Auf jedes Ereignis vorbereitet

Frankfurt ‐ Die Schweinegrippe greift um sich, Kindergärten schließen, die öffentlichen Verkehrsmittel stellen ihren Betrieb ein und fast die Hälfte der Belegschaft meldet sich krank – ein Szenario, vor dem sich Geschäftsführer fürchten. Denn auch in Krisenzeiten muss der Betrieb weiterlaufen. Von Thomas Holzamer

Wohl dem Unternehmen, das in einem solchen Fall über das richtige Krisenmanagement verfügt, weiß Wolfhard Hofmann, Frankfurter Polizeipräsident a. D. und Vorsitzender des Arbeitskreises Sicherheit der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK).

Während große Unternehmen häufig über eigene Abteilungen im Bereich Sicherheits- und Krisenmanagement verfügten, sei das bei mittelständischen Firmen meist kein Thema, erläuterte Thomas Edelbergmeier, Geschäftsführer von Corporate Trust Business & Crisis Management, anlässlich des 8. Frankfurter Sicherheitstages der IHK. „Für die Sicherheit bei Mittelständlern ist meist der Geschäftsführer zuständig“, weiß der Experte. Dem fehle jedoch in der Regel das nötige Know-how, was jedoch erst in Krisenzeiten zum Problem werde.

Nur 17 Prozent der Unternehmen hat Krisenplan

Dabei seien gerade die Risiken, die den mittelständischen Unternehmen drohen, vielfältig. Angefangen bei der Gefährdung von Mitarbeitern, die im Ausland für das Unternehmen tätig sind, über Industriespionage, Erpressung und Unterschlagung bis hin zum Verlust von Produktionsstätten durch Katastrophen. „Derzeit haben nur 17 Prozent der Unternehmen einen Krisenplan“, sagte Edelbergmeier. Lediglich in den Bereichen Brandschutz und Arbeitssicherheit, die gesetzlich vorgeschrieben seien, verfüge ein Großteil der Firmen über einen verantwortlichen Mitarbeiter.

Vor allem im Bereich von Industriespionage drohten nicht selten Verluste in Millionenhöhe. Dabei seien es nicht immer die bösen Chinesen. „In 80 Prozent der Fälle von Datenklau sitzt der Täter hinter der Firewall“, erläuterte der Experte. Häufig handele es sich dabei um unzufriedene Mitarbeiter oder solche mit finanziellen Problemen. Der effektivste Weg, die Loyalität der Mitarbeiter zu erhöhen, sei es, eine dementsprechende Kultur innerhalb des Unternehmens aufzubauen. Der Vorteil: Gleichzeitig stiegen auch Motivation und Produktivität.

Experte empfiehlt regelmäßige Kontrollen

Probleme bringen gerade zu Zeiten der Wirtschaftskrise auch Betrug und Bestechung mit sich. So sollten Unternehmen gerade bei schlechter Auftragslage bei der Zahlung von Erfolgsboni für gewonnene Aufträge Vorsicht walten lassen, warnte Stefan Heißner von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Die Boni sorgten für einen gewissen Erfolgszwang bei den Mitarbeitern und begünstigten somit die Bestechung. Zudem empfahl er den Betrieben, regelmäßig entsprechende Kontrollen durchzuführen, die auch die Zulieferer einbeziehen sollten. Dabei böten auch die regelmäßigen Kontrollen Synergieeffekte für das Unternehmen, da sie gleichzeitig der Verbesserung von Prozessen dienten.

Doch nicht nur die unternehmensinternen Abläufe sollten im Krisenfall beachtet werden. Wichtig sei zudem die Vertretung nach außen, weiß der Journalist und Unternehmensberater für Krisenmanagement Peter Höbel. „Krisenkommunikation ist Chefsache“, sagt er. Doch gelte es dabei einige Regeln zu beachten. „In letzter Zeit sind doch viele gut dotierte Stellen freigeworden, allerdings nicht immer wegen schlechter Arbeit.“ So habe beispielsweise die Äußerung von Vattenfall, beim Trafo-Brand im Atomkraftwerk Krümmel habe es sich um ein „Nullereignis“ gehandelt, angesichts der starken Rauchentwicklung bei dem Unfall für die Öffentlichkeit wie blanker Hohn geklungen, auch wenn der Begriff fachlich gesehen zutreffend gewesen sei.

„Reden Sie, bevor über Sie geredet wird.“

Es sei dem Unternehmen jedoch nicht gelungen, Facheinschätzung und die Wahrnehmung der Bürger richtig zu verknüpfen. Falsch sei auch das Abblocken nach außen. „Wenn mal etwas passiert, hat jeder was zu sagen“, so der Kommunikationsexperte. Sein Tipp an die Firmenchefs: „Reden Sie, bevor über Sie geredet wird.

Einig waren sich die Experten darin, dass eine rechtzeitige Vorbereitung in der Krise alles ist. „Wichtig ist, bereits im Vorfeld zu überlegen, welchen Risiken mein Unternehmen ausgesetzt sein könnte“, erläuterte Franz Schmidt, Leiter des Bereichs Risk Management Beratung der R+V Versicherung. Im Idealfall müsse man dann nur den Ordner aus dem Regal holen und das entsprechende Szenario aufschlagen, um zu wissen, was zu tun sei. „Die Frage ist nämlich nicht, ob ein Ereignis eintritt, sondern wann.

Quelle: op-online.de

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