Viel los rund um Frankfurter Hauptbahnhof

Jubeltag für Bahn und Viertel

+
Die kleine Greta feiert den 125. Bahnhofsgeburtstag mit und dreht eine Extrarunde mit ihrer Intercity-Lok. Foto: dpa

Frankfurt - In Frankfurt dreht sich in diesen Tagen alles um den Hauptbahnhof: In der Nacht zum Freitag hat das Bahnhofsviertel zu einer Nacht der Kultur, der Besichtigungen und der Information eingeladen. Von Christina Lenz

Gestern Nachmittag dann kam das Fest zum 125-jährigen Jubiläum des Hauptbahnhofs auf Touren. Das Geburtstagsfest des Bahnknotens begann gestern mit einem „Tag der Musik“. Ab Mittag spielten Bands aus verschiedenen Ländern. Der Samstag ist der „Tag des Handels“, bei dem unter anderem der Moderator Harry Wijnvoord „Der Preis ist heiß“ spielt. Am Sonntag gibt es einen „Tag der Familie“, unter anderem mit einer Moderatorin des Kinderkanals und der „Maus“-Show.

Um 0.00 Uhr am „Geburtstag“ des Bahnhofs am 18.8. beginnt ein Theaterstück, „in dem wir die Uhr um 125 Jahre zurückdrehen wollen“, wie die Verantwortlichen vorab verrieten. Unter anderem soll eine historische Dampflok einfahren. Dialoge, Tänze und Lieder sollen den Tag der Einweihung wieder aufleben lassen.

Bahnhofsviertelnacht 2011 in Frankfurt

Rund 35 000 Besucher zog die „Bahnhofsviertelnacht“ am Donnerstagabend in das nicht nur rot beleuchtete Quartier. Das berühmt-berüchtigte Viertel braucht keine aufwendigen Bühnen, hier wird munter auf der Straße musiziert und getanzt. Der alternde Schlagerstar trällert neben dem jungen Jazzbassisten. Auf wenigen hundert Metern bietet das Viertel Kultur aus der ganzen Welt, Kaschemmen neben Szene-Kneipen, Kunst neben Prostitution, Scientology-Büros neben Freimaurer-Logen und - eine bewegte Geschichte.

Während sich die anderen zwischen Mainzer Landstraße und Gutleutstraße amüsieren, tanzen und feiern, blickt Jörg Wissmann zurück auf die Historie: „Kaum einer weiß, dass die stolze Architektur vieler Altbauten nur Fassade ist und den Betrachter täuscht“, sagt der Stadtführer. Die meisten Bauten wurden im 2. Weltkrieg zerstört oder bis zum Denkmalschutzgesetz 1976 einfach abgerissen. Was blieb, war oft nur die Fassade. Doch schon Anfang des Jahrhunderts wurde meist nur die sichtbare Hausseite edel mit Sandstein gestaltet, während man die anderen Außenwände aus einfachen Ziegeln baute. „Die Frankfurter waren eben schon immer schlaue Händler, die genau Kosten und Nutzen kalkuliert haben“. Das schachbrettartig angelegte Viertel entstand rasant: In nur 15 Jahren, von 1891 bis 1906 wurde das rechteckige Quartier aufgebaut und diente anfangs als gutbürgerliches Wohnviertel für Hoteliers, Mäzene und Industrielle.

Tausende bei der Bahnhofsviertelnacht 2013

Tausende bei der Bahnhofsviertelnacht

Schnell war es aber wieder vorbei mit dem gutbürgerlichen Leben. Nur wenig im Viertel hat den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Zur Amüsiermeile wurde das Bahnhofsviertel erst mit den Amerikanern. Was vielfach zur Überbrückung der Armut in der Nachkriegszeit diente, wandelte sich schnell zum florierenden Gewerbe. Das Bahnhofsviertel erhielt seine rote Beleuchtung. Die 70er Jahre stellten den Höhepunkt des Rotlichtmilieus dar. „Meine Mutter wäre mit mir damals niemals durch die Kaiserstraße gelaufen“, erzählt Wissmann.

Erst als Gastarbeiter sich im Viertel ansiedelten, wurde es vielfältiger. Pelz- und Lebensmittelgeschäfte öffneten und Restaurants aus der ganzen Welt. Im neuen Jahrtausend ist ein Phänomen dazu gekommen, gegen das sich viele sträuben: Immer mehr Luxuswohnungen entstehen, der Quadratmeterpreis beträgt inzwischen 7500 Euro, munkelt man. „Dieser Trend verdrängt die anderen Menschen, die hier leben“, meint Wissmann. Wenn nur noch eine Monokultur von Luxus herrsche, gehe das Lebendige schnell verloren. Aber noch bestimmt das pralle Leben dieses Viertel – und das nicht nur zur Bahnhofsviertelnacht.

Quelle: op-online.de

Kommentare