Polizei sei „unmittelbarer Zwang“ als letztes Mittel erlaubt. Politiker zeigten Verständnis, ein Teil der Bevölkerung feierte ihn sogar als Helden, und es entbrannte eine breite Diskussion. Daschner wurde später wegen Nötigung verurteilt, eine Geldstrafe nur angedroht.

Abschiedsgrüße an Jakob.

Am letzten Schultag vor den Herbstferien 2002, dem 27. September, hatte Gäfgen den ihm flüchtig bekannten Jakob auf dem Heimweg abgepasst und in seine nah gelegene Wohnung gelockt. Dort erstickte der verschuldete Jura-Student den Jungen mit Klebeband. Mit der Leiche im Kofferraum fuhr er zur benachbarten Villa der Bankiersfamilie und warf einen Erpresserbrief mit der Lösegeldforderung von einer Million Euro ab. Bei der nächtlichen Geldübergabe an einer Bushaltestelle beobachtete die Polizei den Täter und nahm ihn - nachdem er keine Anstalten machte die Geisel zu versorgen oder frei zu lassen - noch am selben Tag fest.

Gäfgen nannte im Verhör zunächst zwei frühere Bekannte als angebliche Komplizen und ein falsches Geiselversteck. Weil die Zeit drängte, ließ ihm Daschner schließlich Schmerzen androhen. Bald darauf nannte Gäfgen das wahre Versteck des längst toten Jungen an einem kleinen See bei Schlüchtern in Osthessen.

Die Würde, mit der die angesehene Bankiersfamilie von Metzler das ihr zugefügte und immer wieder aufgewühlte Leid erträgt, verfolgen viele mit Demut und Bewunderung. „Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Mann unsere Familie kaputt macht“, soll Sylvia von Metzler gesagt haben, wie ein Freund der Familie berichtet. Die alteingesessene Privatbankiersfamilie gehört zu den großen Mäzenen in Frankfurt.

Minderwertigkeitskomplexe und die Gier nach Luxus seiner elf Jahre jüngeren Freundin nannte der renommierte Essener Psychiater Norbert Leygraf in dem Strafverfahren 2003 als Motive Gäfgens. Der hochintelligente Mann habe nach dem Prinzip „Mehr „Schein als Sein“ gelebt, um sein schwaches Selbstwertgefühl zu verdecken. Der Vorsitzende Richter formulierte es in seiner Urteilsbegründung so: „Dem Angeklagten ging es darum, das luxuriöse Leben mit reichen Freunden und ‘der Liebe seines Lebens’ weiterleben zu können. Dafür musste ein Kind sterben.“

Erst vor wenigen Monaten wies das Oberlandesgericht (OLG) die Wiederaufnahme dieses Strafverfahrens in zweiter Instanz rechtskräftig zurück. In seinem Antrag hatte sich Gäfgen auf den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) berufen, der 2010 festgestellt hatte, dass ihm während des Verhörs Folter angedroht worden war. Frühere Versuche, die Mordtat juristisch wieder aufzurollen, waren ebenfalls gescheitert. Einen Erfolg erzielte der inzwischen 37-Jährige in einem zivilrechtlichen Schadenersatzprozess vor dem Landgericht: Danach muss das Land dem verurteilten Kindsmörder wegen der vom EGMR festgestellten Verletzung der Menschenwürde 3000 Euro plus Zinsen Entschädigung zahlen. Dagegen hat das Land Hessen Berufung eingelegt - am 10. Oktober wird darüber vor dem OLG verhandelt.

Jakobs Familie sagt bis heute öffentlich zu alledem nichts und blieb auch den Gerichtssälen fern. Die Verfilmung der schrecklichen Ereignisse als Spielfilm für das ZDF („Der Fall Jakob von Metzler“, Montag, 20.15 Uhr, ZDF) war ihr allerdings ein persönliches Anliegen. Dabei geht es der Familie dem Vernehmen nach nicht um ihre Darstellung, sondern darum zu zeigen, wie sehr sich die Polizei eingesetzt hat. Das Urteil gegen Daschner belastete Friedrich von Metzler schwer - und steht daher nicht zufällig am Ende des Films.

dpa

Quelle: op-online.de

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