Podiumsdiskussion

Der Jobmotor Flughafen keucht

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Frankfurt - Rund 76 neue Arbeitsplätze geschaffen hat der Frankfurter Flughafen laut Fraport seit der Eröffnung der Nordwest-Landebahn im Mai vergangenen Jahres. 12.600 sollen es seit 2001 sein. Von Katharina Hempel

Geht die Rechnung „mehr Flugzeuge, mehr Arbeitsplätze“ wirklich auf? Oder ist der sogenannte Jobmotor Fraport schon schwer am Keuchen? Diese Fragen stellte Ralf Heider, SPD-Landtagskandidat, am Dienstagabend im Sachsenhausener Südbahnhof. Mit ihm auf dem Podium diskutierten Katinka Poensgen, Bezirksleiterin bei IG Metall und verantwortlich für Tarif- und Betriebspolitik, Achim Fey, Wirtschaftsprüfer und Mitglied der Bürgerinitiative Sachsenhausen gegen Fluglärm, SPD-Bundestagsabgeordneter und Fluglärmkritiker Gerold Reichenbach sowie Friedrich Thießen, Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der TU Chemnitz und Mitbegründer des Rhein-Main-Instituts.

Das „Totschlagargument“ Arbeitsplätze entkräftete der Chemnitzer Professor Friedrich Thießen wissenschaftlich. Verschiedene Untersuchungen hätten ergeben, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Flughafens und der Entwicklung der Region gebe: „Flughäfen haben in der Vergangenheit im Durchschnitt keine neuen Arbeitsplätze geschaffen. Sie sind nicht die Jobmotoren als die sie gepriesen werden. Kassel hat sich besser entwickelt als das Rhein-Main-Gebiet, obwohl es nur einen kleinen Flughafen hat.“

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Achim Fey von der Bürgerinitiative steuerte Zahlen bei: Der Flughafenbetreiber „Fraport AG hatte 2003 fast 12 400 Beschäftigte, 2013 nur noch 10 700. Das ist ein Minus. Beim weltweit agierenden Fraport-Konzern sieht es nicht anders aus: 20 900 Arbeitsplätze im Jahr 2013 sind 2 500 weniger als 2003.“ Die Zahl 75 000, von der immer gesprochen werde, und die Fraport der Landesregierung Ende 2011 vorlegte, beziehe sich auf die Arbeitsstätte Flughafen insgesamt, also auf alle existierenden Jobs bei Unternehmen am Airport. Diese Zahl entspreche exakt der Prognose ohne Ausbau des Airports. Fazit: Die neue Landebahn sei im Oktober 2011 in Betrieb gegangen, die Zahl der Jobs aber trotzdem nicht gestiegen, fügte Wirtschaftsprüfer Fey hinzu.

Beurteile man die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, nehme sich Frankfurt verglichen mit anderen Regionen in den vergangenen Jahren eher bescheiden aus, fand IG Metallerin Katinka Poensgen. Zuwächse seien hauptsächlich im Bereich der prekären Arbeitsplätze zu verzeichnen. Vor allem dürften sie nicht auf die Gesundheit der übrigen Bevölkerung gehen, sagte SPD-Bundestagsabgeordneter Gerold Reichenbach. Er thematisierte damit das Verhältnis zwischen wenigen neuen Jobs am Flughafen und mehr als 350.000 Lärmopfern.

Montagsdemo gegen Fluglärm

Montagsdemo gegen Fluglärm

Knapp 1.000 Fluglärmgegner waren bei der letzten Montagsdemo im Frankfurter Flughafen vor den Sommerferien mit dabei. Seit Herbst 2011 fanden im Terminal 1 bislang 67 Demonstrationen statt. Die Demonstranten fordern unter anderem eine Verlängerung des Nachtflugverbots. Bei der jüngsten Demo standen Protestsongs im Mittelpunkt.

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Von ihnen verfolgten fast 200 mit viel Applaus und wenigen Zwischenrufen die Diskussion im vollen Südbahnhof. Im Anschluss hatten sie Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Bewohner vom Mühlberg wollte von den SPD-Männern wissen, mit welchem Argument er den Sozialdemokraten im Herbst seine Zweitstimme geben solle: „Sie sind zwar Ausbaugegner, aber ihr Spitzenkandidat hat davon nichts in seinem Wahlprogramm stehen.“ Der Mann für Frankfurt, Ralf Heider, gab zu: „Die SPD ist relativ lange hinterher gehinkt, was das Thema betrifft. Aber das hat sich gewandelt. Vernünftige Argumente setzen sich durch.“ Dietrich Elsner aus Mainz hatte daran seine Zweifel: „Wie wollen Sie die Trendwende in der Landes-SPD vollziehen?“, wollte er wissen. Konkrete Antworten bekam er nicht. Dafür ein Versprechen: „Mir geht es darum, dass ich mich für die Stilllegung der Landebahn Nordwest, für die Deckelung der Flugbewegungen und das Nachtflugverbot entschieden einsetze. Wie die südlichen Frankfurter Stadtteile zurzeit überflogen werden, das geht einfach nicht,“ sagte Heider.

Ein Zuhörer fragte, ob die Stilllegung der Nord-West-Landebahn rechtlich überhaupt möglich sei. Laut Heider sind die juristischen Spielereien gelaufen. „Jetzt sind wieder Politik und Gesetzgebung gefragt.“

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Quelle: op-online.de

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