Jugendamt entzieht Sorgerecht

Ehepaar schickte vier Kinder nicht in die Schule

Darmstadt - Ein streng religiöses Ehepaar aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg wollte seine vier Kinder nur zu Hause unterrichten. Doch das Jugendamt machte dem nun ein Ende.

Boykott aus Glaubensgründen: Weil ihre streng religiösen Eltern sie nicht in die Schule schickten, sind vier Kinder in Südhessen zu Hause abgeholt worden. Den Eltern wurde per Gerichtsbeschluss das Sorgerecht entzogen, wie der Leiter der Jugendhilfe des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Klaus Behnis, am Dienstag sagte.

Jetzt kümmere sich das Jugendamt um die 8- bis 14-Jährigen. Die Kinder befänden sich in einer Jugendeinrichtung. "Die Eltern sind grundsätzliche Gegner der öffentlichen Beschulung", sagte Behnis. Das habe einen religiös-weltanschaulichen Hintergrund. Sie hätten die Kinder selbst unterrichten wollen.

Gerichtsverhandlung im September

"Wir haben den Erziehungsauftrag des Staates umgesetzt", sagte ein Sprecher des Landkreises. Der Fall soll im September vor einem Familiengericht in Darmstadt noch einmal zur Sprache kommen. Der Termin ist laut Gericht nicht öffentlich.

Die Kinder waren in der vergangenen Woche in einem Wohnort im Landkreis Darmstadt-Dieburg abgeholt worden. Mit dabei war auch die Polizei. "Das lief alles geordnet ab", sagte ein Sprecher.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Die Familie aus Südhessen ist kein Einzelfall. Schulverweigerer sind in der Regel bereit, alle juristischen Möglichkeiten zu nutzen. Einer der jüngsten Fälle ereignete sich in Nordhessen. Im Mai 2013 wurde ein streng gläubiges Ehepaar vom Amtsgericht Fritzlar zu einer Geldstrafe von insgesamt 700 Euro verurteilt. Es hatte drei seiner Kinder zu Hause unterrichtet. Das Paar hatte vor, so weiterzumachen.

dpa

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare