Lieder mit jeder Faser gelebt

Juliette Gréco in der Alten Oper

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Juliette Gréco bei ihrem Konzert in Frankfurt.

Frankfurt - Unter all denen, die singen können, ist Juliette Gréco eine Ausnahmeerscheinung. Nicht, weil die Grande Dame des Chansons Französisch singt. Von Maren Cornils

Und auch nicht, weil sie ihren stattlichen 88 Jahren zum Trotz noch immer auf der Bühne steht und dabei so jung aussieht, als habe das Alter um sie einen Bogen gemacht. Nein „La Gréco“ ist deshalb so unsterblich, weil sie eine einzigartige Bühnenpräsenz besitzt und weil sie ihre Lieder nicht singt, sondern sie mit jeder Faser ihres Körpers lebt.

Am Freitag nun gab sich die große Chansonnière im Rahmen ihrer Abschiedstournee „Merci“ die Ehre - ihr Konzert in der Alten Oper Frankfurt war im Mai ausgefallen - und tat dabei das, was sie schon ihr ganzes Leben getan hat: mit einer Inbrunst singen, die ihresgleichen sucht und die selbst unter den französischsprachigen Liedermachern, von Jacques Brel einmal abgesehen, einzigartig ist. Da wird geseufzt, gejammert, jubiliert und mit rauchiger Stimme lasziv ins Mikrofon gehaucht, dass es eine wahre Freude ist. Begleitet wird die Sängerin von ihrem Ehemann Gérard Jouannest (Klavier) und Jean Louis Matinier (Akkordeon), wobei Begleitung bei Gréco das falsche Wort ist: Piano und Quetschkommode sorgen zwar für die typisch französische Akustik. Wahrnehmen aber tut man die Instrumente angesichts von Grécos einzigartiger Stimme nur am Rande. Dabei ist der große Auftritt ihr Ding nicht.

Im Gegenteil: Juliette Gréco erscheint zwar mit 15-minütiger Verspätung auf der Bühne, dann aber stiehlt sie sich, in einen dunklen Kaftan gekleidet, fast schüchtern in den Saal - eine angedeutete Verbeugung vor dem frenetisch applaudieren Publikum, und schon geht es los! Auf „Non Monsieur“ folgen „Amsterdam“, Jacques Brels unvergessene Hommage an die Grachtenstadt, sowie mit „Les vieux“ ein schonungsloser Blick auf das, was das Alter vom Leben überlässt. Melancholisch ist vieles, was Gréco anstimmt. Dieser Abend ist eine Ode an die Liebe und das Leben, an Pariser Lokalitäten wie Saint-Germain-des-Prés, dem Seineufer, Montmartre und „la vie parisienne“ im Allgemeinen. Gréco will zeigen: Wir sind stolz auf unseren Lebensstil und lassen ihn uns nicht verbieten.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Anhaltenden Applaus erntet Gréco nach jedem Titel. Beim wunderbar frivolen Song „Déshabillez-moi“ („Ziehen Sie mich aus“) und „Ne me quitte pas“ aber schwillt dieser noch einmal hörbar an. Würdevoller kann man sich nicht von der großen Bühne verabschieden.

Quelle: op-online.de

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