Medizinisches Tiertraining

Joghurt lockt Ameisenbär auf die Waage

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Ein Ameisenbär wird im Frankfurter Zoo mit Joghurt auf eine Waage gelockt.

Frankfurt - Wenn Tierpfleger mit einem Joghurt-Schüsselchen in das Gehege von Ameisenbär Evita im Frankfurter Zoo kommen, klettert der kleine Vierbeiner ganz schnell auf die Waage. Medizinisches Tiertraining soll Stress und Verletzungsrisiken bei Mensch und Tier vermeiden.

Beschäftigung für Zootiere als Schutz vor Langeweile und Eintönigkeit gibt es in vielen Zoos. Der Frankfurter Zoo aber macht seine Tiere mit gezieltem Training fit für eine stressfreie tiermedizinische Betreuung. Deutschlandweit hat der Zoo mit einer 2017 geschaffenen Stelle für die Koordination des Tiertrainings und der Tierbeschäftigung Neuland beschritten, wie Zoodirektor Miguel Casares am Dienstag sagte. "Mit Dressur hat das nichts zu tun", betonte er. Es gelte, regelmäßig das Gewicht zu überprüfen - nicht nur, um möglichem Bewegungsmangel auf die Spur zu kommen, sondern auch, um Krankheiten frühzeitig zu entdecken.

"Äußerlich sieht man den Tieren Krankheiten häufig nicht an, aber Gewichtsveränderungen können ein Anzeichen sein", sagte Casares. Das Training helfe Stress für die Tiere zu vermeiden. "Wenn sie zum Beispiel von selbst auf die Waage gehen oder sich ohne Widerstände Augentropfen verabreichen lassen, vereinfacht das Arbeitsabläufe." Auch das Verletzungsrisiko sei für beide Seiten geringer.

Das Training basiert vor allem auf dem Belohnungsprinzip, sagte Regina Brinkmann, die in Frankfurt das medizinische Tiertraining koordiniert. Im Fall von Tamandua Evita, einer südamerikanischen Ameisenbärart, sei etwa Joghurt die begehrte Leckerei, die das Tier mit der langen Schnauze schnell auf die Waage bringt.

Im Training allerdings war zunächst Geduld gefragt: "Ein Dreivierteljahr haben wir ungefähr gebraucht", erzählte Brinkmann. "Es dauerte schon allein drei Monate, bis das Tier sich überhaupt im Gehege blicken ließ." Denn eigentlich verschlief der Tamandua den größten Teil des Tages gerne in einem hohlen Baumstumpf.

Bilder: Frühling im Frankfurter Zoo

Um die Tiere motiviert zu halten, gebe es die Lieblingsbelohnung - im Fall von Evita eben den Joghurt - häufig nur nach erfolgreichem Wiegen, einer Blutentnahme oder beispielsweise auch einer Hufbehandlung. Allerdings sind nicht alle Tiere auf Leckereien aus, verriet Casares. "Manche Tiere lassen sich lieber durch eine Extra-Streicheleinheit belohnen. Zum Beispiel Riesenschildkröten." (dpa)

Quelle: op-online.de

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