Jobcenter hilft Menschen mit Migrationshintergrund

Wenn Cem immer den Kürzeren zieht

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Symbolbild

Dietzenbach - Gesucht: Azubi mit Realschulabschluss. Das Problem: Wenn Cem und Daniel sich mit gleicher Qualifikation für die Stelle bewerben, erhält in der Regel Daniel den Job. Bewerber mit Migrationshintergrund haben es auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach wie vor schwer. Von Jenny Bieniek

Die Zahlen sprechen für sich: Die allgemeine Arbeitslosenquote beträgt im Kreis Offenbach 5,7 Prozent, bei Ausländern liegt sie mit 13 Prozent mehr als doppelt so hoch. Und: Ihr Anteil unter den Langzeitarbeitslosen ist besonders hoch. Insgesamt machen Menschen mit Migrationshintergrund 53 Prozent der Hartz IV-Leistungsbezieher aus.

„Weil es trotz Fachkräftemangels in den Betrieben immer noch viele Vorurteile gibt, wollen wir mit guten Beispielen werben“, erklärt Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) das Konzept des kommunalen Jobcenters Pro Arbeit, das insbesondere für die Zielgruppe der Migranten ein umfassendes Angebot bereithält. Beratungsgespräche in der Muttersprache, Hilfe beim Verfahren um Anerkennung ausländischer Abschlüsse, berufsbezogene Sprachförderung.

Die Bemühungen tragen erste Früchte: Im ersten Halbjahr 2013 gelang es, zwei Drittel der erfolgreichen Stellenvermittlungen mit Migranten zu besetzen. Oberstes Ziel sei es, Chancengleichheit herzustellen. Denn vor allem Berufsanfänger kämpfen mit Einstiegshürden.

Nicht immer einfach, aber es geht

65 Prozent der Arbeitslosen zwischen 15 und 25 Jahren im Kreis haben einen Migrationshintergrund. Die Voraussetzungen seien nicht immer einfach: „Wenn da ein Mädchen in Burka vor mir sitzt, das trotz mittlerer Reife keinerlei Berufsorientierung hat und das keine Unterstützung von der Familie erfährt, ist das schon ein Vermittlungshindernis“, erzählt Betreuerin Marion Loibnegger.

Doch sie hat auch Positives zu berichten; so von ihrem „Vorzeige“-Schützling Sadiye Aslan. Die 27-Jährige wurde als Kind türkischer Einwanderer in Deutschland geboren. Nach dem Realschulabschluss bekam sie mit 18 ihr erstes Kind, kurz darauf folgte das zweite. 2010 trennte sie sich von ihrem Freund - und stand plötzlich als alleinerziehende Mutter ohne Ausbildung da. Doch für die Urberacherin war klar: Zuhause bleiben kommt nicht in Frage. „Das hat mein Ego nicht zugelassen“, erinnert sich die junge Mutter.

Mit der Unterstützung von Loibnegger machte sie eine schulische Ausbildung zur staatlich anerkannten Fremdsprachenassistentin, holte anschließend ihr Fachabitur nach und beginnt im Herbst ein Studium in Wirtschaftsingenieurswesen. Nebenbei will sie in einem Feinkostladen jobben. „Klar ist es nicht immer einfach, aber es geht irgendwie“, so Aslan, die sich ehrenamtlich im Ausländerbeirat und im Verein Netzwerk für Integration engagiert. Inzwischen gehen beide Kinder zur Schule, fürs Lernen bleibt nur nachts Zeit.

„Viele Migranten haben enormen Aufstiegswillen, wollen mehr erreichen als ihre Eltern“, weiß man bei Pro Arbeit. Man müsse ihnen nur die Chance dazu geben - und sie nicht bereits am Anfang ihrer Berufskarriere vor der Tür stehen lassen.

Quelle: op-online.de

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