Junge Griechen und Spanier arbeiten in der Region

Letzte Chance im Ausland

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Zwei mit dem Gastgeber-Gen: Anna Ioannou und Iannis Mondanos aus Griechenland machen im Hotel Intercontinental in Frankfurt ihre Ausbildung im Hotelfach.

Frankfurt/Rodgau - Neues Land, neuer Job – immer mehr junge Leute aus dem Ausland beginnen eine Ausbildung bei Unternehmen in der Region. Diese sind meist froh darüber, denn vor allem in Handwerk und Hotelbranche fehlt Nachwuchs. Von Lena Marie Jörger 

Etwas mulmig ist Anna Ioannou (30) und Iannis Mondanos (29) schon zumute, als sie im Hotel Intercontinental in Frankfurt Pressevertretern vorgestellt werden. Unsicher blicken beide in die Fotoapparate, die unaufhörlich klicken, und beantworten geduldig alle Fragen. In der Hand halten sie eine Schultüte – nicht, weil es ihr erster Schultag wäre, sondern weil am 1. Februar ihre Ausbildung begann. Ioannou und Mondanos lernen im Intercontinental das Hotelfach. Ursprünglich kommen sie aus Griechenland, doch dort sind die Jobaussichten alles andere als gut. Die Arbeitslosigkeit ist gerade unter jungen Leuten sehr hoch.

Ausbildung in Rodgau: Alejandro Gomez Gomez

Die beiden entschließen sich, am Projekt „Interkulturelles Training in der Gastronomie für überwiegend Jugendliche aus Griechenland“ teilzunehmen, das vom hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung sowie dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Ins Leben gerufen wurde es vom Internationalen Bund (IB) Frankfurt in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer (IHK). Gemeinsam mit drei anderen jungen Griechen absolvieren Ioannou und Mondanos zunächst einen vierwöchigen Sprachkurs und dann ein Praktikum in einem Hotelbetrieb.

„Ziel des Projekts ist, ausländische Jugendliche für eine spätere Ausbildung als Koch oder Hotelfachmann zu gewinnen“, erklärt Ursula Wenzel, IB-Programmgeschäftsführerin. „Das Praktikum soll sie auf einen guten Einstieg ins Arbeitsleben in Deutschland vorbereiten.“ Doch nicht nur das: In einem speziellen interkulturellen Training lernen die Teilnehmer praktische Tipps für den Alltag und zudem jede Menge über die deutsche Kultur. „Besonders witzig finde ich, dass hier in Deutschland immer alle pünktlich sind“, sagt Anna Ioannou und lacht. „Sogar als ich mich im Fitnessstudio anmelden wollte, haben sie mir erklärt, dass ich pünktlich dort sein muss.“ Auch für ihren Kollegen Iannis Mondanos, der in Offenbach wohnt, war das am Anfang eine Umstellung.

Umstellen musste sich auch der 21-jährige Spanier Alejandro Gomez Gomez, der beim Rodgauer Unternehmen ELS-tec, einem Spezialisten für Energie- und Gebäudetechnik, zum Elektriker ausgebildet wird. „Vor allem die Essenszeiten waren für mich am Anfang eine große Herausforderung“, erinnert er sich. „Die Deutschen essen einfach so viel früher als wir, daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.“ Das hat er geschafft, fühlt sich mittlerweile richtig wohl in seiner neuen Heimat. Vor gut sechs Monaten kam er dank eines Programms des hessischen Wirtschaftsministeriums und der Handwerks-kammer Frankfurt-Rhein-Main in die Region. „In Spanien hatte ich einfach keine berufliche Zukunft.“ Zwar hatte er dort nach seiner Ausbildung als Elektriker gleich einen Job bekommen. Als die Firma kurz darauf schloss, fand er aber keine neue Stelle.

„Das Fachliche kann man jedem beibringen“

Die Entscheidung nach Deutschland zu gehen, war für ihn die richtige. „Hier läuft es sehr gut, ich bin total glücklich“, schwärmt er und kann sich sogar schon vorstellen, auch nach der Ausbildung hier zu bleiben. „Im Moment habe ich keinen Grund daran zu denken, wieder von hier weg zu gehen.“ Nur mit der Sprache klappt es noch nicht so gut. „Ich besuche einen Sprachkurs, aber zurzeit bin ich etwas faul.“ Im Umgang mit den Kunden ist das aber kein Problem. „Manchmal erkläre ich einfach mit Händen und Füßen, was ich meine.“ Bevor er nach Deutschland kam, sprach er kein einziges Wort Deutsch.

Anders als Anna Ioannou und Iannis Mondanos, die beide schon Sprachkurse besucht hatten. „Es ist trotzdem noch sehr schwer“, gesteht Ioannou. „Aber es wird mit jedem Tag besser.“ Im Hintergrund nickt Julia Hetzel, Leiterin der Personalabteilung des Hotel Intercontinental. „Die beiden schlagen sich wirklich gut, wir sind total zufrieden.“ Um herauszufinden, ob die beiden jungen Griechen als Praktikanten geeignet sind, hatte sie sich vorab mit ihnen per Videochat Skype unterhalten. „Da habe ich schnell gemerkt, dass sie von ihrer Art her zu uns passen“, sagt Hetzel. „Das Fachliche kann man jedem beibringen, aber das Gastgeber-Gen hat nicht jeder.“ Und das, obwohl beide vorher nie mit Gastronomie zu tun hatten: Anna war Landschaftsarchitektin, Iannis Steuerberater. Als sie davon berichten, muss Hotel-Geschäftsführer Martin Driskell grinsen. Er kam selbst erst vor neun Monaten aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland, hatte vorher als Psychologe gearbeitet. „Aber die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist einfach stabiler“, sagt er.

„Für uns ist es immer schwieriger, Schüler zu finden, die sich für die Hotellerie interessieren“, klagt Brigitte Scheuerle von der IHK. „Ausbildungbetriebe im Raum Frankfurt könnten schon lange nicht mehr ohne Azubis aus anderen Ländern existieren.“ Etwa 1900 der rund 16.000 bei der IHK gemeldeten Lehrlinge hätten einen ausländischen Pass. Umso glücklicher ist auch Scheuerle, dass sich Ioannou und Mondanos für die Ausbildung entschieden haben. Letzterer ist begeistert: „In meinem alten Job kamen die Leute immer mit Beschwerden über ihre Steuer, hierher kommen sie mit einem Lächeln.“

Quelle: op-online.de

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