Zum Jubiläum neues Innenleben

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Das Filmmuseum soll bis auf die denkmalgeschützte Fassade komplett umgebaut werden.

Frankfurt - Umzugskartons statt Sekt und Häppchen, Bauarbeiten statt Jubiläumsfeierlichkeiten: Zu seinem 25-jährigen Bestehen feiert das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt nicht etwa eine Sause, sondern zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und freut sich auf die Zukunft. Von Christian Riethmüller

Die sieht für das am Schaumainkai gelegene Haus allemal rosig aus. Das Museum wird bis zum Frühjahr 2011 komplett umgebaut und modernisiert. Außerdem erhält es eine neue Dauerausstellung. Für das Bauprojekt sollen 13 Millionen Euro, für die neue Dauerschau 1,5 Millionen Euro aufgewendet werden.

Den Plänen zufolge, die gestern in Frankfurt präsentiert wurden, soll das Innere der unter Denkmalschutz stehenden historischen Villa gänzlich neu gestaltet werden. Dank des Umbaus werde die Ausstellungsfläche um rund 30 Prozent von derzeit 1450 auf 1900 Quadratmeter wachsen, sagte Claudia Dillmann, Direktorin des Deutschen Filminstituts (DIF). Das dritte Stockwerk des Museums, bisher als Bürofläche genutzt, stehe künftig für Sonderausstellungen zur Verfügung, die nebenbei noch einen spektakulären Blick auf die Frankfurter Skyline böten, sagte Dillmann weiter.

Das Geld für den Umbau, der vom Stuttgarter Architekturbüro Blocher Blocher Partners geplant wird, kommt von der Stadt Frankfurt, die das Projekt mit 6,235 Millionen Euro fördert, vom Land Hessen, das 2,5 Millionen Euro bereitstellt, sowie vom Bund, aus dessen Konjunkturprogramm II 1,54 Millionen Euro fließen. Den Rest will das DIF - Träger des  Museums und Hausherr in Erbpacht - aus eigenen Mitteln bestreiten. Wie Hilmar Hoffmann, früherer Frankfurter Kulturdezernent und Vorsitzender des DIF-Verwaltungsrates, sagte, solle außerdem die Gesellschaft um finanzielle Unterstützung gebeten werden. Das DIF hofft, 350 000 Euro über Spenden und Drittmittel einwerben zu können. Eine entsprechende Kampagne soll im September vorgestellt werden.

Auch die Aufwendungen für die neue Dauerausstellung ruhen den Angaben zufolge auf mehreren Schultern. Neben der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen gehören hier die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt und die dank eines immensen Gewerbesteueraufkommens derzeit sehr spendable Stadt Eschborn zu den Förderern.

Wird das Konzept der künftigen Dauerschau erst noch erarbeitet, dürfen sich Cineasten auf jeden Fall schon auf die Modernisierung des Kinos im Untergeschoss des Museums freuen, das bisher schon das einzige Lichtspielhaus in Frankfurt ist, in dem alle analogen Filmformate gezeigt werden können, darunter auch rare Formate wie 70-Millimeter-Film. Die Projektions- und Tontechnik des Kinos wird nun auf den modernsten Stand gebracht, um auch alle digitalen Formate und 3-D-Filme vorführen zu können. Bis dahin ist allerdings etwas Geduld gefragt. Wegen der Baumaßnahmen soll das Filmmuseum über 18 Monate hinweg geschlossen sein, die Wiedereröffnung ist für April 2011 geplant.

Die derzeit präsentierte Dauerausstellung schließt Ende Oktober und im November stellt das Kino den Spielbetrieb ein. Trotzdem will das Museum während der Schließung mit verschiedenen Angeboten im Kulturleben präsent bleiben. Das renommierte Kinderfilmfestival „LUCAS“ etwa soll auf anderen Kinoleinwänden gezeigt werden, ebenso die Reihen „Klassiker & Raritäten“ und „Kinderkino“. Die Frankfurter Kinowoche, bei der Filme an ungewöhnlichen Orten gezeigt werden, soll im kommenden Jahr ausgebaut werden. Außerdem kooperiert das Filmmuseum nächstes Jahr bei der Ausstellung „Gesamtkunstwerk“ mit der Darmstädter Mathildenhöhe.

Die wissenschaftliche und archivarische Arbeit des DIF geht hingegen weiter. Zwar schließen das Text- und Bildarchiv sowie die Bibliothek im Filmmuseum Ende September, doch die weiteren DIF-Archive in Frankfurt und Wiesbaden sind von den Umbaumaßnahmen nicht betroffen. Sie sind auch weiter für das Publikum zugänglich.

Die Modernisierung macht das neue Filmmuseum zu einem einzigartigen Erlebnis- und Erfahrungsort für Kulturinteressierte und Cineasten“, lobte Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU). Auch die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann (CDU), würdigte das Haus als „Leuchtturm im Filmland Hessen“. Darauf angestoßen wird dann im April 2011.

Quelle: op-online.de

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