Aufklärungsquote bis 80 Prozent

Jeder dritte Unfallfahrer begeht Fahrerflucht

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Knapp 40.000 Mal pro Jahr flüchtet in Hessen ein Autofahrer nach einem Unfall. Die Chance, erwischt zu werden, ist umso größer, je gravierender der Unfall war.

Frankfurt - Fünf Männer sterben bei einem Autounfall im Taunus, und der Verursacher fährt einfach weiter. Von Joachim Baier

Schließlich wird er ermittelt und im vergangenen Oktober vom Amtsgericht Wiesbaden wegen fahrlässiger Tötung und Unfallflucht zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Kein Einzelfall, wenn auch ein besonders folgenschweres Beispiel, wie die Polizeistatistik zeigt: Bei fast jedem dritten registrierten Verkehrsunfall drücken die Verursacher aufs Gas statt anzuhalten. Pro Jahr kommt das in Hessen knapp 40.000 Mal vor, eine ähnliche Zahl wird auch für 2015 erwartet. In rund 95 Prozent der Fälle bleibt es bei Blechschäden. Die Aufklärungsquote schwankt um die 40 Prozent, steigt aber mit der Schwere der Unfälle. Sind Menschen getötet worden, erreicht sie bis zu 80 Prozent. Was geht in den Tätern vor? Der Frankfurter Verkehrssoziologe Alfred Fuhr spricht von einer normalen Fluchtreaktion. „Der Schuldige will es nicht wahrhaben, er will es nicht sehen.“ Er sei auch geschockt. „Einen Verkehrsunfall erleidet man.“

Auch Alkohol, Drogen und zu schnelles Fahren können eine Rolle spielen. „Dann kommt das schlechte Gewissen“, sagt Fuhr. Wie kann eine Fahrerflucht am besten verhindert werden? „Durch soziale Kontrolle“, meint der Verkehrssoziologe. Wenn ein Mitfahrer oder ein anderer am Unfallort eingreift. In Frankfurt registriert die Polizei in Sachen Fahrerflucht einen leicht steigenden Trend, meistens sind dabei Blechschäden zu beklagen. „Der Großteil sind Rempler“, sagt der Sprecher der Frankfurter Polizei, Alexander Kießling. In Frankfurt gab es 2014 fast 6 900 Unfälle mit Fahrerflucht, das waren 36 Prozent aller Unfälle. „Mit 42 Prozent haben wir eine relativ hohe Aufklärungsquote“, sagt Kießling.

Das droht Verkehrssündern bei einer Unfallflucht

Manchmal wird aus einer Fahrerflucht auch so etwas wie ein Krimi. Wie im Dezember 2014. Die Polizei fahndet nach einem Autofahrer, der auf der A5 einen Arbeiter totfuhr und Richtung Frankfurt flüchtete. Wichtige Details: Bei dem schwarzen Daimler-Benz der C-Klasse war vorn rechts der Scheinwerfer beschädigt, der rechte Außenspiegel fehlte. Noch am selben Tag entdeckte ein aufmerksamer Bürger das Auto in Frankfurt – ohne Fahrer. Dieser stellte sich am Tag darauf der Polizei. Beschädigungen am Täterfahrzeug erleichtern die Ermittlungen. Wenn etwa ein Teil des kaputten Scheinwerfers am Unfallort entdeckt und damit das Auto ermittelt wird – und das Stück dann exakt zu dem Scheinwerfer passt. „Das ist wie ein Fingerabdruck“, sagt Ferdinand Derigs, Sprecher des Polizeipräsidiums Darmstadt. Das gilt auch für den Fall, wenn der Verursacher sein Auto mit aufgeblasenem Airbag zurücklässt: Denn darauf befinden sich die DNA-Spuren vom Fahrer.

Werden Unfallflüchtige erwischt, reagieren sie ganz unterschiedlich, vom Abstreiten bis zur Erleichterung. Die meisten versuchen, sich herauszureden und geben vor, sie hätten nichts gemerkt, wie die Polizei berichtet. Es gebe so viele Reaktionen, wie es Menschen gebe. 

dpa

Quelle: op-online.de

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