„Jetzt ist es passiert“

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„Loop 5“ kommt näher. Im Herbst wird das 265 Millionen Euro teure Einkaufszentrum in Weiterstadt eröffnet.

Darmstadt/Weiterstadt - Farbige Elemente wechseln sich mit Schaufenstern ab, während der lichtdurchflutete Innenbereich der Shopping-Mall an die Zeit der Luftpioniere erinnern soll. Gekrönt wird das Ganze von einem beeindruckenden Glasdach. Von Sonja Thelen

Das sind Komponenten des neuen Einkaufszentrums „Loop 5“, das derzeit im Gewerbegebiet-West von Weiterstadt auf einer 63 000 Quadratmeter großen Baustelle hochgezogen wird. Dass sich mit dem Mega-Projekt der gnadenlose Wettbewerb der Einkaufszentren in der Region weiter in Richtung Kanibalisierung“ verschärft, lässt sich kaum bestreiten. Im nahen Darmstadt tut dies auch niemand. Dennoch sieht man sich für den neuen Gegner gut gewappnet. So spricht man beim Verein Citymarketing mit 110 Einzelhändlern und Verkaufsmanagern als Mitgliedern mutig von „neuen Herausforderungen“. „Darmstadt als Produkt platzieren“, lautet die Strategie des im Jahre 2006 gegründeten Vereins. Familienfreundlich, serviceorientiert, lebendig, lautet die Leitidee. Es wurden „Kinderforscherwochen und ein „Late-Night-Shopping“ organisiert.

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Doch „Loop 5“ wächst weiter. Schon im Herbst sei Eröffnung, kündigt das portugiesische, auf den Bau von Einkaufs- und Freizeitzentren spezialisierte Unternehmen Sonae Sierra an, das das Projekt mit Foncière Euris realisiert. 265 Millionen Euro investieren sie in „Loop 5“. Zusammen versprechen sie in den 177 Geschäften „Shopping in einer neuen Dimension“. 90 Prozent der Ladenflächen seien bereits vermietet.

Was da derzeit vor den Toren Darmstadts aus dem Boden gestampft wird, ist eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die City und den übrigen Einzelhandel in der Wissenschaftsstadt. Zum wiederholten Mal müssen die Geschäfte in Darmstadt sich gegenüber der grünen Wiese behaupten. „Loop 5 sehen wir sehr kritisch“, sagt denn auch Maren Frangen, stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereichs Standortpolitik bei der zuständigen IHK Darmstadt-Rhein-Main-Neckar, und betont: „Das Einkaufszentrum hat ja eine längere Planungsgeschichte. Aber nach heute geltendem Planungsrecht wäre Loop 5 gar nicht mehr möglich. Aber jetzt ist es passiert. Darmstadt muss sich entsprechend aufstellen und die Kräfte bündeln.“

Die Weichen hierfür hat die südhessische Stadt bereits gestellt. Um das Profil der kompakt angelegten City mit ihren Einkaufszonen zu stärken, wurde vor gut zwei Jahren eine neue Marketingkampagne aufgelegt. Der Verein „Darmstadt Citymarketing“ ist ein Zusammenschluss von Akteuren aus Wirtschaft, Handel, Stadt, Gastronomie, Hotellerie, Kultur und Tourismus, der seither verschiedene Aktionen und Events wie verkaufsoffene Sonntage initiiert hat. Zugleich setzt er sich auf der politischen Ebene dafür ein, die City städtebaulich aufzuwerten, um den Aufenthalt dort attraktiver zu machen.

Positiv bewertet Frengen indes das „Opel-Forum“. Die Planung für die Shopping-Mall in der Rüsselsheimer Innenstadt, die ebenfalls in ihre Zuständigkeit fällt, laufen auf Hochtouren. 2011 soll das Opel-Forum fertig sein. Der große Unterschied zu „Loop 5“ in Weiterstadt: Das Opelforum liegt zentral und wird zu einem Anziehungspunkt für die Rüsselsheimer City, sodass der gesamte Einzelhandel profitieren werde, glaubt Maren Frengen.

Von dem Erfolg von „Loop 5“ ist indes Weiterstadts Bürgermeister Peter Rohrbach überzeugt. Die Menschen würden die verkehrsgünstige Lage der Gewerbegebiete an der A5 und der A67 schätzen. Das zeigten die übrigen Nachbarn im Gewerbegebiet-West, allen voran der Möbelriese Segmüller. „Wie komme ich dahin?“, ist Rohrbach zufolge die entscheidende Frage. Und um Segmüller oder ab Herbst „Loop 5“ anzusteuern, müssten die Kunden nur von der Autobahn abfahren und den Wagen auf dem Parkplatz abstellen. Letztendlich müsste aber jeder für sich entscheiden, welche Art des Einkaufens er bevorzuge: Das urbane Shoppen unter freiem Himmel oder das Flanieren in einer Mall.

Aber auch aus Sicht von Bürgermeister Rohrbach ist in der Rhein-Main-Region ein Sättigungsgrad an gigantischen Einkaufszentren und großflächigem Einzelhandel erreicht. Zudem müssten die Straßen im Gewerbegebiet den Kundenverkehr verkraften können: „Wenn ich da eine Stunde im Stau stehe, macht das keinen Sinn.“

So sei es durchaus verständlich, dass das Regierungspräsidium in Weiterstadt-West keinen weiteren Einzelhandel in dem Gebiet mehr billigen werde. Bisher sind 26 Hektar der gut 60 Hektar im Gewerbegebiet-West verkauft. Auf den freien Flächen dürften sich künftig nur noch Gewerbetriebe ansiedeln, erklärt Rohrbach. Zusammen mit den Gewerbegebieten Nord und Süd, deren Grundstein bereits in den 1960er Jahren gelegt wurde, ist dennoch in Weiterstadt, inmitten der Boom-Region Rhein-Main ein gewerblicher Knotenpunkt mit überregionaler Bedeutung entstanden.

Quelle: op-online.de

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