Jetzt geht es ans Eingemachte

+

Offenbach ‐ Eigenkapitalerhöhung, Sanierungstarifvertrag, Fusion und das Projekt „Fit“ - auf vier Säulen soll die Zukunftssicherung des Klinikums Offenbach, das immer mehr in Finanznot gerät, ruhen. Das haben Geschäftsführung und Krankenhausleitung jetzt deutlich gemacht. Von Peter Schulte-Holtey

Das Wichtigste: Das Krankenhaus will sparen, alles kommt auf den Prüfstand. Der Haken: Zunächst ist es eine „Aktion Hoffnung“, denn die Umsetzung und die tatsächlichen Auswirkungen der Projekte sind völlig ungewiss. Darum geht es:

Eigenkapitalerhöhung:

In Offenbach gibt es einen Stadtverordnetenbeschluss, der als wünschenswerte Voraussetzung für eine Kapitalerhöhung von 30 Millionen Euro bei der Klinikum GmbH den Abschluss eines weiteren Sanierungstarifvertrags und den Zusammenschluss mit dem Wiesbadener Krankenhaus vorsieht. Dieser Votum hat aber u.a. angesichts des Stillstands bei den Fusionsbestrebungen an Bedeutung verloren. In der Stadt-Spitze geht man davon aus, dass  eine  neue  Beschlussvorlage für die 30-Millionen-Euro-Spritze notwendig sein könnte.

Einschätzung: Der Wille ist da, aber werden die 30 Millionen reichen?

Sanierungstarifvertrag:

Ende des Jahres läuft der aktuelle Vertrag mit den Gewerkschaften aus. Die Klinik-Beschäftigten haben seit Abschluss des ersten Abkommens vor sieben Jahren durch Gehaltseinschnitte und geringere Altersbezüge etwa 24 Millionen Euro aufgebracht. Am 5. Oktober wird erstmals über einen neuen Vertrag verhandelt. Die Arbeitnehmerseite will den jährlichen Sparbeitrag der Klinik-Mitarbeiter auf 1,7 Millionen Euro halbieren und eine Vertragslaufzeit von lediglich zwölf Monaten. Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer des Klinikums, sagte dazu: „Die Marschroute der Gewerkschaft Verdi zeigt schon, wie notwendig weitere, auch unpopuläre Sparmaßnahmen im Klinikum sind.“ Verdi-Krankenhausexperte Georg Schulze-Ziehaus ist zu „offenen Gesprächen“ bereit, macht aber auch deutlich, dass es „einen Griff in die Rentenkasse zu Lasten der Arbeitnehmer nicht mehr geben wird“. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat sich noch nicht festgelegt.

Einschätzung: Die Verhandlung werden schwierig. Verdi sieht eine Schmerzgrenze erreicht, möchte endlich Sanierungserfolge.

Fusion:

Zuletzt häuften sich Hinweise, dass die Verhandlungen mit den Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden auf der Stelle treten. So ist zum Beispiel weiterhin unklar, wie sichergestellt werden kann, dass Offenbach nicht für die Verluste zahlt, die in Wiesbaden entstehen und umgekehrt. Auch für das ehemals angepeilte Fusionsprojekt mit dem kommunalen Klinikum in Hanau gab es jetzt einen kräftigen Dämpfer. Oberbürgermeister Claus Kaminsky bestätigte die ablehnende Haltung.

Einschätzung: Stillstand, ab in die Warteschleife.

Projekt „Fit“ im Neubau:

Erste Analysen von Ergebnissen der Interviews mit Mitarbeitern liegen bereits vor. Baustellen sind aktuell die zentrale Belegungssteuerung, die Leitstellen 1 und 2 und die Notaufnahme inklusive Inbetriebnahme der Aufnahmestation mit zehn Betten im Nachtbetrieb zum 1. Oktober. „Fit“ arbeitet mit Unterstützung der Unternehmensberatung Andree Consult. Das Projekt sei mittelfristig angelegt und soll das Krankenhaus mit einem maßgeschneiderten Lösungskonzept „fit“ für den Wettbewerb machen. Ende Oktober will die Projektleitung (Geschäftsführung und Unternehmensberatung) erste Ergebnisse vorstellen. Alle 18 Kliniken des Offenbacher Krankenhauses werden derzeit durchleuchtet, Interviews mit Mitarbeitern und Chefärzten sollen folgen. Nach dem Aufdecken der „Sorgenkinder“ (Organisationsschwächen wie z. B. Doppelarbeiten) sollen 30 bis 40 Projektgruppen gebildet werden, um Lösungsansätze zu erarbeiten.

Einschätzung: Zeitintensives Mammutprojekt, ungewisser Ausgang.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare