Erfolgswelle dank Limonadenkreation

Dank „herbert“ groß im Geschäft

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Jungunternehmer Martin Göttelmann

Frankfurt - Ein Frankfurter Jungentnehmer ist dabei, seine Limonade als Kult-Getränk zu etablieren. Welche Geschichte steckt hinter dem Erfolg der „herbert“-Limonade? Von Lara Sturm

Jungunternehmer werden in den Medien entweder als starke Leistungsträger, ja beinahe als Halbgötter, verehrt, oder als machthungrige Narzissten verunglimpft. Doch was verbirgt sich wirklich hinter dem Start-up-Mythos?

Trifft man Martin Göttelmann, einen erfolgreichen Jungunternehmer aus Frankfurt, scheint zunächst keine der gängigen Vorstellungen auf ihn zuzutreffen. Der 28-Jährige schwimmt derzeit mit einer Limonade namens „herbert“ auf einer Erfolgswelle. Kräuter, Limette und Grapefruit - drei Sorten gibt es bislang. Das Besondere an dem Getränk? Die Geschmacksrichtung: Bittersüß. Laut Göttelmann ist dieser spezielle Geschmack neu auf dem deutschen Limonadenmarkt. „Alle anderen Limonaden sind entweder süß oder bitter, dazwischen gibt es außer ‚herbert’ nichts.“

Die Richtung war klar

Dass gerade Limonade ihn zum Geschäftsmann machen sollte, war lange nicht klar. „Ich wollte immer ein eigenes Unternehmen haben“, berichtet Göttelmann. „Mit welchem Produkt ich auf den Markt gehe, war da gar nicht so vordergründig.“ Unternehmer - ein Traumjob schon zu Grundschulzeiten? Für Göttelmann: Ja. „Wahrscheinlich, weil ich es gar nicht anders kenne“, sagt der gebürtige Frankfurter. „Ich komme aus einer Unternehmerfamilie.“ Beide Großväter waren Fabrikanten in Ostdeutschland, beide Betriebe überlebten die Wende nicht. „Mein Vater hatte eine Werbeagentur. Doch er ist sehr früh gestorben, da hatte ich noch nicht einmal mein Abitur. Deswegen konnte ich sie leider nicht übernehmen“, bedauert Göttelmann.

Nachdem er es nicht geschafft hatte, während seines Studiums eine seiner zahlreichen Geschäftsideen umzusetzen, saß Göttelmann Anfang 2010 über seiner Bachelor-Arbeit und suchte nebenbei fieberhaft nach einer zündenden Idee. „Da erinnerte ich mich plötzlich an meine Abi-Fahrt nach Malta“, berichtet der 28-Jährige. Damals konnte er nicht genug von einer Limonade namens „Kinnie“ bekommen. Doch nach der Reise musste er feststellen, dass das bittere Erfrischungsgetränk, das auf Malta hergestellt wird, in Deutschland nicht erhältlich ist.

Zoll beschlagnahmte die Lieferung

Göttelmann rief den Hersteller an und bat um eine Speziallieferung nach Deutschland. Er musste schließlich eine ganze Euro-Palette kaufen, da sich für den Hersteller der Versand sonst nicht gelohnt hätte. Doch die Limonade kam nicht bei dem sehnsüchtig Wartenden an. Der Zoll hatte sie beschlagnahmt. „Mir wurde erklärt, dass die Bestellung zu groß für den Eigenbedarf ist und ich musste 900 Euro Steuern nachzahlen. Danach habe ich die Limonade ganz besonders genüsslich getrunken“, lacht Göttelmann.

Ein paar Jahre später verhalf dieser Vorfall ihm zu seiner Geschäftsidee. Einen Tag nach der Abgabe seiner Bachelorarbeit am 31. März 2010 stand Göttelmann in seiner Küche am Kochtopf und probierte Limonadenrezepte aus dem Internet aus. „Meine Limonaden-Koch-Versuche schmeckten alle ganz scheußlich. Ich merkte, das geht so nicht“, erzählt er. Also machte sich Göttelmann auf die Suche nach einem Lebensmitteltechniker: „Das war gar nicht so einfach. Die Leute haben mich zunächst alle nicht ernst genommen.“

Schließlich fand der Jungunternehmer eine Darmstädter Firma, bei der er seine Limonaden-Rezeptur unentgeltlich entwickeln lassen konnte. Im Gegenzug musste er zustimmen, sie auch künftig dort produzieren zu lassen. „Das war wirklich ein Glücksfall“, freut sich der Unternehmer noch heute. Auch eine Kelterei war dann schnell gefunden. „Alle denken immer, ich hätte wahnsinnig viel Geld investiert. Ich kann nur sagen, so viel war es gar nicht. Investiert habe ich vor allem Zeit“, so Göttelmann. Am 1. November 2010 verkaufte er seine erste Flasche.

Heute kann er rund 100 .000 Stück im Jahr absetzen. Die Flasche kostet im Einzelhandel 99 Cent. Göttelmann sagt, er könne von dem Geschäft leben. „Aber ich hoffe natürlich, dass das erst der Anfang ist. Mein Unternehmen ist momentan in der Übergangsphase vom Start-up zum professionellen Betrieb. Gerade bin ich auf der Suche nach einem Partner, um die Produktion zu erweitern und ‚herbert’ in alle deutschen Großstädte zu bringen.“ Ehrgeizige Ziele. Göttelmann sieht das nicht so: „Für mich ist das ganz selbstverständlich, meine Idee weiter zu verfolgen. Die Limonade ist doch schließlich sowas wie mein Baby.“ Göttelmann beschäftigt bereits 15 freie Mitarbeiter. Doch er packt noch überall mit an: Hilft im Lager, steht selbst am Verkostungsstand im Supermarkt, führt Gespräche mit Kunden, kümmert sich um Marketing, wirtschaftliche, personelle und juristische Fragen.

„Es ist schon deutlich mehr als eine 40-Stunden-Woche. Aber ich bin mit Freude und Leidenschaft dabei“, so der Unternehmer. Besonders der Kundenkontakt liegt ihm am Herzen. „Für die arbeite ich auch gerne mal länger.“ Bei vielen der Kunden heißt er inzwischen selbst nur noch Herbert. Also was nun: Halbgott oder machthungriger Narzisst? Die Wahrheit über den Start-up-Mythos liegt - wie so vieles im Leben - wohl irgendwo dazwischen.

Noch ist „herbert“ nicht in jedem Supermarkt erhältlich. Online findet sich eine Auflistung aller Verkaufsstellen:

‹ www.herbert- limonade.de/bezugsquellen

Quelle: op-online.de

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