Zu Impfung wird geraten

Nur jede 100. Zecke trägt FSME-Virus

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Ein Stich schützt gegen FSME, aber nicht gegen Borreliose.

Frankfurt - Meist heilt die Frühsommer-Meningoenzephalitis folgenlos aus. Bei schwereren Verläufen sind Gehirn (Enzephalitis) und auch Rückenmark (Myelitis) betroffen.

Symptome sind Koordinationsstörungen, Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Bewusstseinsstörungen und epileptische Anfälle. Die Sterblichkeit beträgt zirka ein Prozent. Die Verläufe bei Kindern sind meist etwas milder. Bei älteren Menschen kommt es häufiger zu den schweren Krankheitsbildern mit zum Teil bleibenden Lähmungserscheinungen. „Wenn die Erkrankung ausgebrochen ist, können nur noch die Symptome behandelt werden, nicht aber die Ursache, da es gegen die Viren keine Therapie gibt“, erklärt Professorin Uta Meyding-Lamadé, Chefärztin der neurologischen Klinik am Frankfurter Krankenhaus Nordwest.

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Daher ist es ihr und Thorsten Lenhard, Leiter der Arbeitsgruppe Neuroinfektiologie an der Neurologischen Klinik der Universität Heidelberg, ein Anliegen, mit dem Deutschen Grünen Kreuz (DGK) über mögliche Gefahren durch Zeckenbisse und Schutzmaßnahmen aufzuklären. Keinesfalls gehe es darum, die Leute davon abzuhalten, sich in der freien Natur und im Wald zu bewegen, betont Sigrid Ley-Köllstadt, Leiterin Medizin und Wissenschaft beim in Marburg ansässigen DGK. Aber es gebe einfach einige Verhaltensregeln und vorbeugende Maßnahmen, die einen schützen. Neben der FSME können Zecken auch Borreliose-Bakterien übertragen. Während die FSME-Risikogebiete bislang in Süd- und Mitteldeutschland liegen, ist ganz Deutschland mit dem Borreliose-Erreger durchseucht. Hierzulande trägt etwa jede fünfte Zecke Borrelien.

Borreliose oft erst spät erkannt

Eine Borreliose kann bei frühzeitiger Diagnose mit Antibiotika behandelt werden. Eine Impfung gibt es nicht. Oft wird eine Borreliose aber spät erkannt, da erste Anzeichen erst lange nach dem Biss auftreten. Zu beobachten sind Lähmungen der Hirnnerven und eine schmerzhafte Entzündung der Nervenwurzeln des Rückenmarks. Auch können Gelenkbeschwerden und Herzrhythmusstörungen auftreten. Die Borreliose kann schubförmig ähnlich einer MS, eines Schlaganfalls oder einer chronischen Polyneuropathie verlaufen.

Meyding-Lamadé warnt davor, sich bei Vorsichtsmaßnahmen an den Landkreisen zu orientieren. „Die Zecke hält sich nicht an Landkreise.“ Der beste Schutz vor der FSME sei die Impfung. Wer in den Endemiegebieten beruflich viel draußen arbeitet oder sich in seiner Freizeit gerne in der Natur aufhält, sollte sich laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission impfen lassen. Professorin Meyding-Lamadé betont nachdrücklich: „FSME müsste nicht mehr vorkommen.“

Für sie ist die Zecke eine „Erfolgsgeschichte der Evolution“. Seit Jahrmillionen ist diese Milbe, die zur großen Gruppe der Spinnentiere gehört, in ihrem Aufbau nahezu unverändert. Weltweit existieren mehr als 800 Zeckenarten.

Hierzulande ist es meist der „Gemeine Holzbock“, der die FSME-Viren oder Borrelien-Bakterien überträgt. Der Gemeine Holzbock lebt gerne in Sträuchern, Büschen, Gräsern, Unterholz, Wäldern, Wiesen, Parks und Gärten – überall dort, wo seine Wirte sind. Dazu zählen Nagetiere, Vögel, Igel, Rotwild und mittlerweile auch der Mensch und seine Haustiere.

Risikogebiete breiten sich aus

Die von der FSME betroffenen Risikogebiete breiten sich immer weiter aus. In 2012 sind bundesweit drei neue Landkreise hinzugekommen. Die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich liegt bei 1:150. Jährlich sind in Deutschland zwischen 200 und 450 Menschen betroffen.

Im vergangenen Jahr wurden 195 Krankheitsfälle gemeldet. Wodurch es zu den Schwankungen der Erkrankungszahlen kommt, ist nicht eindeutig geklärt, so Thorsten Lenhard. Bis 2006 nahm die Zahl der Erkrankten stetig zu. Seit 2007 kommt es zu einem Rückgang der Fälle. Als mögliche Faktoren werden klimatische Bedingungen und die Impfrate diskutiert. In den südhessischen Landkreisen sind bislang nur zwischen 28 und 33,2 Prozent der Einwohner gegen FSME geimpft, so der Heidelberger Neurologe.

Zecken: Die häufigsten Irrtümer

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Um herauszufinden, wie hoch die Durchseuchung der Zecken mit dem FSME-Virus ist, hat Lenhard im Sommer 2012 das Projekt „Rasterfahndung“ initiiert. Die Zecken wurden nach einem statistisch vordefinierten flächendeckenden Raster in den hessischen und baden-württembergischen Kreisen des Odenwaldes gesammelt, indem in den vorgegebenen Planquadraten Flanelltücher auf dem Waldboden ausgebreitet wurden, an denen die Tiere hängenblieben. Nach der Analyse tragen 1,1 Prozent der Zecken im Odenwald den FSME-Virus. „Deutlich weniger als wir angenommen haben“, konstatierte der Leiter der Arbeitsgruppe.

Dieser Wert sei aber trotzdem kein Grund zur Entwarnung. Denn die Folgen einer Hirnhautentzündung oder einer Borreliose können für die Betroffenen lebenslang spürbar sein.

son

Quelle: op-online.de

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