Suchtkranke in Hessen

Jedes sechste Kind hat süchtige Eltern

Frankfurt - Etwa jedes sechste Kind in Hessen hat mindestens einen suchtkranken Elternteil. Das sind etwa 200.000 Mädchen und Jungen, wie Fachleute schätzen. Alkohol ist dabei nach wie vor die Droge Nummer eins. Mütter und Väter sind etwa gleich häufig betroffen.

Ungefähr jedes dritte Kind aus einer solchen Familie wird später selbst alkohol-, drogen- oder medikamentenabhängig. Ein anders Drittel zeigt psychische oder soziale Störungen wie Ängste, Depressionen und Schuldgefühle.

Angesichts dieser Zahlen bezeichnete Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) eine verlässliche Struktur von Hilfesystemen für Familien, Kinder und Jugendliche als wichtig. Grüttner nahm gestern in Frankfurt an einer Fachtagung zum Thema „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ teil. Organisiert worden war die Veranstaltung von der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen und der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS).

Eltern wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen

Die Leiterin der TK in Hessen, Barbara Voß, betonte: „Erwachsene, die vermuten, dass Eltern eines Kindes Suchtprobleme haben, wissen oft selbst nicht, wie sie sich verhalten sollen und schauen eher weg.“ Daher seien frühzeitige, kompetente und gut vernetzte Hilfsangebote die einzige Chance, diesen Kindern zu einem kindgerechten Leben zu verhelfen.

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Etwas für sich allein haben

In der Arbeit mit Kindern aus Suchtfamilien werden unter anderem psychische Widerstandsfaktoren gestärkt. Dazu gehören Humor, tragfähige Beziehungen, soziale Netzwerke, Kreativität, Unabhängigkeit, Kraft und Ausdauer in Stresssituationen sowie das Wissen über die Situation. Die tiergestützte Förderung war ein Schwerpunkt der Tagung. Vorgestellt wurde das Projekt „Tierisch stark“ des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe für den Hochtaunuskreis. Ein Ziel des Projektes sei es, die Kinder zum Sprechen zu bringen und sie ihre Gefühle ausdrücken zu lassen, teilten TK und HLS mit.

Kinder müssen Verantwortung abgeben dürfen

„Ein anderer Aspekt ist, dass die Kinder Verantwortung abgeben dürfen - sich fallen lassen können, um Kind zu sein.“ Denn: Die Jungen und Mädchen aus Suchtfamilien lebten in ständiger Vorsicht, „weil es ungewiss ist, wie sich die medikamentenabhängige Mutter oder der alkoholkranke Vater im nächsten Moment verhalten“, stellen TK und HLS fest. „Eine Kindheit, die geprägt ist vom Alleinsein und von Traurigkeit, weil im häuslichen Chaos der Besuch von Freunden unmöglich erscheint.“ Die emotionale Verwirrung bleibe Normalzustand, wenn niemand helfe.

Familienhebammen, Netzwerke früher Hilfe und das Kinderschutzgesetz des Landes seien wichtige Bausteine und zeigten Wirkung, sagte Sozialminister Grüttner. So sei es etwa Aufgabe der Netzwerke der Frühen Hilfe, die Fachleute so untereinander zu  verbinden,  dass  sie Hilfen und Prävention schon für die ganz kleinen Kinder bis drei Jahren abstimmen könnten.

dpa

Quelle: op-online.de

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