Größter Industriesektor des Landes

Jobabbau in Hessens Metallfirmen

Frankfurt - Die Unternehmen der hessischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) bekommen zunehmend die Folgen der Schuldenkrise in Europa zu spüren. Sie reagieren mit dem Abbau von Arbeitsplätzen. Von Marc Kuhn

„Lange schien Deutschland im Ländervergleich fast immunisiert gegen die Abschwungtendenzen der Weltwirtschaft und die Staatsschuldenkrise in Europa und der Eurozone“, sagte Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, gestern bei der Vorstellung der Herbstumfrage des Arbeitgeberverbandes. Inzwischen schlage beides negativ durch. Gestrichen würden zuerst Jobs für einfache Tätigkeiten. Aufgrund der verhaltenen Aussichten bei der Geschäftslage, den Auftragseingängen und Umsätzen würden die Firmen der Branche im nächsten halben Jahr Beschäftigung abbauen, das erklärten zumindest die 222 an der Befragung teilnehmenden Unternehmen, sagte Helmut Rau, Tarifexperte von Hessenmetall. Die Firmen erwarten einen Rückgang der Beschäftigung von knapp zwei Prozent.

„Im Abschwung treten die strukturellen Defizite stärker zu Tage“, sagte Fasbender. Sie würden die Betriebe zu Anpassungen zwingen. Allerdings würden sie schon jetzt einen Fachkräftemangel in den mathematisch-technischen Berufen spüren, der sich in den nächsten drei Jahren verschärfen werde. Im dritten Quartal waren bei den Metall- und Elektrofirmen in Hessen 211.000 Menschen beschäftigt, damit wurde der Höchststand aus der Zeit vor der Krise wieder erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr seien das 1.100 Stellen mehr, erläuterte der Hauptgeschäftsführer.

„Der Abschwung hat begonnen“

Seit dem Tiefststand sind 14.300 Arbeitsplätze aufgebaut worden. In diesem Jahr wird der größte Industriesektor des Bundeslandes einen Umsatz von 57 Milliarden Euro erwirtschaften, wie Fasbender berichtete. 2011 sind es 60 Milliarden Euro gewesen. „Das Geschäft ist volatil“, erklärte Fasbender.„Der Abschwung hat begonnen“, sagte er weiter. Das zeige sich bei den Firmen in Aufträgen, Umsätzen und Erträgen. „Die seit Herbst 2011 anhaltenden Abwärtstendenzen bei den Aufträgen in der hessischen Metall- und Elektroindustrie haben sich im Jahresverlauf 2012 noch mal verstärkt.“

Auch die Beurteilung der Auftragsbestände falle in der Umfrage nicht mehr so positiv aus, erläuterte Rau. 63 Prozent berichteten von ausreichenden Beständen. Gegenüber dem Frühjahr sei die Nachfrage nur bei 20 Prozent der befragten Firmen gestiegen, sie schrumpfte indes bei 40 Prozent. Zudem hätten sich die Umsatzerwartungen deutlich eingetrübt, sagte Rau. Zwar stellten 48 Prozent der Unternehmen fest, dass ihre Umsätze im Herbst gegenüber dem Frühjahr vergleichbar geblieben seien. 30 Prozent beobachteten aber gesunkene und lediglich 23 Prozent gestiegene Umsätze. Die Ertragsentwicklung zeige ein ähnlich eingetrübtes Bild, berichtete Rau weiter. Im Rückblick auf das Frühjahr seien für 58 Prozent der Firmen die Gewinne vergleichbar ausgefallen, elf Prozent hätten von gestiegenen und 30 Prozent von gefallenen Erträgen gesprochen.

Immer optimistisch bleiben

Trotz dieser Zahlen zeigte sich Fasbender zuversichtlich. „Wir halten an unserem prinzipiellen Optimismus fest“, sagte er. „Im Abschwung vorsichtig Abstürze vermeiden und gezielt den nächsten dynamischen Aufschwung vorbereiten“, mit diesen Worten beschrieb Fasbender die Stimmung in den Unternehmen.

Der Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall verlangte erneut die Ausweitung der bislang auf sechs Monate begrenzten Kurzarbeit. Die Regelungen müssten zudem wie in der Krise 2009 auf die Zeitarbeit ausgeweitet werden, weil es dort sehr schnell einen Bedarf für Kurzarbeitergeld geben werde. Es gebe inzwischen auch vermehrt Anmeldungen der M+E-Betriebe für die eigenen Mitarbeiter, sie hielten sich allerdings noch in engen Grenzen. „Im Vergleich zur Krise ist das aber bislang kaum erkennbar.“

Quelle: op-online.de

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