König des leichten Pop

„Käpt’n James“ bittet zum Tanz in der Festhalle

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Natürlich fällt ihm das alles nicht mehr so leicht, aber mitreißen kann er noch immer: Pop-Legende James Last.

Frankfurt - Bandleader-Legende James Last hatte mal wieder das Glitzerjackett angelegt und gab in der gut besuchten Festhalle ein umjubeltes Abschiedskonzert. Von Peter Müller 

Dabei verkörperte der Titel der Tour „Nonstop Music“ Lebensmotto, Programm und für alle Fans auch ein bisschen die Hoffnung, dass der Grandseigneur des Bigband-Sounds seinen Abgang ins Rentner-Dasein womöglich ein weiteres Mal verschieben möge. Zutrauen könnte man es dem bald 86-jährigen Urgestein.

Natürlich fällt ihm das alles nicht mehr so leicht. Der Gang auf die Bühne scheint schon eine delikate Aufgabe, er bewegt sich vorsichtig, fast unsicher. Und selbst das berühmte Fingerschnippen wird in den nächsten zweieinhalb Stunden eher ökonomisch eingesetzt. James Last hat im vergangenen Herbst noch auf der Intensivstation gelegen und 15 Kilo Gewicht eingebüßt: Nach einer Not-OP an Darm und Prostata ist er dem Tod von der Schippe gesprungen - eine Erfahrung, die ihn allem Tatendrang zum Trotz bewogen hat, nun „Auf Wiederseh´n“ zu sagen. Endgültig. Aber kauzig-zweideutig lächelnd.

Seinen langen Bühnen-Abschied, der am 26. April in der Kölner Lanxess Arena das vermeintlich finale Kapitel schreiben wird, darf man zunächst also getrost als Geschenk an die treue Fan-Gemeinde und sich selbst lesen: Last, der mir Ausnahme seiner Royal-Albert-Hall-Auftritte nie eine Zugabe gibt, legt noch mal nach - mit „Easy Listening“-Sound, „Geschichten aus dem Wiener Wald“, dem „Säbeltanz“, Pop-Hits wie „Happy“ (Pharell Williams) oder Akkordeon-Schunkelnummern der Marke „Bisycaya“, das schon 1981 in allen Party-Kellern der Republik zu genießen war. Wie fast immer seit 50 Jahren an Bord, wenn „Käpt´n James“ zum Tanz bittet: Ein souveränes Orchester mit alten Weggefährten. James Last hält sich mit Understatement im Hintergrund: Rund 100 Millionen verkaufte Alben, 200 goldene Schallplatten, 17- mal Platin - er muss nichts mehr beweisen. Und seine Hauptarbeit - Komponieren, Neu-arrangieren - ist getan, wenn das Konzert beginnt.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Nein, er genießt die Momente, wenn er zum Strauss-Walzer oder zur „Wien bleibt Wien“-Polka das Publikum aus den Sesseln bittet und am Bühnenrand zum öffentlichen Small-Talk ansetzt Mit James Last geht, wenn es tatsächlich sein Finale gewesen sollte, ein ganz Großer der populären Musik. Wenn man so will hat er ein Pop-Esperanto kreiert, eine Universalsprache, die jeder versteht. Und ganz gleich wie klein dieser gemeinsame musikalische Nenner zuweilen sein mag, niemand anderes schafft es, binnen 100 Konzertminuten Katy Perry („Roar“), Bach, Aram Chatschaturjan, Dizzy Gillespies „Night in Tunisia“ und den „Einsamen Hirten“ (von Tarantino für den Kinohit „Kill Bill“ ausgeliehen) auf eine Bühne zu stellen. Das tut er auch in Frankfurt auf ureigene, unnachahmliche Art. Und selbstverständlich nicht ohne nach dem „Party Rock“-Kehraus doch noch mal ein Wiederkommen anzukündigen - augenzwinkernd.

Quelle: op-online.de

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