Die perfekte Inszenierung

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Juliette Lewis live im Schalchthof Wiesbaden, 11. November 2009

Juliette Lewis, das einstige Enfant terrible Hollywoods, rockt mittlerweile die Bühnen der Welt. Sie glänzte in den 90ern als Ausnahmeschauspielerin in Filmen wie „Natural Born Killers“, „Kap der Angst“ oder „From Dusk Till Dawn“. Seit 6 Jahren kommt sie ihrer selbstgewählten Bestimmung als Rockstar nach...und das mit zunehmendem Erfolg. Von Holger Strehl

Infos zum
Schlachthof in Wiesbaden:

www.schlachthof-wiesbaden.de

Als im Schlachthof in Wiesbaden am vergangenen Mittwoch um 21 Uhr die Lichter verdunkelt wurden, war das Publikum bereits gut eingeheizt. Die englische Newcomerband Scanners legte eine geniale Performance hin und erntete für eine Vorgruppe mächtigen Applaus.

Die Scanners online:

www.myspace.com/scanners

Mit Songs wie „Lowlife“ oder „Texas Tale“ überzeugten sie mit einer Soundmixtur aus Rock und verspielten Pop-Melodien. Durch den Einsatz von Schlagzeug und zusätzlichen Percussions erhielten die Songs ordentlichen Druck.

Doch dann war die Zeit für den eigentlichen Star des Abends gekommen. Juliette Lewis betrat mit ihrer neuen Band die Bühne und lenkte damit automatisch alle Blicke auf sich.
Das ewig quirlige Rockluder fing ruhig und bedächtig an, doch nach zwei Minuten zeigte sie, dass „ruhig“ nicht ihre Stärke ist. Obwohl die vielen neuen Songs, die sie in ihrer Setlist einbaute, nicht nach dem ungeschliffenen Gargensound ihrer Anfangszeit klingen, knallten sie mächtig rein.
Für ihr neustes Album "Terra Incognita“ hatte sie auch einen Garant für spacigen Sound an ihrer Seite: Kein geringerer als Omar Rodriguez-Lopez, Sänger der Rockband The Mars Volta, nahm mit Lewis ihr neues Werk in New York und Mexiko auf.

Miss Lewis stand keine Sekunde still und bestach durch ihre wahnsinnige Ausstrahlung. Diese benötigt sie allerdings auch. Obwohl ihre Songs nett klingen, ist es einzig und allein das Charisma des ehemaligen Hollywood-Nachwuchskindes, das sie so sehenswert macht.

Gelernt ist eben gelernt und so posierte die ewig jugendlich wirkende 36-Jährige lasziv und sexy oder hingebungsvoll dramatisch. Eben eine perfekte Inszenierung anstatt einem ehrlichen Rockkonzert. Aber da sollten Anspruch und Wirklichkeit nicht zu steif betrachtet werden, denn selbst einstige „authentischen“ Rockgrößen wie Bono oder Metallica bieten mittlerweile eine choreographierte Show anstelle eines Konzertes aus Leidenschaft und Herzblut. Und auch wenn Frau Lewis nicht blutete, der Schweiß rann in Strömen und man muss ihr lassen, dass sie sehr wohl weiß, mit welchen Reizen und Gesten sie spielen muss, um überzeugend zu wirken.

Juliette Lewis online:

www.juliette-lewis.com

www.myspace.com/juliettelewis

Als kleines Bonbon sang sie spontan noch ein Geburtstagsständchen für einen Fan und brach damit auch die Distanz zu ihrer Person auf. Diese Einspielung ließ sie nah und menschlich erscheinen und nicht wie eine Hollywoodgröße, die man sonst nur aus der Ferne bestaunen kann.
Die viel zu kurze Zugabe von nur einem Song holte dann aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Dennoch war es ein erfüllender Abend für alle Besucher, die mit zufriedener Miene nach 90 Minuten Lewis-Show begeistert die Halle verließen.

Quelle: op-online.de

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