Kampf um Rettung der Pferderennbahn

Galopprennbahn: „Es steht David gegen Goliath“

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Stadt Frankfurt spricht von „kardinalen Denkfehlern“

Frankfurt - Am 21. Juni werden die Frankfurter in einem Bürgerentscheid über die Zukunft des Rennbahn-Geländes in Niederrad entscheiden. Der Deutsche Fußballbund (DFB) will hier ab 2016 sein Leistungszentrum bauen. Die Galopprennbahn soll weg. Von Michael Eschenauer

Gestern gaben sich Vertreter des Renn-Klubs optimistisch, den „Kampf David gegen Goliath“ zu gewinnen. Das Zitat stammt vom Präsidenten den Renn-Klubs, Manfred Louven, der die neue „Rennklub-Wahlkampf-Zentrale“ auf dem Gelände der Galopprennbahn eröffnete. Dass man gegen eine mächtige Stadt und einen noch mächtigeren Verband antritt, ist den Aktiven klar. Dennoch sei die Empörung der Bürger enorm. Unterstützung im Kampf für einen Erhalt der Rennbahn finde man in allen Schichten. Viele fühlten sich übergangen bei der Entscheidung der schwarz-grünen Römerkoalition, dem DFB einen 15 Hektar großen Teil des insgesamt 38 Hektar großen Rennbahn-Geländes für 6,8 Millionen Euro Millionen Euro zu verkaufen. „Auch die Front der Parteien bröckelt an der Basis“, behauptete Louven gestern.

Um die Rennbahn zu retten ist bei dem Bürgerentscheid nicht nur die Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig. Diese Mehrheit muss auch mindestens ein Viertel der Wahlberechtigten ausmachen. Dies sind 120.000 Stimmen. Die Abstimmung ist der erste Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt Frankfurt. Die Kosten betragen rund eine Million Euro.

Louven betonte, dass man keine Konfrontation mit dem DFB anstrebe. „Eine Koexistenz von Rennbahn und DFB-Leistungszentrum ist möglich.“ Allerdings sei die Standortprüfung, derzufolge das Rennbahn-Grundstück ohne Alternative für das 90 Millionen Euro teure DFB-Vorhaben sei, nie ernsthaft betrieben worden. Der Renn-Klub, so der Präsident, sei wirtschaftlich wieder gut aufgestellt, die Besucherquote pro Veranstaltung liege bei einem Durchschnitt von 8000 Menschen. Man sei nicht mehr auf Geld der Stadt angewiesen. Sei der Bürgerentscheid von Erfolg gekrönt, „geht der Rennbetrieb weiter“, versprach er.

DFB mit Erbpachtrecht über 99 Jahre

Die Aktiven in der Initiative für den Erhalt der Rennbahn werfen der Stadt massive Verschwendung von Steuergeldern vor. So zahle der DFB lediglich 46 Euro pro Quadratmeter für ein Erbpachtrecht von 99 Jahren, während der Quadratmeterpreis laut Bodenrichtwerttabelle bei 500 Euro liege.

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Der Pferde-Trainer Markus Münch sprach gestern von einem „exzellenten Geläuf“. Dies sei auch kein Wunder nach all den Millionen, die in den vergangenen Jahren in die Anlage investiert worden seien. Bruno Faust vom Renn-Klub beziffert den Wert der Bauten auf dem Gelände auf 25 Millionen Euro. Diese müssten abgerissen werden. Zu diesem wirtschaftlichen Schaden kämen Entschädigungszahlungen für den bisherigen Pächter der Galopprennbahn, die Hippodrom GmbH, in Höhe von knapp drei Millionen Euro und den hier ansässigen Golfclub.

Erhoben wird ferner der Vorwurf, geltendes Recht zu umgehen. So sei das Gelände Landschaftsschutzgebiet, Wasserschutzgebiet, Kaltluftschneise und Teil des Grüngürtels. Zulässig sei das Zubauen des Areals durch das DFB-Leistungszentrum nur deshalb, weil man es als Sportanlage deklariere. In Wahrheit, so die Argumentation der Initiative, handele es sich aber zu einem großen Teil um Bürokomplexe.

Rennbahn zahlt gleichen Preis pro Quadratmeter

Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernenten Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), wies dies als „kardinalen Denkfehler“ zurück. Auch die Rennbahn habe lediglich 50 Euro gezahlt. Quadratmeterkosten von 500 Euro und mehr fielen nur bei einer explizit wirtschaftlichen Nutzung an. Beim DFB-Projekt handele es sich aber um eine gemeinnützige Nutzung als „Sondergebiet Sport“. Das sei im Grüngürtel zulässig. Die Büros seien diesem Ziel untergeordnet. Ähnliche Vereinbarungen habe man mit anderen Sportverbänden. Auch der DFB sei ein „e.V.“

Dass relativ neue Gebäude abgerissen werden müssten, sei „unglücklich“. Aber man habe vor der Wahl gestanden, weiter eine Nutzung wie den Pferderennsport zu alimentieren, dessen Zukunft unsicher sei oder die Flächen für eine langfristige und zukunftsträchtige Nutzung freizumachen. Eine gemeinsame Nutzung des Areals durch DFB und Pferdesport schließt Gellert aus. „Faktisch ist das Rennbahn-Areal derzeit nicht öffentlich zugänglich. Kommt der DFB, wird automatisch ein 9,8 Hektar großes Areal in einen Bürgerpark umgewandelt.“

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Quelle: op-online.de

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